Überleben in der Nussschale

William Bligh schafft das Wunder der Rettung

Auch nach mehr als 200 Jahren bleibt die Meuterei ein faszinierendes Geheimnis. Für viele der Beteiligten führte sie in den Tod. Auch wenn in den Wirren dieses Morgens keineswegs klar war, auf wessen Seite mehr Männer überleben sollten.

Bligh und seine Leute werden mit dem Beiboot ausgesetzt. Quelle: ZDF

Zunächst sollte Bligh im kleinsten Beiboot ausgesetzt werden. Doch im Laufe des Morgens entscheiden sich nach und nach 18 Loyalisten für die Fahrt mit dem Commander. Das größere Boot ist rund 7,5 Meter lang, die größte Breite beträgt gut zwei Meter. Hayward und Hallet werden ins Boot beordert, während Fryer darum bittet, bleiben zu dürfen, aber dennoch vom Schiff geschickt wird. Eine Fahrt in den scheinbar sicheren Tod.

Mit fester Handschrift

Wie im griechischen Drama scheinen an diesem Morgen alle Hauptfiguren einer vorgezeichneten Bestimmung zu folgen. Ein Zurück war für keine der Parteien denkbar. Christian sollte später bekennen, dass die Zahl der Männer, die freiwillig ins Boot steigen, ihn überrascht habe. Bligh droht vom Boot aus Christian damit, dass er, sollte er jemals England erreichen, die Meuterer zur Verantwortung ziehen lassen werde. Noch im Beiboot schreibt Bligh mit fester Handschrift nieder, wer es ins Boot geschafft hat. Und welche Männer gezwungen wurden, an Bord der Bounty zu bleiben.

Ausgesetzte im Beiboot der Bounty Quelle: ZDF

In der kleinen Einheit des Beibootes, mit dem einzigen Ziel zu überleben, läuft Bligh zu Hochform auf. Er navigiert nach Karten, die nur in seinem Gedächtnis existieren. Er rationiert die Vorräte nach Unzen und Teelöffeln und lässt Schiffszwieback in einer provisorischen Koskosnuss-Waage auswiegen - über einem Korb, um auch die letzten Krümel aufzufangen. Erst in dieser extremen Situation zeigt der Kommandeur endlich wahre Führungsqualitäten.

Zerstreute Bounty-Crew

Blighs Ziel ist der holländische Stützpunkt auf Timor, 3618 Seemeilen entfernt. Auf Tofua verliert er beim Proviant-Einholen einen einzigen Mann. John Norton wird von Einheimischen erschlagen - beim Versuch, Blighs Logbücher im Kampf zu retten. Über 5000 Kilometer hält Bligh unverzagt Kurs - in einer Nussschale, die auf den Wogen des Südpazifiks hüpft. Fletcher Christian dagegen scheitert zunächst als Käptn der Meuterer. Nach Streitereien bringt er einen Teil der Besatzung zurück nach Tahiti und sticht dann wieder in See. In Blighs Unterlagen entdeckt er schließlich eine Insel, die auf den meisten Karten falsch eingezeichnet ist und deshalb als Versteck ideal scheint: Pitcairn.

Karte Timor Quelle: ZDF

Nach 48 Tagen auf See erreichen Bligh und seine Getreuen am 14. Juni 1789 Timor - bis heute ein Meisterstück der Navigationskunst. Zwei Jahre später wiederholte Bligh die Reise mit zwei Schiffen und ausreichender Besatzung. Mit 2100 Pflanzen erreichte er die Karibik. Kein Mensch spricht heute über diesen Erfolg. Vielleicht auch, weil den karibischen Sklaven die Brotfrüchte nie geschmeckt haben.

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