Überleben in der Wildnis

Angewiesen auf die Hilfe der Ureinwohner

Einen Monat später machte sich der erfahrene Buschmann Bob Buck auf die Suche nach dem verschollenen Lasseter. Elf Wochen, 2500 Kilometer ritt Buck kreuz und quer durch das Outback, bis er endlich auf Aborigines stieß.

Nur ihre Aussagen und ein paar Briefe Lasseters berichteten vom letzten Akt des Dramas. Die Eingeborenen führten Bob Buck zu einer Höhle.

"Liebling, wir sind reich"

Eine Nachricht sagt: "Grabe hinten in der Höhle. Angegriffen." Tatsächlich findet der Buschmann Lasseters Notizbuch mit Briefen an seine Frau Rene: "Gold! Gold! Liebling, wir sind reich. Ich habe den Felsbuckel gefunden. Er liegt auf einem heiligen Platz der Eingeborenen. Eine Meile Gold. Das Gestein hat einen Goldgehalt von drei Unzen pro Tonne. Du wirst eine reiche Frau werden. Hoffentlich schickt die Minengesellschaft rechtzeitig Hilfe. Paul Johns hat versprochen zurückzukommen. Mein Leben hängt von ihm ab. Ich habe den Claim abgesteckt und Nummer und Datum fotografiert. Ich fürchte nur, die Eingeborenen ziehen die Pflöcke wieder heraus." Weiter schrieb er in sein Notizheft: "Die genaue Position der Mine ist auf der Karte verzeichnet. Sie ist in einer Tasche auf dem Sandhügel gleich neben dem Platz vergraben, wo die Kamele durchgingen."


Ohne Ausrüstung und Verpflegung würde Lasseter hilflos im Outback stranden. Mit letzter Kraft schleppte sich der halb verdurstete Lasseter bis zu einer schützenden Höhle und wartete verzweifelt auf Hilfe. Der letzte Akt der Tragödie begann.

Seltsamer Widerspruch

Der Eingeborene Billy Warra traf damals auf Harry Lasseter: "Es muss um den 1. Januar 1931 gewesen sein, als er hierher kam. Im Hochsommer war es draußen extrem heiß und 10 bis 15 Grad kühler hier drinnen. Es muss eine wunderbare Erleichterung gewesen sein. Ich sehe ihn hier sitzen und in seinem Tagebuch schreiben." Ein seltsamer Widerspruch. Lasseter schrieb, Eingeborene wollten ihn umbringen. Billy aber berichtet, dass seine Großfamilie den hilflosen Weißen friedlich aufnahm.


Viele Wochen hatten sie ihn am Leben erhalten und der Weiße hat ihre Sprache gelernt. Immer wieder hatten sie dem Fremden sogar von ihrem kargen Essen abgegeben. Sie pulten eine Delikatesse aus Akazienwurzeln, fette Maden voller Proteine. Das war nicht nach Lasseters Geschmack. Aber wer im Outback nicht verhungern wollte, musste alles essen, was die karge Natur an scheinbar ekligen Speisen auftischt. "Liebe Rene, der Hunger ist schrecklich. Nur ein paar Würmer in fünf Tagen. Natürlich war ich verrückt, alleine loszuziehen, aber ich habe mich auf Paul Johns verlassen. Was sind die Millionen eines Goldbergs schon wert. Ich würde sie gerne für einen Laib Brot hergeben."

Schwere Koliken

Lasseter und die Eingeborenen lebten in kleinen Gruppen zusammen und waren ständig auf Wanderschaft, erzählt Billy. Das ganze Dasein drehte sich um die Suche nach etwas Essbarem. Die Männer gingen auf die Jagd, gruben Kaninchen aus oder holten eine Beutelratte aus ihrem Versteck. Die Beute wurde immer geteilt. Jeder war im Outback auf den anderen angewiesen. Die so genannten primitiven Wilden überleben unter härtesten Bedingungen.


Ein zivilisierter Mann aber war trotz all seines Wissens im Outback hilflos. Die Buschdiät löste bei Lasseter schwere Koliken aus. Sie raubten dem Gestrandeten alle Kräfte: "Liebe Rene, ich bin kurz vor dem Ende, gequält von Fliegen, die Ameisen haben mir fast mein Gesicht weggefressen. Ich würde die Kinder so gerne noch einmal sehen, umhertollen, ihre dicken Arme um mich fühlen." Billy berichtet, dass die Frauen ständig Samen sammelten und zu Mehl zerrieben. Wenn es bitter kalt war, wärmten sie sich an ständig brennenden Feuern. Kleider zum Wärmen gab es nicht.

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