Trend zum Stadtleben

Wildtiere dringen in europäisches Kulturland ein

In der mittelalterlichen Provinzstadt Alfaro in Nordspanien gibt es jede Menge Störche. Der europäische Weißstorch ist eigentlich ein Baumbrüter. Wo es keine alten Baumriesen mehr gibt, müssen Alternativen her. Allein auf der Kathedrale von Alfaro residieren 140 Storchenfamilien.

Störche im Nest Quelle: ZDF

In Spanien klappt auch die Nahrungsversorgung. Direkt vor der Haustür gibt es ein riesiges Angebot. Zwei Milliarden Tonnen Hausmüll produziert Europa pro Jahr. Mehr als alle Störche der Welt verdauen können. Selbst Gänsegeier finden hier genug, um satt zu werden.

Wege in die Zivilisation

Doch Europas Müllhalden bieten Wildtieren nicht nur Nahrung. Londons Stadtfüchse wohnen schon lange nicht mehr in Erdhöhlen. Zwischen Altreifen finden die Familien sicheren Unterschlupf für den Nachwuchs. Die Halden werden gerne auch als Abenteuerspielplatz genutzt. Allein in der britischen Hauptstadt leben schätzungsweise 10.000 Füchse. Der Trend zum Stadtleben nimmt überall in Europa zu. Er beschränkt sich keineswegs auf Füchse.

Die ungarische Metropole Budapest grenzt beiderseits der Donau an große Wälder. Wildschweine sind eigentlich friedliche Tiere, doch während der Paarungszeit ist mit einem alten Keiler aber nicht zu spaßen. In den Wäldern um Budapest, Berlin und Wien wimmelt es von Wildschweinrotten. Wenn im Winter die Stärksten um die Vorherrschaft kämpfen, wird die ganze Kraft dieser Tiere deutlich. Seit sie in ganz Mitteleuropa nicht mehr bejagt werden, haben ihre Bestände drastisch zugenommen.

Verlorener Lebensraum

Vielerorts verlieren Wildtiere ihre Furcht vor dem Menschen und dringen wie nie zuvor in Städte und Kulturland ein. Immer öfter nehmen die Wildscheine den Bauern die Erntearbeit ab und pflügen sogar die Felder um.
Die Äcker Deutschlands, Frankreichs, Ungarns waren einst von Wald bedeckt. Über Jahrtausende haben sich die landwirtschaftlichen Flächen immer weiter ausgebreitet. Für die Wildtiere Zeit genug, sich an die veränderte Umwelt anzupassen.

Das gemäßigte Klima seit der letzten Eiszeit vor 20.000 Jahren und die ertragreichen Böden machen Europa zum produktivsten Kontinent der Erde. Fünf Millionen Quadratkilometer fruchtbares Ackerland und Wiesen, von Italiens Reisfeldern bis zu den Tulpenfeldern der Niederlande: Europas Landwirtschaft ist im wahrsten Sinne des Wortes: "big business". Drei Milliarden Tulpenzwiebeln werden jedes Jahr von Holland in die ganze Welt verschickt. 250 Milliarden Euro setzen Europas Bauern jährlich um. Wo bleibt da noch Platz für ursprüngliche Natur?

Verstärkte Rücksichtnahme

Einst war der Feldhase auf dem Land allgegenwärtig. Dann verschwand er jahrzehntelang fast ganz. Pestizide und die Vernichtung von Hecken und Rainen entzogen ihm die Lebensgrundlage. Mittlerweile nimmt die Landwirtschaft bewusst Rücksicht auf die Bedürfnisse der Wildtiere. Und so erobert sich der Feldhase in vielen Teilen Europas sein Terrain wieder zurück. Und auch nicht alle Füchse müssen in die Stadt ziehen.

Getreidefelder dienen seit Menschengedenken Rehen als Kinderstube. Doch noch immer fallen heute Abertausende Kitze den Erntemaschinen zum Opfer. Für die ziehenden Graugänse sind die Äcker Mitteleuropas wichtige Rastplätze. Hier füllen sie ihre Reserven auf für ihren langen Flug in die Brutgebiete in den entlegendsten Winkeln des Kontinents.

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