Überraschungen am Kurgan

Schliemanns Erben - Das Gold von Tuva

Im Grabungshaus, einer alten Sargfabrik, beraten Parzinger und Nagler das weitere Vorgehen. Sie wollen die Grabung zügig abschließen, bevor die Nachricht vom neuerlichen Goldfund die Runde macht. Zumal sie im Südostsektor auf eine weitere verheißungsvolle Stelle gestoßen sind.

Kommandeur Juri erhält Anweisung, diesen Sektor und alle, die sich ihm nähern, besonders im Auge zu behalten. Hier könnte noch einmal ein Schatz vergraben liegen.

Fehlende Lehmschicht

Von oben erkennen die Spezialisten, dass sie bisher nur die Ecke einer sehr großen Steinkiste angeschnitten haben. Wie lässt sich der ganze Rest am besten und, aufgrund der besonderen Situation, auch am schnellsten freilegen? In diesem Bereich arbeiten erfahrene Kräfte, die schon bei der aufsehenerregenden Grabung 2001 dabei waren. Das freigelegte Profil wird gezeichnet. Dabei fällt Walotja auf, dass über dem Grab die Lehmschicht fehlt, die sonst den ganzen Kurgan oben abschließt. Damit ist klar: Nummer 16 wurde nachträglich in den Kurgan eingebracht.

Der Hirsch im Mittelpunkt

Am Rand der Anlage stoßen sie auf einfache Gräber. Das Skelett eines alten Mannes. Wahrscheinlich ein treuer Krieger des Fürsten, in dessen Bauch eine Pfeilspitze steckt. Gibt es Spuren die auf eine Nutzung als "Tempel" hinweisen oder Überreste von Opfern und rituellen Handlungen? Auch die Umgebung des Grabmals birgt für die Wissenschaftler noch viele Fragen, eine Begehung soll erste Antworten liefern.

Parzinger findet zu einem Kreis angeordnete Gesteinsbrocken. Mit dem Satellitennavigationssystem misst er die Stelle ein. Bei der Nachuntersuchung entdecken sie im Innern der Kreise Holzkohle: überreste von Brandopfern für die verstorbenen Anführer im Steinkurgan? Über die mythische Welt der Skythen in Sibirien weiß man vor allem durch tätowierte Mumien, die in Eiskurganen im Altai gefunden wurden. Bei den neuen Goldobjekten erkennen die Fachleute dieselbe Tiersymbolik wie auf der Haut der rätselhaften Toten. Immer wieder im Mittelpunkt: der Hirsch.

Wie in einer Galerie

Für die Archäologen hält der Kurgan weitere Überraschungen parat: An der gesamten Außenumrandung des Grabhügels finden sie gravierte Steinplatten. Die Kohleabreibung zeigt Tierdarstellungen. Am häufigsten ist auch hier der Hirsch. Aufgereiht wie in einer Galerie schauen die mythischen Tiere in die Weite der Steppe. Eine faszinierende Ästhetik, kunstvoll fließende Geweihe, Steinbilder für die Ewigkeit. Warum aber waren gerade Hirsche für die Skythen so wichtig? Parzinger besucht eine Maral-Hirsch-Zucht. Die seltenen Tiere stehen wegen ihres Geweihs hoch im Kurs. Die Geweihe werden jährlich geerntet und zu einem "Liebespulver" verarbeitet.

Grabung unterbrochen

Stundenlang kochen die Geweihe, bevor das begehrte Pulver gewonnen werden kann. Das Liebesleben vornehmlich reicher Asiaten soll damit wieder in Schwung kommen. Das ist den Herren einiges Wert: Jedes Gramm tuvinisches Horn wird mit einem Dollar aufgewogen. Aus dem Geweih-Sud ist ein Wannenbad angerichtet. "Das soll schon den Skythenkriegern Kraft verliehen haben", behauptet der clevere Vorarbeiter. Für 50 Rubel Eintrittsgeld darf der Archäologe den Selbstversuch wagen. Die Zeit dazu hat er, denn Dauerregen hat die Grabung unterbrochen.

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