Tödliche Kombination

Reiter und Reflexbogen

Schwert, Lasso, Pfeil und Bogen - über Jahrhunderte haben die Hunnen ihr Kriegsgerät stets perfektioniert. Dabei machten sie sich auch die Erfahrungen fremder Volksgruppen zu eigen. So entstanden Waffen der Superlative.

Der Reflexbogen ist in anderer Weise gekrümmt als ein normaler Bogen. Das Holzstück ist so bearbeitet, dass es die Form erhält und kleine Knochenstücke die Spannung unterstützen.

Hohe Durchschlagskraft

Das Besondere an der Form des Reflexbogens ist, dass man selbst bei einem leichten Zug eine enorme Kraftentwicklung erreicht. So braucht man nicht mit weit auseinanderstehenden Beinen am Boden zu stehen, um eine hohe Durchschlagswucht zu erreichen - man kann vom Pferderücken aus schießen.

Ein entscheidender Vorteil, denn so konnten die Reiter den Gegner auch aus großer Distanz ins Visier nehmen. Der Pfeil verfehlte sein Ziel nur selten und traf den Feind meist tödlich. In einem hunnischen Grab in Österreich wurde der verletzte Rückenwirbel eines Germanen entdeckt. Bei einer weiteren Ausgrabung - dem berühmten Fund von Pannonhalma - stieß der ungarische Archäologe Peter Tomka auf Bestandteile eines hunnischen Reflexbogens mit reich verzierten Beschlägen aus purem Gold.

Furcht erregende Wunderwaffen

Das erste, was die Römer und Westgoten bemerkten, war die Schnelligkeit, mit der die Reiter der Hunnen angriffen. Einerseits waren sie durch die Jagd geübt, andererseits hatten sie ihre Furcht erregende Wunderwaffe - den Reflexbogen. Für die Römer war der Bogen nicht ganz neu, sie kannten ihn schon von syrischen Truppen. Aber bei den Hunnen lernten sie ihn das erste Mal in großer Anzahl, großer Wucht und großer Genauigkeit kennen.

Der römische Geschichtsschreiber Ammian berichtet: "Man möchte sie die schrecklichsten aller Krieger nennen, weil sie im Fernkampf mit Pfeilen kämpfen und im Nahkampf mit der Waffe ohne Rücksicht auf sich selbst."

Schreckgespenst der Römer

So avancierten die Barbaren schnell zum Schreckgespenst der Römer. Das Pferd war für die Hunnen alles. Sie brachten einen militärischen Vorteil, nämlich lange Entfernungen schnell zurückzulegen und die Bogen vom Pferde aus zu schießen. Zugleich waren sie auch für die Versorgung entscheidend: Die Pferde waren die zentrale Milch- und Fleischquelle.


Für die Römer schienen die Hunnen auf den Pferden zu leben oder gar mit ihnen verwachsen zu sein. Die fremdartige Lebensweise der Steppenreiter lieferte Stoff für zahlreiche Legenden. "Die Hunnen leben von jedwedem Getier, dass sie zwischen ihre Schenkel und den Pferderücken legen und so erwärmen."

Besondes abstoßend

Die Geschichten dienten dazu, die Völker, die für die Römer oder für die Mittelmeerwelt fremd waren, als besonders abstoßend darzustellen. So baute man ein negatives Bild eines Volkes auf, dass als Bedrohung empfunden wurde. Und die Hunnen waren eine Bedrohung. Da versagte selbst die bewährte römische Schlachtordnung. Schilder und Rüstungen schützten kaum vor dem Pfeilhagel.

Die Taktik der Scheinflucht war fast immer erfolgreich. Die Gegner waren unter Druck. Das Steppenvolk schien unbesiegbar.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet