Über den Hindukusch zu den Minen

Die blauen Steine der Pharaonen

Auf den Passhöhen ist es auch im Sommer eiskalt und die Luft dünn. Der Weg zu den Minen führt durch eine trostlose Einöde.

Die eigentliche Grenze liegt erst fünf Marschstunden hinter dem letzten Grenzposten auf einer Passhöhe. Bis dorthin sind 1.500 Höhenmeter zu überwinden. Der Aufstieg ist schwierig, steil und in der Finsternis halsbrecherisch. Bei einer früheren Expedition strauchelte Garys Pferd und begrub ihn unter sich. Wie durch ein Wunder überlebten sowohl er als auch sein Reittier. Gary und Khudai nahmen den Dorapass, über den in jüngster Zeit vor allem Waffen für die Kämpfer der Nordallianz transportiert wurden. Der Pfad gehört wahrscheinlich zu einer vorgeschichtlichen Handelsroute, auf der einst Kupfer und Edelsteine, später auch Seide transportiert wurden. Seit mehr als 7000 Jahren ziehen Händler mit ihren Karawanen durch die schmalen Täler Afghanistans. Gary Bowersox war wie Hunderttausende vor ihm gezwungen, sich auf prähistorischen Pfaden mit Pferden vorwärts zu bewegen.

Über den Hindukush

Die nächste Etappe der Reise hieß Escarza. Auf dem Weg dorthin verschmilzt der alte Handelspfad mit der berühmten Seidenstraße. Der Ritt über den Hindukusch erfordert äußerste Anstrengung. Der Name des Massivs stammt aus dem Persischen und bedeutet: "Indisches Gebirge". In dieser Bergwüste, deren höchster Gipfel fast 7.700 Meter aufragt, ist die Luft arm an Sauerstoff und selbst im Hochsommer schneidend kalt. Auf der Seidenstraße, der alten Transkontinentalroute, die China mit Europa verband, folgte Gary den längst verwischten Spuren zahl- und namenloser Reisender. Eine große Gefahr geht heute von den Tretminen aus. Noch immer sind ganze Hänge mit den gefährlichen Explosionskörpern übersäht. Deshalb achtet jeder Reiter ganz genau darauf, nicht von den ausgetretenen Pfaden abzukommen.

Einöde

Die Gegend ist trostlos und Übernachtungsmöglichkeiten gibt es kaum. Selbst die traditionellen Teehäuser, die Tschaikanas, existieren nicht mehr. Fast alle Bewohner dieser Region flohen vor der russischen Armee aus Afghanistan. Escarza, das Gary und Khudai nach weiteren harten Tagesmärschen erreichten, war einstmals ein blühendes Dorf, bis es die Sowjets zu Schutt und Asche bombten. Allmählich bauen die Bewohner ihre Häuser wieder auf. In dieser straßenlosen Gegend ist die Schmiede eine der wichtigsten Institutionen eines Dorfes. Pferde müssen regelmäßig neu beschlagen werden. Auf den schmalen, steinigen Pfaden kann ein loses Hufeisen die ganze Karawane aufhalten und den Verlust von Waren oder gar Menschenleben bedeuten. Escarza ist ein wichtiger Kreuzungspunkt in Afghanistan. Die Lapis-Minen liegen weiter nach Norden, nach Sar-e-Sang, wo das Terrain zunehmend extremer wird und so gut wie nichts mehr wächst. Die Grate werden immer höher und die Hänge steiler.

Minen der Pharaonen

Schließlich kommen die Minen in Sicht, "das reine, das glänzende Gebirge aus Lapislazuli". Der Aufstieg zur Mine zieht sich über weitere 1000 Höhenmeter und ist äußerst steil. Aber dann hat Gary die Minen der Pharaonen erreicht, die kaum ein westliches Auge je erblickte. Seine Suche nach dem Ursprung des heiligen Steins der Ägypter fand damit ein Ende, nach dem lebensspendenden Juwel, das in der Antike aus Afghanistan nach Ägypten importiert wurde und die Herrscherinsignien, Amulette und Sarkophage schmückte.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet