Triumphe auf dem Schlachtfeld

Peter der Große als wahrer Begründer russischer Macht

"Peter der Große" gilt als der wahre Begründer russischer Macht und Stärke. Das ganze Trachten des jungen Zaren ist auf eine einzige Vision konzentriert: Alles Alte, Zurückgebliebene soll verschwinden.

Mit ungeheurem Elan plant er eine neue, moderne Hauptstadt, die keinen Vergleich mit anderen Metropolen scheuen muss.

"Tor zur Welt"

Der große Traum des Zaren Peter wird mit St. Petersburg Wirklichkeit: eine gewaltige Vision, die ausgerechnet auf einem Sumpfgelände errichtet werden sollte. Es war aber die einzige Möglichkeit, einen Zugang zur Ostsee zu schaffen und damit das Tor zum Westen zu öffnen. Das "Tor zur Welt" ließ sich öffnen, aber es war zugleich mit äußerst festen Riegeln wieder zu verschließen. Es bedeutete Öffnung, aber zugleich auch Misstrauen. Misstrauen gegenüber der ganz anderen, der fremden Welt.


So baute Zar Peter keineswegs eine klassische Hafenstadt, sondern als erstes eine Festung. Ein Zentrum mit meterdicken Mauern, Hunderten von Kanonen - und in der Mitte die kleine Idealstadt: Gebaut nur für das Militär, ein prachtvolles Miniaturstädtchen wie aus dem Baukasten - mit allem was dazugehört: hübsche Häuser, Schulen, eine Kirche. Doch unter dem Idyll lauert Unterdrückung und Gewalt. In Gefängniszellen sind über Jahrhunderte hinweg die "Staatsfeinde" aus dem ganzen Land interniert worden: Bakunin, Dostojewski, Maxim Gorki - die kritischen Geister der russischen Kultur.

Errichtet "auf Tränen und Toten"

Sogar seinen eigenen Sohn lässt Zar Peter in den Verliesen der Festung zu Tode foltern. Hinter dem Glanz der Zarenherrschaft verbirgt sich das Grauen - oder wie es ein russischer Dichter einmal über St. Petersburg gesagt hat: Die Stadt ist errichtet "auf Tränen und Toten". Auch das ein Erfolgsrezept: Die neue Hauptstadt Sankt Petersburg wächst unaufhörlich. Das goldene Reich des Zaren - aus aller Welt holt er Handwerker, Künstler und Architekten ins Land, um seine Kirchen und Paläste zu schmücken. Die neueste Technik und die kühnsten Konstruktionen - nur das Beste ist dem Zaren gut genug.

Rückständige Methoden

Seine Privatresidenz Peterhof lässt er in dem Stil errichten, den er bei seinen weiten Reisen bewundert hat: holländisch, so wie im geliebten Amsterdam. Mit Sicht aufs weite Meer will er leben - mit Blick in die Ferne, dorthin, wo Abenteuer ihn locken und Träume geboren werden - auch seine Träume von Seeherrschaft und Schlachtenglück. "Wäre ich nicht Zar, dann wollte ich Admiral der englischen Marine sein!", soll er ausgerufen haben. Der Flotte Britanniens müssen die Schiffe gleichen, die er auf den Werften an der Newa in Auftrag gibt: Es sollen die größten, schönsten und kampfkräftigsten Fregatten aller sieben Weltmeere werden.


Der Ehrgeiz Peters kennt keine Grenzen: Herrscher über ein Weltreich will er sein und wähnt sich in der Nachfolge von Alexander dem Großen und Roms Kaiser Augustus. Niemand soll mehr über Russland spotten - doch bald wird nur noch Zar Peter lachen, wenn er an die Verwirklichung seiner hochfliegenden Pläne geht. Das Wohl der Untertanen schert den Zaren dabei wenig. Eine Sonderpolizei wird mit der Durchsetzung seiner Gesetze beauftragt. Alles Traditionelle soll weichen - sogar das Tragen von Bärten ist dem einfachen Volk jetzt verboten. Wer sich widersetzt, bekommt die Staatsmacht zu spüren. Das aber sind Methoden, die in einem zunehmend aufgeklärten Europa rückständig und veraltet sind.

Solche Ansichten bleiben dem russischen Staatswesen im 18. Jahrhundert fremd. Aber der Glanz und die Pracht am Hofe von Sankt Petersburg überdecken die politische Rückständigkeit. Peter festigt seine Herrschaft durch Triumphe auf dem Schlachtfeld auch außenpolitisch. Militärische Siege sind es, mit denen er das Territorium Russlands mehr als verdoppelt hat: Es erstreckt sich jetzt über zwei Kontinente: Von der europäischen Ostsee bis an die Küsten des Stillen Ozeans in Asien.

Mit aller Härte

Die russischen Herrscher waren nie zimperlich mit ihren Untertanen, wenn es um die Erweiterung ihrer Macht ging. Und wenn man glaubt, eine Frau auf dem Zarenthron würde vielleicht milder regieren - dann täuscht man sich gründlich.

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