Totenkult in Çatal Hüyük

Metropole der Jungsteinzeit

Çatal Hüyük in der heutigen Türkei liefert Hinweise auf einen besonderen Totenkult. Das so genannte Geierheiligtum ist eine Halle mit grausigen Wandbildern.

Überdimensionale Raubvögel stürzen auf kopflose Menschenleiber herab. Ein Indiz dafür, dass die Körper der Toten zunächst in Freihöfen ausgelegt wurden. Sofort machten sich die Aasfresser über sie her. Der Geier ist hier im wörtlichen Sinne ein Totenvogel.

Nahezu 10.000 Einwohner

Die legendäre Steinzeitstadt Çatal Hüyük liegt im anatolischen Hochland. Rund 2500 Jahre nach Göbekli Tepe entwickelte sich der Ort zu einer Stadt mit nahezu 10.000 Einwohnern. Als Archäologen die Lehmbauten in den Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts vom Schutt befreiten, staunte die Fachwelt. Luxuriöse Gegenstände wie Klingen und Spiegel sprechen für hochentwickelte künstlerische Fähigkeiten der Bewohner. Berühmt sind die ersten Objekte aus Keramik. Vor 8000 Jahren war Çatal Hüyük das kulturelle Zentrum des Vorderen Orients.

Männliche Potenz - weibliche Gottheit

Viele der Funde verweisen auf einen ausgeprägten Fruchtbarkeitskult. So auch die weibliche Figur auf dem Leopardenthron. Die Statuette aus Ton misst nur zwanzig Zentimeter. Wahrscheinlich verkörpert sie eine Muttergöttin oder eine Herrscherin. Als gesichert gilt, dass Frauen in Çatal Hüyük über lange Zeit eine dominante Rolle gespielt haben.


Eine Reihe von Kulträumen und farbige Wandbilder geben Einblick in eine ferne Vergangenheit. Die imposanten Fresken erzählen von eigenwilligen Jagdritualen.

Ein über zwei Meter großer Stier - umringt von winzigen Jägern. Es sieht aus, als ob sie um das mächtige Tier herum tanzen. "Der Stier ist Ausdruck männlicher Potenz", sagen die einen. "Seine Hörner sind Attribut einer weiblichen Gottheit", meinen die anderen.

Wem das Heiligtum mit den martialisch wirkenden Installationen letztlich gewidmet war, bleibt im Dunkel.

Parallelen zu Göbekli Tepe

Dem Totenkult von Jericho vergleichbar, verkleideten die Steinzeitler von Çatal Hüyük die Schädel verendeter Rinder mit Lehm. Nur die Hörner ließen sie frei. Ein rekonstruierter Schrein zeigt die beiden wichtigsten Gottheiten. Drei übereinander gesetzte Stierkopfmasken, bekrönt von einer übergroßen Gestalt mit weit gespreizten Beinen. Archäologen zufolge gebiert die große Mutter der Fruchtbarkeit den Stiergott. Ein fast identisches Relief taucht bereits 2500 Jahre zuvor in Göbekli Tepe auf. Doch noch können die Forscher den Zusammenhang zwischen beiden Figuren nicht erklären.

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