Trassenbau mit Hindernissen

Enorme Entfernungen und schwierige Arbeitsbedingungen

Viele Jahre debattierte man in St. Petersburg ohne Ergebnis über den Bau einer sibirischen Eisenbahn. Auch den Befürwortern dieses Projekts war klar, dass sich der Eisenbahnbau im sibirischen Russland bestimmten Gesetzen unterordnen musste. Die Entfernungen waren enorm, die Klimaschwankungen extrem und die Witterungsverhältnisse unberechenbar.

Seit den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts nahmen verschiedene Trassenführungen für eine sibirische Bahn auf dem Papier Gestalt an. Man hatte die Wahl zwischen einer nördlichen, einer mittleren und einer südlichen Trasse. Letztere wurde schließlich bevorzugt, denn sie eröffnete auch die Möglichkeit, die zentralasiatischen Märkte zu erschließen.

Problemzone Baikalsee



Als endlich im März 1891 der Bau einer Eisenbahn beschlossen wurde, war den Verantwortlichen klar, welche großen Herausforderungen auf sie zukommen würden. Gebirge und Täler galt es zu überwinden, Felsen zu beseitigen. Morastiger Untergrund musste trockengelegt und eine akzeptable Trasse um den Baikalsee gefunden werden. Es war der schwierigste Teil der geplanten Strecke und wurde als letzter in Angriff genommen. Ein Stück wurde sogar erst 1905 fertig, als Russland und Japan Krieg führten und abertausende Soldaten nach Osten geschickt wurden. Bis dahin transportieren Fähren Waggons und Reisende über die "Perle Sibiriens".

Im Winter übernahm diese Aufgabe der in England gebaute Eisbrecher "Angara", der heute als Museumsschiff am Baikalsee liegt. Er wurde in Einzelteilen angeliefert und vor Ort zusammengebaut. Doch trotz starker Motoren reichte seine Kraft häufig genug nicht aus, um das oft über einen Meter dicke Eis auf dem See zu knacken. Der Verkehr kam dann zum Erliegen und musste über Schlitten abgewickelt werden.

Unfreiwillige Helfer



Der Bau der längsten Eisenbahnstrecke der Welt, von manchem begeisterten Zeitgenossen mit dem Bau der ägyptischen Pyramiden gleichgesetzt, verlief trotz aller Schwierigkeiten in atemberaubender Geschwindigkeit. An den einzelnen Teilstrecken waren zeitweise bis zu 100.000 Menschen unter schwierigsten Arbeitsbedingungen im Einsatz. Sie hausten unter primitivsten Bedingungen entlang der geplanten Strecke. Die meisten von ihnen kamen nicht freiwillig. Schon lange war Sibirien das größte Straflager der Welt. Unvorstellbar war der Einsatz an Menschen und Material.

Das Holz für die Schwellen musste von weither herbeigeschafft werden. Um Zeit und Geld zu sparen, setzte man die Schwellen weiter auseinander, als es in Europa und Amerika üblich war. Die Schienen bestanden zudem aus wesentlich leichterem Stahl als gewohnt. Ein Gleisbett gab es praktisch nicht, und an manchen Stellen wurden die Schienen einfach auf die Erde gelegt. Über die kleineren Gewässer führten Holzbrücken, über die größeren Ströme aber spannten sich Stein- und Stahlkonstruktionen.

Schneise der Zivilisation

Wenn die Kolonnen der Arbeiter weiterzogen blieben kleine Siedlungen zurück, die sich zu größeren Orten entwickelten und sich noch heute wie eine Perlenkette durch das südliche Sibirien ziehen. Nur wenige Menschen blieben aber für immer hier. Eine Schneise der Zivilisation und gescheiterter Hoffnungen. Ältere Städte wie Irkutsk aber erhielten durch den Bau der Transsib neuen Aufschwung. Der Plan Zar Alexanders III. schien aufzugehen.

Die Transsibirische Eisenbahn, so ein weiterer Traum Alexanders III., sollte vor allem auch Menschen in den Osten transportieren - Freiwillige, die sich hier niederließen. Manch einer versuchte es, denn als Anreiz lockten Vergünstigungen. Sie fanden Arbeit in den Fabriken, die langsam entlang der Trasse entstanden.

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