Umkämpftes Pantelleria

Die Insel des Windes

An der engsten Stelle zwischen Sizilien und Afrika liegt die Insel Pantelleria. Von Sizilien eine Tagesreise Richtung Südwesten. Die Insel des Windes ist für den Tübinger Archäologen Thomas Schäfer Grabungsschwerpunkt.

Im Zweiten Weltkrieg ist Pantelleria das erste Ziel der alliierten Invasion. Am 18. Mai 1943 um 11.40 Uhr beginnen die Luftangriffe und damit die Invasion Europas.

Mussolinis Flugzeugträger

Fünf Tage zuvor haben sich die deutschen und italienischen Truppen in Tunesien ergeben. Einen Monat hält das Bombardement, beim dem mehr Bomben abgeworfen werden als bei den Angriffen auf Dresden. Mussolini hatte die Insel als Festung ausbauen lassen, sein Flugzeugträger im Mittelmeer sozusagen. Vom faschistischen Größenwahn blieben nur Rauch und Trümmer. Und ein paar Kriegsruinen auf den Spitzen der schwarzen Vulkanberge.

Am 11. Juni 1943 ist auf Pantelleria D-Day. Die ersten Schritte auf europäischen Boden überlässt man der 1940 aus Dünkirchen entkommenen 1. britischen Infanteriedivision. Die Bevölkerung war ausgemergelt, doch sie kam mit dem Leben davon. Die Alliierten hatten sie durch Flugblätter gewarnt und aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. In stark befestigten Bunkern fanden sie Schutz. Die Bunker kann man überall auf der Insel entdecken, ebenso Mussolinis Flakstationen. Gut 2000 Jahre zuvor waren die Kämpfe nicht weniger erbittert, damals zwischen den Weltmächten Rom und Karthago. Geschichte wiederholt sich an strategisch wichtigen Orten.

Punischer Stützpunkt

Oberhalb des Hafens von Pantelleria erhebt sich auf dem Hügel die antike Akropolis. "Klein Karthago" wird sie genannt. Wie Mozia und Selinunt war Pantelleria, das antike Cossyra, ein punischer Stützpunkt. Alle paar Meter stößt man auf die Zeugnisse des Zweiten Weltkrieges. Auch sie werden sorgfältig aufbewahrt. Massimo Osanna, Professor an der Universität Matera, leitet das italienische Team der deutsch-italienischen Grabungen. Karthagos vergessene Kolonie ist auf keiner Karte punischer Stützpunkte verzeichnet. Das wird sich mit Sicherheit ändern.

Rund 50 Zisternen, verbunden durch ein ausgeklügeltes Kanalsystem, sind in den Hügel eingetieft. Die größte ist ganz oben in den blanken Fels geschlagen. Sie fasst 100.000 Liter.


Die Zisterne kann also nur unter einem öffentlichen Gebäude, etwa einem Heiligtum gelegen haben.

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