Türkisches Desaster

Polen wenden die Schlacht am Kahlen Berg

"An der Bresche tobte der Kampf immer noch mit voller Härte. Die größte Gefahr war gebannt. Aber die Türken dachten nicht daran, aufzugeben. Ihr Ansturm war am Nachmittag heftiger als je zuvor. Zu sehen war nur der Halbmond, der den kämpfenden Türken vorangetragen wurde."

Die türkische Fahne soll den Soldaten Kara Mustafas Ansporn sein. Er will jetzt den Sieg in offener Feldschlacht. Die Feldkommandanten der Allianz sollen erst am nächsten Tag die Entscheidung suchen: Aber jetzt fühlen sie sich von der Fahne herausgefordert: Endlich stehen alle Einheiten der Allianz den türkischen Linien geschlossen gegenüber. Die gesamte christliche Streitmacht geht zum Generalangriff über.

Zerrieben im Zweifrontenkrieg

Auch der polnische König und Oberbefehlshaber der Allianz, Jan Sobieski, will jetzt die Befreiung Wiens noch am 12. September. Seine gepanzerten Reiter stürmen in breiter Front und überrennen die Linien der Osmanen. Die Polen wenden die Schlacht am Kahlen Berg. Kara Mustafas Strategie geht nicht auf - die Türken scheitern am Zweifrontenkrieg.





(17:30 Uhr): Am frühen Abend ist die Schlacht am Kahlen Berg entschieden. Trotzdem versuchen die Türken hartnäckig, ihr Lager gegen den Ansturm der Polen zu verteidigen: "Als nun die Streiter des Islam sahen, wie der Feind stürmend vordrang, da schwand jedem die Lust zum Kampf. Völlig verstört über die fürchterliche Niederlage, die durch den allerhöchsten Willen Allahs eingetreten war, nahm Kara Mustafa die Heilige Fahne des Islam und wandte sich zur Flucht." "Kämpfend, fechtend und blutige Tränen vergießend, suchte jedermann sein nacktes Leben vor den Schweinen der Ungläubigen zu retten." So schildert ein türkischer Augenzeuge das Ende der Kämpfe.

Ende der osmanischen Ära in Europa

Am Abend des 12. September 1683 ist die Schlacht gewonnen, Wien befreit. Zwei Jahrhunderte später fand der österreichische Staatsman Eduard Graf Taaffe folgende Worte für den Sieg seiner Landsleute: "Bei Gott. Nie hat es so einen Triumph gegeben. Nie hat ein Sieg von solcher Bedeutung so wenig Blut der Unsrigen gekostet. Und nie hat sich eine Besatzung tapferer gehalten als diesmal die Wiener."


Mit dem 12. September 1683 geht die Herrschaft der Osmanen in Europa ihrem Ende zu. Im Frieden von Karlowitz wird ihre endgültige Niederlage besiegelt. Die Habsburger erobern nach der Belagerung Wiens die osmanisch besetzten Gebiete zurück. Im serbischen Karlowitz müssen die Türken den Status Quo anerkennen.




In der Kaisergruft in Wien, der Grablege der Habsburger, ist auch Leopold I. bestattet. Er ist der Nutznießer des alliierten Sieges.

Mittler zwischen Orient und Abendland



Habsburg wird nach der Schlacht am Kahlen Berg zu einer der größten Landmächte Europas, Österreich zur Doppelmonarchie und zu einem Vielvölkerstaat - bis 1918. Ironie der Geschichte: Über religiöse Gräben hinweg kommen sich zwei Kulturen näher, die sich zuvor erbittert bekämpft hatten. Nach dem Sieg über die Türken wird Wien Mittler zwischen muslimischem Orient und christlichem Abendland. Und am Ende wussten die Wiener sogar Nutzen aus der alten Feindschaft zu ziehen.

Zum Tode verurteilt


Michaelowitz-Bericht: "Übrigens, es war mein Freund Kolschitzki, Kundschafter wie ich, der in Wien das erste Caféhaus aufmachte. Er hatte im Lager der Türken Säcke voll seltsamer Bohnen erbeutet, aus denen er türkischen Mokka brühte. Und dann war da noch ein Bäcker: Als Erinnerung an den Sieg über die Türken, machte er unsere Kipferln zu türkischen Halbmonden. Ich glaube, im Königreich Ludwigs des XIV., der die Sache der Christen so schmählich im Stich ließ, nennen sie unsere Erfindung jetzt Croissant."


Ohne das Durchhaltevermögen des Stadtkommandanten, des Grafen von Starhemberg, wäre Wien gefallen. Kara Mustafa wird zum Tode verurteilt: Legt mir die Schlinge auch richtig an", sollen seine letzten Worte gewesen sein. Karl von Lothringen, der geniale Feldherr des Kaisers, trat für die Rettung Wiens klaglos ins zweite Glied. Ehre und Ruhm, Befreier Wiens zu sein, musste er dem polnischen König Jan Sobieski überlassen.

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