Überfall der Glaubensbrüder

Verfall der Metropole durch Folgen des 4. Kreuzzuges

Als Kusanus endlich Zugang zum Kaiserpalast erhält, hofft er noch am selben Tag zu dem Herrscher vorgelassen zu werden. Er weist sich durch das päpstliche Siegel als Gesandter Papst Eugens aus. Die Begleitschreiben enthalten das päpstliche Hilfsangebot - samt seinen Bedingungen - kirchenjuristisch ausformuliert.

Kusanus weiß, dass er den Kaiser persönlich sprechen muss, um ihn durch seine Redekunst zu überzeugen. Doch der lässt Kusanus weiter warten.

Teil des Machtpokers

Selbst als hoher Gesandter des Papstes muss er sich dem strengen Hofzeremoniell unterwerfen, bevor er zum Kaiser vorgelassen wird. Nicht selten mussten Gesandtschaften tage- oder wochenlang auf eine Audienz warten. Kusanus durchschaut diesen Teil des Machtpokers. Der Kaiser lässt ihn schmoren, um seine Verhandlungsposition zu stärken. Zeit für Kusanus, sich weiter in Konstantinopel umzuschauen. Entsetzt sieht er, wie sehr die einst glänzende Metropole verfallen ist. Selbst der sagenhafte Palast der ersten antiken Kaiser, um den sich große Mythen ranken, ist längst eine Ruine.

Der große Palast wurde seit der Antike immer wieder erweitert - bis zu einem riesigen Gebäudekomplex. Der Kaiser besaß an der Seeseite einen eigenen Hafen und konnte über verborgene Gänge unbemerkt und geschützt die Kirche Hagia Sophia oder seine private Loge im Hippodrom erreichen. Alte Reiseberichte erzählen von einem Thron, der sich auf wundersame Weise emporheben konnte und von brüllenden mechanischen Löwen. Nichts ist davon mehr erhalten.

Heimtückischer Überfall

Die Ursache der Zerstörungen waren nicht etwa die Türken, sondern der heimtückische Überfall von Glaubensbrüdern im Jahre 1204. Den Venezianern gelang es, während des 4. Kreuzzuges den Zorn der Kreuzritter auf Konstantinopel zu lenken. So schaltete Venedig einen verhassten Handels-Konkurrenten aus und sicherte sich die Vorherrschaft im Mittelmeerraum. Das Kreuzfahrerheer griff die Stadt von Land und von See aus an. Lange Zeit hielten die Verteidigungsmauern den rasenden Angriffen stand. Doch dann öffnete Verrat den Angreifern die Tore. Die Kreuzritter drangen in die Stadt ein und plünderten, was sie kriegen konnten.

Eines der wenigen mittelalterlichen Gebäude, das den Sturm der Kreuzritter überstanden hat, ist das Pantokrator-Kloster mit seinem berühmten Krankenhaus - die modernste medizinische Einrichtung jener Zeit. Während man im Westen vor allem auf die heilende Kraft des Gebetes baute, setzte man in Konstantinopel mehr auf die Kunst von über 100 Fachärzten und ausgebildeten Pflegern, die sich um die Patienten kümmerten.

Erschwernis für die Mission

Von dem Überfall der Kreuzritter hat sich Konstantinopel nie wieder erholt. Mordend und brandschatzend waren die Angreifer durch die Stadt gezogen. Sie plünderten Häuser, Kirchen und Paläste. Die Reichtümer Konstantinopels wurden zerstört, eingeschmolzen und zusammen mit wertvollsten Reliquien in alle Teile Europas verstreut. Diese Erfahrung mit christlichen "Waffenbrüdern" prägte das Bild vom Westen auf Jahrhunderte - was die Mission des Kusanus noch schwerer machte.

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