"Totschläger der Schönheit"

Gibt es ein Mittel gegen das Altern?

Das Altern und das Sterben – sie sind die beiden »Totschläger der Schönheit«, wie es einmal ein Barockdichter drastisch formuliert hat. Keine Kosmetikindustrie, keine Chemie, keine Medizin kann diesen Mächten wirklich Paroli bieten. Oder doch? Gibt es ein Kraut gegen das Altern?

Folgt man den wissenschaftlichen Erkenntnissen des Wiener Verhaltensforschers Karl Grammer, dann läge in einer solchen Entdeckung der Schlüssel zu nachhaltiger Attraktivität. Denn Jugendlichkeit hält Grammer für das wichtigste Kriterium der Schönheit überhaupt. Der Wissenschaftler geht davon aus, dass unsere Vorstellung von Schönheit vor allem durch evolutionär geprägte Kriterien bestimmt ist und von daher die Fruchtbarkeit die entscheidende Rolle spiele, wenn es um die Beurteilung von Schönheit gehe.

Wie fruchtbar ist die Schönheit?

Testreihen haben tatsächlich gezeigt, dass Männer dann als besonders attraktiv empfunden werden, wenn ihre Testosteron-Produktion den Höhepunkt erreicht. Bei Frauen sind offenbar die sogenannten Hormonmarker entscheidend, die auf Fruchtbarkeit hinweisen. Demnach steigern die fruchtbaren Tage des Eisprungs in besonderem Maße die Attraktivitätswerte einer Frau. Und würde man die Evolution höchstpersönlich nach Aufgabe und Zweck der Schönheit fragen, dann käme die Antwort prompt und wäre ganz im Sinne von Karl Grammer: Schönheit solle der Arterhaltung dienen!

Möglichst alt werden, also lange leben, wollen wir alle, aber wir wollen nicht altern – auf diese Formel lässt sich das große Menschheitsbedürfnis bringen, dem es zu verdanken ist, dass heute rüstige Rentner manchem Jugendlichen das Skateboard streitig machen. Oder dass 80-Jährige 25-Jährige ehelichen. Im Grunde ist ja nichts dagegen einzuwenden, dass mit alten Konventionen gebrochen wird, weil mit wachsender Lebenserwartung und entsprechender Lebensfreude auch ein neues Bewusstsein und ein verändertes gesellschaftliches Klima entstehen kann. Ab wann ist man denn heute ein Greis? Ab 50 wie unsere Urgroßväter oder erst mit 65, 70 oder gar 90 Jahren?

Gefühlter Jungbrunnen

Wie sehr die Beurteilung dieser Frage wiederum vom Lebensalter abhängt, zeigen statistische Umfragen. Während sich 30- bis 39-Jährige im Durchschnitt um 37 Monate jünger fühlen, als sie sind, empfinden sich 60- bis 69-Jährige bereits um ganze zehn Jahre verjüngt. Diese vollmundige Selbsteinschätzung mag sich allerdings auch ein bisschen wie das berühmte Pfeifen im dunklen Wald anhören: Wenn es den Jungbrunnen schon nicht realiter gibt, dann soll es ihn aber – bitte sehr – doch gefühlt geben!

Nichtsdestotrotz: Der biologische Alterungsprozess setzt beim Menschen unwiderruflich und ungeachtet der höheren Lebenserwartung ab etwa Mitte 30 ein. Verantwortlich dafür ist ein genetisches Programm. Es sorgt dafür, dass bestimmte Zellen die Bereitschaft verlieren, sich zu teilen. Biologen der Mayo Clinic im amerikanischen Rochester haben den Mechanismus dieser sogenannten seneszenten Zellen genauer untersucht: Nach etwa 50-maligem Teilen gerät der Prozess ins Stocken, so stellten sie fest. Die Zellen beginnen stattdessen bestimmte Proteine zu produzieren, durch die auch im benachbarten Gewebe der Alterungsprozess ausgelöst wird. Gelänge es nun, dieses genetische Programm zu stoppen, wäre grundsätzlich ein unlimitierter Teilungsprozess der Zellen vorstellbar – so wie bei Einzellern, die sich durch fortwährende Teilung vermehren, oder wie bei menschlichen Krebszellen, die ja sozusagen »unsterblich« sind.

Zeus gibt die Antwort

Freilich: Wer gegen das Sterben arbeitet, arbeitet gegen die Evolution. Er arbeitet gegen das neue Leben, das sich immer wieder Bahn bricht und den Raum beansprucht, den alles Neue nun einmal benötigt. Und vielleicht arbeitet er sogar gegen sich selbst – besteht doch ein wesentlicher Teil der Schönheit unseres Lebens darin, dass sie nicht festzuhalten ist. Dass das Leben vorüberzieht. Denn genau dies hat unsere Existenz mit der Schönheit gemein: Dass sie plötzlich da ist – und dass sie vergeht. Wie der Flügelschlag eines Schmetterlings.

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