Totengräber und Friedensfürst

Augustus gibt Historikern bis heute Rätsel auf

Skrupellos putschte er sich nach oben. Dennoch wurde er als Friedensstifter verehrt. Ein politisches Naturtalent. Wer war der Mann hinter der Maske aus Marmor, der Rom aus dem Bürgerkrieg führte und in neuem Glanz erstrahlen ließ?

In Velitrae, einem beschaulichen Ort 30 Kilometer südöstlich von Rom am Fuß der Albanerberge, erblickte am 23. September 63 vor Christus der spätere Kaiser Augustus als Gaius Octavius das Licht der Welt.

Einfache Herkunft

Octavius' Vater gehörte zunächst dem Ritterstand an, schaffte aber als erster der Familie den Übergang in den Senat und ging nach seiner Prätur im Jahre 61 als Statthalter Roms in die Provinz Macedonia. Sein früher Tod, Gaius Octavius war gerade erst vier Jahre alt, verhinderte jedoch, dass er und seine Familie in den engeren Kreis der stadtrömischen Nobilität gelangten.

Die Familie hatte aber dennoch gute Verbindungen in die Metropole, da Octavius' Mutter Atia eine Nichte Julius Caesars war. Für den unbedarften Knaben ein Glücksfall. Denn eine außergewöhnliche Karriere war ihm eigentlich nicht vorherbestimmt. Da Caesar selbst - bis auf einen illegitimen Sohn aus der Verbindung mit Kleopatra - kinderlos geblieben war, machte er, den damaligen dynastischen Vorstellungen der Römer entsprechend, seinen Großneffen zu seinem Erben und adoptierte ihn testamentarisch. Er vermachte Octavius in seinem Testament vom 13. September 45 vor Christus drei Viertel seines Vermögens. Welche konkrete Rolle Caesar ihm allerdings zugedacht hatte, ist nicht überliefert.

Die Weichen werden gestellt

Einen Hinweis auf Caesars Pläne für seinen Großneffen liefert das Testament des Diktators dennoch. Zwar konnte dieser seine amtliche Stellung nicht vererben - das verboten die Regelungen der Republik, an die sich der Diktator zumindest formal in bestimmten Fällen hielt. Doch Caesars testamentarische Verfügung, sein Erbe solle Gelder an alle seine Veteranen auszahlen, konnte unmöglich ohne weiterführende Absichten getroffen worden sein.

Zudem ließ der Diktator Octavius zahlreiche öffentliche Ehrungen, wie zum Beispiel den Pontifikat - da war Octavius gerade 15 Jahre alt - und die Aufnahme in den Patriziat, zu teil werden. Die ersten Vorkehrungen für die Zeit nach Caesars Tod waren also getroffen. Doch weder Caesar noch Octavius konnten damals ahnen, wie schnell sich daraus Konsequenzen ergeben würden.

Kindheit und Jugend

Doch von all dem ahnte der junge Octavius noch nichts. Im Gegensatz zu Octavius sah seine ehrgeizigen Mutter den Platz ihres Sprösslings bereits sehr früh langfristig in Rom. Wahrscheinlich sorgte sie schon sehr zeitig dafür - durch häufige Erwähnung und Erzählungen - , dass Octavius sich seinen Großonkel Caesar und dessen Charaktereigenschaften, wie Konsequenz, Pflichtbewusstsein und Nachdrücklichkeit bei der Verfolgung eigener Interessen, zum Vorbild nahm. Für einen kleinen Jungen oder einen heranreifenden Teenager war dies sicher nicht immer einfach.


Folgt man den Beschreibungen seines Biografen Sueton, so war Octavius von eher kränklicher Natur und von Anfang an gezwungen, auf seine Gesundheit zu achten. Man kann bei ihm sogar von einer leicht hypochondrischen Neigung sprechen. Spaziergänge waren ihm ein Graus. Er ließ sich lieber, in Felle gegen die Kälte eingehüllt, in einer Sänfte umhertragen. Auch versuchte er stets größer zu erscheinen, als er tatsächlich war. Zu diesem Zwecke trug er Schuhe mit dicken Sohlen. Sein linkes Bein war weniger entwickelt als das rechte, so dass er ein Leben lang erkennbar hinkte. Wegen all dieser gesundheitlichen Mängel musste er den üblichen Militärdienst nicht antreten.

An der Seite des großen Caesar

Als Teenager folgte er dem Ruf des Großonkels. Gaius Julius Caesar wünschte sich den Lieblingsneffen nach Rom - an seine Seite. Gemeinsam mit Marcus Agrippa, seinem besten Freund, schloss sich der Siebzehnjährige Caesars engstem Gefolge an. Schon bald darauf zogen beide nach Spanien. Dort sollte Octavius den berühmten Feldherrn in der entscheidenden Schlacht gegen die Söhne von Pompejus unterstützen. Für das Greenhorn eine erste Chance, um dem geliebten Großonkel zu beweisen, dass er ein zuverlässiger Verbündeter ist. Und den brauchte der Diktator dringend. Denn sein grenzenloser Ehrgeiz auf dem Weg zur Alleinherrschaft hatte den Senat gegen ihn aufgebracht.

Die Republik drohte, in den ständigen Wirren des Bürgerkrieges zu zerbrechen. Caesar musste also handeln. Bei der spanischen Stadt Munda standen sich die verfeindeten Parteien gegenüber. Die Söhne seines Erzrivalen Pompejus mit ihren Truppen auf der einen Seite, der Diktator mit seinen Legionen auf der anderen. Es sollte sein letzter siegreicher militärischer Auftritt bleiben. Bisher hatten mehr als 100.000 Römer ihr Leben aufs Spiel gesetzt - im Einsatz für den inneren Frieden im Staat.

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