Um Glaube und Macht

In Licinius findet Konstantin einen entschlossenen Gegner

Konstantin hatte seinen Mit-Kaiser Maxentius beseitigt. Er war nun Alleinherrscher im Westen. Für den östlichen Teil des "Imperium Romanum" hatte er ähnliche Pläne. Doch dort regierten die beiden starken Kaiser Licinius und Maximinus Daia.

Konstantin konsolidierte seine Macht im Westen. Er löschte alles aus, was an Maxentius erinnerte, indem er dessen Regierungsakte annullierte, Statuen zerstörte, Bauwerke umwidmete und sich selbst als Befreier und Retter Roms präsentierte, obwohl ihm - ganz im Gegensatz zu Maxentius - eigentlich nur wenig an der alten Hauptstadt zu liegen schien.

Hochzeit zwischen Constantia und Licinius (Spielszene) Quelle: ZDF

Kalkulierte Hochzeit

Bei Konstantins nächstem Schritt musste ihm seine Halbschwester Constantia helfen. Sie sollte den kaiserlichen Kollegen Caius Valerius Licinianus Licinius I. ehelichen, um ihn enger an ihren Bruder zu binden. Der wollte Licinius nämlich gegen Mit-Kaiser Maximinus Daia ins Feld schicken - ein Schachzug, der Constantia einiges abverlangte. Sie war Christin, 18 Jahre alt und stammte aus vornehmer Familie. Licinianus war über 60 Jahre alt, traditionell gläubig und hatte sich vom Bauernjungen über die militärische Laufbahn hochgedient.

Anfang des Jahres 313 nach Christus fand die Hochzeit in Mailand statt. Anschließend ließ Konstantin die Katze aus dem Sack. Es gelang ihm, Licinius für eine Zweiteilung des Reiches zu gewinnen. Dazu sollte Licinius Kaiser Maximinus Daia beseitigen. Die damit einhergehende Gleichstellung der Christen mit Anhängern anderer Religionen stieß jedoch auf Widerstand. Doch schließlich einigten sich die beiden Herrscher auf das so genannte Toleranzedikt von Mailand, eine Vereinbarung, die den Einfluss der Christen zwar stärkte, sie aber nicht bevorzugte.

Ein Reich, ein Gott, ein Kaiser

Zunächst schienen Konstantin und Licinius zu harmonieren. Bereits am 30. April 313 hatte Licinius seinen östlichen Kollegen Maximinus Daia besiegt. Kurz darauf beging Daia Selbstmord. Übrig blieben Konstantin und Licinius. Während sich letzterer noch in etwa an das Toleranzedikt hielt, suchte Konstantin insgeheim immer stärker die Nähe zu den Christen. Vermutlich vermengten sich in seinem Glauben Teile des Sonnenkultes mit Teilen der christlichen Lehre. Besonderes Interesse schien der monotheistische Absolutheitsanspruch des Christengottes zu wecken.

Konstantin vor seinem Triumphbogen (Spielszene) Quelle: ZDF

Anlässlich der Decennalien, seines zehnjährigen Regierungsjubiläums, widmete ihm Rom 315 nach Christus ein großes Fest und einen Triumphbogen - in Anerkennung seiner Verdienste um Stadt und Imperium, denn Konstantin hatte bis dahin Roms Bedeutung als Reichshauptstadt nicht geschmälert, obwohl er in Trier residierte. Bei seiner Dankesrede gab er sein politisches Konzept für die Zukunft des Imperiums kund: ein Reich, ein Gott, ein Kaiser - Worte, die Licinius hätten beunruhigen müssen.

Konstantin und Licinius Quelle: ZDF

Programmierter Konflikt

Aufgeschreckt von Konstantins öffentlicher Christenfreundlichkeit und dem kaum verhohlenen Machtstreben seines Kollegen im Westen stärkte Licinius in seinem Ostteil wieder den traditionellen römischen Götterglauben. Die Christen wurden schikaniert, wo es nur ging. Konstantin hingegen förderte den Kirchenbau. Der Petersdom und die Lateranbasilika gehen auf konstantinische Stiftungen zurück. Allerdings bekannte er sich nicht selbst zum Christentum. Er musste Senat und Volk hinter sich wissen, wenn er den nächsten Schritt zur Alleinherrschaft wagen wollte.

Bei jeder offiziellen Gelegenheit musste Konstantin einen Balance-Akt absolvieren, um weder Christen noch Nicht-Christen zu verprellen. Als er aber das traditionelle Dankesopfer, den Höhepunkt der Decennalien, nicht vollzog, war er an der Grenze des Möglichen. Im fernen Nikomedia, der kleinasiatischen Residenz von Kaiser Licinius, gab es Attentats-Pläne gegen Konstantin. Doch der Anschlag misslang. Vermutlich wurde Konstantin von seiner Halbschwester Constantia gewarnt. Ein Krieg war nun unvermeidbar geworden.

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