Übermächtiges Heer

Strategie der Abschreckung

Dänemark marschiert 1627 nach Deutschland ein. Die protestantischen Mächte sehen sich durch den Machtzuwachs des Kaisers provoziert. Zum zweiten Mal schlägt Wallensteins Stunde. Ferdinand II. ernennt ihn zum Generalissimus und macht ihn damit zum mächtigsten Mann im Reich.

Mit einer nie zuvor gesehenen Streitmacht zieht Wallenstein in den Krieg. Ein unendlicher Heerwurm aus 40.000 Kriegsknechten - militärische Gigantomanie, die seinem Heer den Nimbus der Unbesiegbarkeit verleihen soll. Von seinem böhmischen Herzogtum aus führt Wallensteins Feldzug gen Norden. Er erobert einen feindlich besetzten Stützpunkt nach dem anderen. Flüsse sind die Lebensadern der Feldzüge für den Transport von Proviant und Rüstungsgütern, die Wallenstein aus seinem Herzogtum ordert. Entlang der Elbe wälzt sich der Tross nach Norden. Tag und Nacht wird der Marsch fortgesetzt.

Gewaltiger Kraftakt

Immer weiter zieht Wallensteins Heer dem Feind entgegen und wälzt nieder, was von der dänischen Macht geblieben ist. Nur sechs Wochen nach der Unterwerfung Schlesiens steht das Heer 800 Kilometer weiter im Norden. Ein Marsch von fast 20 Kilometern pro Tag ist für die Soldaten ein gewaltiger Kraftakt. Wallenstein baut auf die Strategie der Abschreckung durch sein übermächtiges Heer. Ziel ist die kampflose Übergabe - der Generalissimus will seine Armee schonen.

"Mit dem schweren Körper des Heeres legt er sich auf das Reich und saugt solange an seinem Blut, bis es um Gnade schreit", so die Rede über Wallenstein. Der Krieg soll den Krieg ernähren. Doch um die Armee am Leben zu erhalten, werden ganze Landstriche buchstäblich kahlgefressen und verwüstet. Wallensteins Vision von einer perfekt funktionierenden Kriegsindustrie kehrt sich um in ein Bild der Hölle. Und immer mehr Stände verweigern die Zahlung der Kriegssteuern.

Wallensteins Eintreiber

In den Archiven vieler Städte sind bis heute Listen der so genannten Kontributionen erhalten geblieben. Eine Zahlung von bis zu zehn Prozent ihres Besitzes wird den Bürgern auferlegt: Geld und Schmuck, Land und Vieh. In einigen Gegenden steigt die Steuer sogar auf ein Viertel des Vermögens an. Können die Menschen kein Geld für den Krieg mehr aufbringen, kommen Wallensteins Eintreiber und rauben alles, was sie finden und noch aus ihren Opfern herauspressen können. Vielen Bauern bleibt nichts mehr zum Leben, jeder Durchzug marodierender Truppen bedroht ihre ohnehin bescheidene Existenz.

Maler halten die Gräueltaten der plündernden und mordenden Soldateska in ihren Werken fest. Ganze Landstriche werden in Asche gelegt, Unschuldige gefoltert, vergewaltigt und vertrieben. Das Elend ist so groß, dass es erstmals in unserer Geschichte in einer Art bildlichen Kriegsberichterstattung seinen Ausdruck findet.

Pfand für Kriegsschulden

Für Wallenstein aber zählen nur die Siege. Der Kaiser ernennt ihn zum Herzog von Mecklenburg, entlohnt ihn mit neuem Land als Pfand für die Kriegsschulden. Seine Taten vergleicht er mit den Prophezeiungen in seinem Horoskop. "Im Augusto Dänemark geschlagen" soll er an den Rand geschrieben haben. Im echten Horoskop finden sich tatsächlich Notizen aus der Feder des Generalissimus. Die Bemerkungen weisen auf Kriegsbefehle und auf seine Leiden hin, auf Anfälle von Gicht und die Ungarische Krankheit, eine Art Malaria.

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