Toumai und Lucy

Nur die zähesten Primaten überleben

Schon vor sieben Millionen Jahren, soll Toumai, ein weiterer Zweibeiner, in Afrika das Licht der Welt erblickt haben. Die berühmte Dame Lucy lebte dagegen nach Orronin, vor circa 3,5 Millionen Jahren.

Toumai lebt allerdings nicht in Ostafrika, wo nach Meinung der bisherigen Forschung die "Wiege der Menschheit" stand, sondern im Gebiet des heutigen Tschad - über 2000 Kilometer westlich des afrikanischen Grabenbruchs. Seine Welt ist bevölkert von seltsamen Zeitgenossen. Das urtümliche Chalicotherium, ein Säugetier, das sich auf seinen Knöcheln fortbewegt, durchstreift wie der viel kleinere Toumai die lichten Seelandschaften und Galeriewälder. Wie Toumai in das große Puzzle der Menschwerdung passt, weiß heute noch niemand so genau. Sein Name bedeutet soviel wie "Hoffnung auf Leben". So nennt man im Tschad Kinder, die kurz vor Beginn der Trockenzeit geboren werden.

Lebensbedingungen werden schwieriger

Tatsächlich bleibt auch Westafrika nicht von der zunehmenden Trockenheit verschont. In Nord/Südrichtung versteppt ein großer Teil des Kontinents. Toumais Nachkommen sehen sich mit dem gleichen Problem konfrontiert wie Orrorin und seine Familie: Ihr Lebensraum verwandelt sich im Laufe der Jahrmillionen in eine gewaltige Savannenlandschaft. Wälder verschwinden, Wasserlöcher trocknen aus. Die Lebensbedingungen werden immer schwieriger. Viele Arten sterben aus - beispielsweise auch das Chalicotherium.

Unter den Hominiden schaffen es nur die Zähesten, zum Beispiel auch die berühmteste Dame der Vorzeit: Lucy. Die Entdeckung der kleinen Hominidenfrau ging 1974 um die ganze Welt. Forschung und Presse feierten sie als "Mutter der Menschheit" oder "afrikanische Eva". Ihr Entdecker Donald Johanson wurde zum Helden der Paläoanthropologie-Geschichte.

Mit 20 nicht mehr ganz jung

Mittlerweile gibt es ein recht genaues Bild von Lucys Lebensumständen. Sie war zweifelsfrei ein Zweibeiner, kletterte aber noch gelegentlich und ernährte sich vermutlich vorwiegend von Früchten und Blättern. Mit ihren rund 20 Jahren ist sie nicht mehr ganz jung und hat schon vier bis fünf Geburten hinter sich gebracht. In den letzten Jahren hat sie immer weniger Artgenossen getroffen. Dafür muss sie sich mehr und mehr an den Anblick anderer Vormenschentypen gewöhnen. Diese Fremden gehören nicht zu Lucys Verwandschaft, zu den Afarensis. Lucy weiß nicht, was sie von den Neulingen halten soll. Sie sind ähnlich, aber eben doch anders: kräftiger, robuster - vielleicht gefährlich.

Die Fremden gehören zu einer anderen Art. Heute nennt man sie Anamensis. Sie sind etwas größer als Lucy und offenbar viel weniger ängstlich. Niemals würde sich Lucy so sorglos ausruhen, wenn niemand Wache hält. Sie riechen anders, sie kommunizieren anders und sie verhalten sich anders. Trotzdem entschließt sich die kleine Vormenschenfrau dazu sich zu zeigen und hofft, in die Gruppe aufgenommen zu werden. Schließlich entdeckt sie der Anführer und die Begrüßung fällt alles andere als herzlich aus. Lucy hat alles gewagt. Die Anamensis können sie töten, vielleicht sogar fressen - aber das Bedürfnis, in einer Gruppe zu leben, war stärker als die Angst vor den Fremden. Schließlich wird Lucy akzeptiert. Als Mitglied eines Clans haben sie und ihr ungeborenes Baby eine größere Überlebenschance im Busch.

Befremdlich, ja schockierend

Leichter als von den großen Katzen, lässt sich die Beute von anderen Aasfressern stehlen. Anamensis zeigt selbst vor den wehrhaften Hyänen keine Angst. Als er und andere Hominide beginnen, Aas zu fressen, sterben mehrere Hyänenarten aus. Möglicherweise verlor auch der mächtige Säbelzahn immer häufiger seine Beute an die Aasfresser. Auch einige der großen Katzen verschwinden für immer aus Afrika. Lucy ist nun zwar als neues Mitglied des Trupps akzeptiert, aber alles, was die anderen tun, wirkt befremdlich, ja schockierend auf sie. Als Vegetarierin kann sie den Tischsitten der Anamensis nur wenig abgewinnen.

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