Torpedo Nummer 4 trifft

Entscheidender Schlag gegen Hitlers Pläne

Am 9. Februar 1945 manövriert die "Venturer" in Angriffsposition. Um Punkt zwölf Uhr zehn lässt Kapitän Jimmy Launders die Torpedoklappen öffnen. Im Abstand von siebzehneinhalb Sekunden soll gefeuert werden.

Zwei Minuten braucht der Torpedo, um das bewegte Ziel zu erreichen. Wenig Zeit für die U-864, der Feindberührung zu entrinnen.

Sofortiger Tauchbefehl

Der Funker des deutschen U-Boots hört nun ein unbekanntes Schraubengeräusch an Steuerbord. Kapitän Wolfram gibt daraufhin sofort Tauchbefehl. Sofort in große Tiefe gehen ist die einzige Chance für die U-864, um schnellstmöglich aus der Schusslinie zu kommen. Der Funker hört weitere Torpedolaufgeräusche. Für Wolfram und seine 72 Mann geht es um Leben und Tod. Die Antriebsmaschine ist defekt, drei Torpedos sind im Anmarsch und die Eskorte vor Hellisoy ist zu weit entfernt. Eine ausweglose Lage.


Das Drama um die U-864 spitzt sich zu. Zwei Torpedos sind vorbei gerauscht, der dritte noch nicht am Ziel. Nummer vier, seinen letzten Torpedo, lässt Kapitän Launders tiefer als die ersten drei abschießen. Um die "Venturer" nicht als Zielscheibe zu bieten, befiehlt er, danach sofort abzudrehen. Der Funker auf der U-864 geht davon aus, dass noch zwei weitere Geschosse unterwegs sind. Angespannte Minuten auf der "Venturer". Die Engländer warten, ob das Geräusch von berstendem Stahl verrät, dass sie das deutsche U-Boot getroffen haben. Doch auch der dritte Torpedo verfehlt die U-864.

"Geräusche zerberstenden Stahls"



Vierzehneinhalb Minuten nach zwölf bemerkt der deutsche Funker Torpedo Nummer vier. Doch ein weiteres Ausweichmanöver kommt zu spät: Die U-864 zerbirst. 73 Männer verlieren am 9. Februar 1945 ihr Leben. Kurz vor Hellisoy, dem Treffpunkt, an dem ihnen die Eskorte Begleitschutz geben sollte. Um 12 Uhr sechzehn schreibt Kapitän Launders in sein Logbuch: "Laute, starke Explosion, gefolgt von Geräuschen zerberstenden Stahls."

Für die Rekonstruktion der Jagd auf die U-864 konnten Marinehistoriker bisher nur auf die Aufzeichnungen der Engländer zurückgreifen. Erst die Untersuchung des Wracks hat bestätigt, dass Kapitän Wolfram tatsächlich versucht hat, dem Feind mit Zickzack-Manövern und Alarmtauchen zu entkommen. Wie die Analysen bestätigen, war der deutsche Kommandant direkt in den vierten, tiefer geschossenen Torpedo hineingefahren. U-864 wurde genau in der Mitte getroffen. Der Abschuss von Torpedos von einem getauchten U-Boot aus auf ein gegnerisches, ebenfalls getauchtes U-Boot hatte an jenem Tag bittere Premiere. Die Strategie dachte sich Kapitän Jimmy Launders aus.

"Operation Caesar" gescheitert




Die "Venturer" kehrt nach dem Einsatz zurück zu ihrer Basis auf den Shetland-Inseln. Die elfte Feindfahrt wird als entscheidender Schlag gegen Hitlers Pläne gefeiert. "Operation Caesar" ist gescheitert.
Die brisante Fracht für die Konstruktion von Kriegswaffen liegt versenkt auf dem Meeresboden.

Auch Maschinist Willi Transier liegt im nassen Grab. Der Verlobte von Edith Wetzler wurde nur 20 Jahre alt. Willi Transier war einer von über 30.000 U-Boot-Fahrern, die im Zweiten Weltkrieg ihr Leben aufs Spiel setzten und verloren. Ihr Mahnmal steht am Rande der Kieler Förde - jenem Ort, den die U-864 am 5. Dezember 1944 passierte - zu ihrer ersten und einzigen Feindfahrt.




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