Turbulente Begegnungen auf hoher See

Das umtoste Kap

Seine besondere Lage macht das Kap der Guten Hoffnung für Seefahrer äußerst gefährlich. Genau hier, wo sich Indischer und Atlantischer Ozean begegnen, entstehen unberechenbare Meeresströmungen und raue Winde, die das Manövrieren eines Schiffes erschweren. Aber was für die Seefahrt ein Fluch ist, entpuppt sich als Segen für die Unterwasserwelt.

Grafik: Strömungen am Kap
Grafik: Strömungen am Kap

Einst waren Afrika und der südamerikanische Kontinent vereint. Mit dem Auseinanderdriften der Kontinentalplatten taten sich neue Ozeane auf. Das Kap der Guten Hoffnung entstand. Die vorgelagerten Klippen wurden vielen Seefahrern zum Verhängnis. Starke Winde drückten Segelschiffe immer wieder auf die tückischen Felsen, die bis dicht unter die Wasseroberfläche reichen.

Der neue Seeweg

Gewürzhändler in Indien
Gewürze Text 1

Vor 500 Jahren schickten europäische Herrscher Seefahrer auf die Suche nach einer neuen Passage nach Indien. Im Jahr 1487 startete Kapitän Bartholomeu Diaz im Auftrag des portugiesischen Königs. Das Vorhaben unterlag strengster Geheimhaltung. Für die Portugiesen war der Seeweg von Europa nach Indien die Chance auf unermesslichen Reichtum, denn Gewürze, Seide und Gold aus der Schatzkammer Asiens versprachen gute Geschäfte. Und die Landwege nach Indien waren fest in der Hand von arabischen und venezianischen Händlern.

Grafik: Der Seeweg von Portugal nach indien.
Seeweg nach indien Text 1

Als Diaz zu seiner Erkundungsreise aufbrach, waren große Teile Afrikas noch nicht bekannt und kartografiert. Man müsse aber nur der Küste folgen, so Diaz' Hoffnung, dann würde sich irgendwann ein Seeweg nach Osten öffnen. Doch starke Strömungen ließen das Schiff nur langsam vorankommen. Am Kap der Guten Hoffnung schließlich bekam Diaz die volle Kraft der Stürme und Strömungen dieser gefährlichen Region zu spüren. Trotz aller Widrigkeiten erledigte der portugiesische Seefahrer und Entdecker seinen Auftrag erfolgreich. Als erster Europäer umsegelte er die Südspitze Afrikas. Ein Durchbruch für die Seefahrt - mit einem hohen Preis: Das Kap der Guten Hoffnung bleibt unberechenbar. Über dreihundert Schiffe sind seit Diaz' Umsegelung hier auf den Grund gesunken, Hunderte Menschen starben.

Ströme aus Ost und West

Klippen am Kap der Guten Hoffnung
Klippen am Kap Text 1

Ein Grund für die Probleme bei der Schifffahrt sind extreme Strömungen. Der Agulhasstrom an der Ostküste bringt warmes Wasser und warme Luft vom Äquator und trifft am Kap der Guten Hoffnung auf den kalten Benguelastrom, der an der Westküste Afrikas entlang nach Norden fließt. Dabei entstehen im Meer unberechenbare Turbulenzen und in der Atmosphäre gefährliche Stürme.

Was für die Seefahrer eine tödliche Gefahr sein kann, sorgt in der Tiefe für eine Quelle üppigen Lebens. Dort, wo sich ein Arm des kalten Benguelastroms wie ein Keil an der Küste entlangschiebt, sammelt sich nährstoffreiches Wasser wie in einem Trichter, der Plankton durch die Strömung gefangen hält. Ein Paradies für Meeresbewohner.

Attackiert von allen Seiten

Zwischen Mai und August, im südafrikanischen Winter, kommen zuverlässig jedes Jahr gewaltige Sardinenschwärme mit der Strömung an die Küste. Das lockt verschiedene Räuber aus allen Richtungen an und führt zu einem der größten Naturspektakel auf unserem Planeten: Delfine spüren mit ihrer Echoortung den Sardinenschwarm als Erste auf. In Schulen von mehreren Tausend Tieren treiben sie ihre Beute zusammen, um sich dann bequem zu bedienen. Zum Atmen müssen sie allerdings an die Oberfläche. Diese Gelegenheit könnte der Schwarm nutzen, um in die Tiefe abzutauchen.

Haie umkreisen einen Sardinenschwarm
Sardinenschwarm mit Haien Text 1

In dieser Situation kommen den Delfinen ausgerechnet ihre Nahrungskonkurrenten zu Hilfe:die Haie. Sie bedrängen den Sardinenschwarm von unten. Der Schwarm sitzt in der Falle. Delfine umkreisen ihn und schlagen immer wieder zu, und die Haie halten ihn von unten in Schach - eine ungewöhnliche Teamarbeit.

Alle Jahre wieder

Auch die Kaptölpel, knapp gänsegroße Meeresvögel, profitieren davon, dass den Sardinen der Fluchtweg in die Tiefe versperrt ist. Sie schießen aus der Luft wie Pfeile bis zu 25 Meter tief ins Meer, um sich die Fische zu schnappen. Riesige Scharen der Seevögel versammeln sich zum großen Fressen. Der ungeheure Fischreichtum lockt auch Robben an. Dabei werden sie oft selbst zur Beute. Weiße Haie attackieren die Robben aus der Tiefe. Zwar gilt auch der Weiße Hai als bedrohte Art, aber vor den Küsten Südafrikas sind die Tiere noch zahlreich - dank der Robben, ihrer Hauptnahrung.

Ein Kaptölpel im Sturzflug
Kaptölpel im Sturzflug Text 1

Der Lärm des Unterwasserspektakels lockt auch einen der größten Jäger, den Bartenwal, an. Mit nur einem Happen frisst er 10.000 Fische. Doch Milliarden von Sardinen können entkommen und sorgen für die nächste Generation. So kann sich das Schauspiel im kommenden Winter wiederholen.

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