Traumatisierte Stadt

Zerstörung durch Beben ist erst der Anfang

Bereits zehn Jahre vor dem Beben war der Andreasgraben kartographiert worden. Eine gefährliche Spalte zwischen zwei Erdplatten. Die Geologen hatten die Bedeutung des Grabens unterschätzt. Die Ursache für das plötzliche Beben und den Zusammenbruch ganzer Stadtteile konnte sich kaum jemand erklären.

Viele glaubten an große Höhlen, die unter der Stadt eingestürzt waren. Tatsächlich aber war die Spannung zwischen den beiden Erdplatten so groß geworden, dass sie sich über die Oberfläche entladen musste. Die Bebenwellen zerrissen San Francisco förmlich in zwei Teile. Die Spalten zogen sich durch die ganze Stadt. An einigen Stellen waren sie bis zu acht Meter breit.

Im Schlamm versunken

Eugene Schmitz, der in seinem Wohnviertel vom Beben wenig mitbekommen hat, macht sich ein erstes Bild vom Ausmaß der Katastrophe. Neben den vielen Einstürzen sind besonders in Hafennähe viele Häuser im Schlamm versunken.


Ursache ist das rasante Anwachsen der Stadt während des Goldrauschs. Glückssucher setzten ihre Schiffe in den Sand und bauten Häuser darauf, die keine Fundamente besaßen. Noch heute stehen Teile San Franciscos auf diesem schwammigen Untergrund. Wenn bei einem Beben durch seismische Wellen Grundwasser an die Oberfläche gedrückt wird, verflüssigt sich das Erdreich. Die Folge: alles versinkt. Mehrere hundert Menschen ertrinken am diesem 18. April im Schlamm.

Spärliche Überreste

Arnold Genthe dokumentiert das Gesicht einer traumatisierten Stadt. Seine Fotografien zeigen das Unbegreifliche: Das Paris des Westens ist ausgelöscht. Die spärlichen Überreste sind Zeugen einstiger Pracht. Das Call Building ist inmitten all der Zerstörung ein Überbleibsel architektonischer Höchstleistung, ausgerechnet das größte Bauwerk San Franciscos hat das Beben überstanden. Trotz weiterer schwerer Erdstöße steht das historische Gebäude noch heute. Statiker hatten schon damals Techniken entwickelt, die die seismischen Wellen ausgleichen konnten.




Für den Turm und viele andere Gebäude, die das Beben überstanden haben, ist die erste Welle der Gefahr an diesem 18. April vorüber. Doch die Erschütterungen sind nur der Anfang. Vom Wind angefacht, bahnt sich eine Feuerwand ihren Weg durch die Stadt. Die Flammen werden von zerstörten Gasleitungen, auslaufenden Treibstoffen und brennbaren Trümmern genährt. Innerhalb weniger Stunden brennt die halbe Stadt. Selbst die Feuerwehr verliert Gebäude und Material. Die verbleibenden Einsatzkräfte tun ihre Bestes.

Hilflose Feuerwehr



Viele Wasserleitungen sind während des Bebens zerbrochen. Die Feuerwehr ist hilflos. Unmengen von Löschwasser versickern nutzlos im Boden. James Hopper wird Zeuge des hoffnungslosen Kampfes der Feuerwehrleute. Er protokolliert: "Ohne Wasser bekämpfen sie die Brände mit Äxten, Säcken und sogar bloßen Händen. Sie merken dabei kaum, wie der Atem des Feuers ihre Kleidung und ihre Haut versengt." Feuerwehrchef Sullivan ist in seinem Haus von den Trümmern verschüttet worden und schwer verletzt. Verzweifelt versuchen ihn seine Männer zu befreien. Die Feuerwehr ist führungslos.

Der Familienvater Bernhard Dulberg wird bei dem Versuch in sein Haus zurück zu kehren gestoppt. Polizei und Sicherheitskräfte haben die Kontrolle übernommen und verweigern den Zutritt. So wie Dulberg, verlassen an diesem Morgen tausende von Menschen ihre verwüsteten Behausungen.

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