Tutenchamun - die Lösung des Rätsels

Rätsel um Tutenchamun gelüftet

Seine Totenmaske ist eines der berühmtesten Kunstwerke auf der ganzen Welt. Tutenchamun: der kindliche Pharao, der bereits als kleiner Junge zum Herrscher Ägyptens wurde und nur wenige Jahre später starb. Weltruhm erlangte er durch die Entdeckung seines Grabes 1922. Seine Herkunft aber blieb mehr als 3000 Jahre lang ein Geheimnis. Jetzt ist es gelöst.

Tutanchamun
Tutanchamun Quelle: dpa

Einig waren sich die Wissenschaftler nur, dass er aus einer der berühmtesten Familien der altägyptischen Geschichte stammt, der Familie des Ketzerkönigs Echnaton und seiner schönen Frau Nofretete. Doch Vater und Mutter des Königs werden in keiner Inschrift namentlich erwähnt. Es ist, als wollte der junge König selbst ein Geheimnis um seine Herkunft machen.

Drei Väter in der engeren Wahl

Stammbaum Tutenchamuns mit Hinweis auf Mutter Quelle: ZDF

Bisher gab es nur Vermutungen, wer der Vater Tutenchamuns sein könnte. Drei Personen wurden im Laufe der Jahre immer wieder genannt: der große Pharao Amenophis III., dessen Sohn, der berühmte Ketzerkönig Echnaton und ein kaum bekannter Verwandter und Thronnachfolger von Amenophis III. namens Semenchkare. Die ersten DNA-Untersuchungen an Mumien der so genannten Amarnazeit, die nach dem Ort Tell el-Amarna benannt wurde, machen allen Spekulationen ein Ende.
Einem ägyptisch-deutschen Team ist die Aufgabe gelungen, analysefähiges Material von verschiedenen Mumien zu gewinnen. Nur drei dieser Mumien waren bisher eindeutig identifiziert, da sie intakt, zusammen mit ihren Grabschätzen in ihren Gräbern gefunden wurden: Tutenchamun selbst sowie die Mumien von Juja und Tuja, den Eltern von Königin Teje. Teje war die Gemahlin von Pharao Amenophis III. und Mutter Echnatons. Tatsächlich ist es den Forschern gelungen, ausgehend von diesen drei Personen den Stammbaum Tutenchamuns zu entschlüsseln.

Erkenntnis durch Genanalyse

Die Genanalyse zeigt: Pharao Echnaton war der Vater von Tutenchamun. Wer die Mutter war, bleibt zwar weiter ungeklärt: Laut Genanalyse ist sie aber eine Frau, deren Mumie bisher unter dem Namen "younger lady" oder der Bezeichnung KV35YL bekannt war.

Mumie der Mutter des Pharao Tutanchamun Quelle: ZDF

KV steht für valley of the kings, das Tal der Könige, wo die meisten Gräber der ägyptischen Pharaonen entdeckt wurden. Die Zahl nach KV ist die Zahl des Grabes; mit den Buchstaben wurden die entdeckten Mumien katalogisiert. Die Analysen haben auch gezeigt, dass Tutenchamuns Großeltern nach Angaben der Forscher Pharao Amenophis III. und Königin Teje waren.

Gehstöcke und Medikamente im Grab

Mumie der Königin Teje
Mumie der Königin Teje Quelle: ZDF

Anhand von genetischen, forensischen und radiologischen Untersuchungen konnten deutsche und italienische Forscher auch die Todesursache des Pharaos Tutenchamuns klären. Sie deuten auf eine Verknüpfung zweier Probleme als wahrscheinliche Todesursache hin. Demnach litt der junge Pharao am Bein an einer Osteonekrose - einem Gefäßverschluss, der die Blutversorgung des Knochens blockiert.

"Diese Erkrankung allein hat mit Sicherheit nicht zum Tod geführt, aber sie hat ihn in seiner Mobilität stark eingeschränkt", sagt Mumienforscher Albert Zink von der Europäischen Akademie Bozen (EURAC). Zink untersuchte gemeinsam mit deutschen und italienischen Forschern Mumien von Mitgliedern der Königsfamilie. "Es erklärt wohl auch, warum man in seinem Grab zahlreiche Gehstöcke gefunden hat", so Zink.

An Malaria erkrankt

Tutanchamun: Sein Grab und die Schätze
Exponate in der Ausstellung - Tutanchamun Quelle: imago

Lebensbedrohlich wurde das Knochenproblem erst durch eine zusätzliche Infektion. "Tutenchamun hat an der schwersten Form von Malaria, der Malaria tropica, gelitten", ergänzt der Tübinger Humangenetiker Carsten Pusch. "Dies könnte zusammen mit der Knochennekrose zum Tod geführt haben." Gestützt wird dieser Verdacht durch im Grab gefundene Reste von fiebersenkenden und schmerzlindernden Arzneipflanzen.

Historisch betrachtet war König Echnaton zwar wesentlich bedeutender als Tutenchamun. Der Kindpharao gelangte jedoch im vergangenen Jahrhundert plötzlich zu großer Berühmtheit, als Howard Carter 1922 im Tal der Könige sein mit goldenen Masken, Möbeln und anderen Schätzen prall gefülltes Grab entdeckte, das bislang einzige bekannte Königsgrab, das nicht, beziehungsweise kaum, von Räubern geplündert worden war.

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