Umstrittenes Wrack

Die Hebungsversuche sorgen für politischen Wirbel

Das Wrack der Admiral Graf Spee liegt acht Meter unter der Wasseroberfläche, nur sieben Seemeilen entfernt vor Uruguays Hauptstadt. Unmittelbar nach der Sprengung tauchten britische Froschmänner zum Schiff. Der Nachrichtendienst hoffte, geheime Militärtechnologie zu bergen. Doch sämtliches Gerät war vorab von Hand zerstört worden. Die Explosion in den Munitionskammern hatte den Rest besorgt. Dennoch ist das Wrack des einstigen Vorzeigeschiffs auch 70 Jahre später noch höchst begehrt: als potenzielle Touristenattraktion - und leider auch bei Sammlern von Nazi-Devotionalien.

Wrack der Spee
Wrack der Spee

Anfang 2004 beginnt der erste Bergungsversuch, organisiert durch den uruguayischen Unternehmer Alfredo Etchegaray, seinen Bruder Felipe und deren Partner Héctor Bado. Sie wollen das in zwei Teile auseinandergebrochene 186 Meter lange Wrack bergen und im Hafen von Montevideo als Museumsstück und Touristenmagnet ausstellen. Nur drei Jahre sind für dieses millionenschwere Vorhaben eingeplant, das mit Geldern von privaten Investoren aus den USA und Europa finanziert werden soll.

Medienwirksamer Coup

Zunächst kann Etchegaray eine Kanone und einen 27 Tonnen schweren Entfernungsmesser für Artilleriegeschütze bergen. Doch immer wieder wird das Vorhaben durch die ungünstige Witterung gestört. Im Jahr 2006 gelingt dem Konsortium ein Coup, der in den Medien für großes Echo sorgt: der schwimmende Bergungskran zieht einen 400 Kilogramm schweren Bronzeadler mit Hakenkreuz aus dem Schlamm. Der Adler mit einer Flügelspannweite von 2,8 Metern befand sich einst am Heck des Kriegsschiffes. Etliche Neonazi-Gruppen zeigen Interesse an dem außerordentlichen Objekt. Angeblich bietet ein Franzose sogar mehrere Millionen Dollar. Doch Uruguay stoppt die private Auktion. Die Behörden verwahren das Objekt an einem sicheren Ort.

Aber nicht nur politische Abwägungen und technische Hürden sind zu meistern. Auch finanziell und rechtlich ist die Aktion heikel: Insgesamt wurden bereits 100.000 Dollar in das Unternehmen gesteckt und Etchegaray sucht vor allem in der Industrie nach Sponsoren. Dennoch könnte Deutschland Eigentumsansprüche erheben. Der Unternehmer allerdings gibt sich selbstbewusst. Angeblich hat das Naziregime schon im Frühjahr 1940 die Bergungsrechte an Julio Vega, einen uruguayischen Geschäftsmann verkauft. Vor ein paar Jahren sicherten sich dann Etchegaray und Tauchleiter Bado die Rechte an dem Schiff.

Uruguayisches Hoheitsgebiet

Originalfoto: Die Spee versinkt
Originalfoto: Die Spee versinkt Quelle: ZDF

Noch immer sind die Eigentumsverhältnisse nicht geklärt. Deutschland, Uruguay und Privatiers könnten sich um den berühmten Schiffstorso streiten. Dabei hatte Kapitän Langsdorff darauf geachtet, die Spee außerhalb der damals gültigen Drei-Meilen-Zone zu versenken. Mittlerweile gelten aber zwölf Seemeilen als Hoheitsgebiet. Damit liegt das Wrack des Panzerkreuzers heute eindeutig in uruguayischen Gewässern. Die deutsche Regierung hält sich zurück. In Anbetracht der guten Beziehungen zu Uruguay verzichtet sie darauf, ihr Eigentumsrecht an der Graf Spee einzufordern, heißt es in einem Aktenvermerk des Auswärtigen Amtes.

Inzwischen hat sich die Lage um das Wrack der Graf Spee geändert. Uruguay hat entschieden, dass das Wrack auf dem Boden des Ozeans verbleiben soll. Regierungsdekret Nummer 306-006 unterbindet von nun an Expeditionen zu allen Schiffen, die im Hoheitsgebiet des kleinen südamerikanischen Landes gesunken sind. Davon betroffen ist natürlich und vor allem auch die Graf Spee. Selbst wenn alle weiteren Bergungsaktivitäten damit vorläufig auf Eis liegen, hofft das Team um Etchegaray auf die im Herbst anstehenden Präsidentschaftswahlen in Uruguay. Ein politischer Kurswechsel könnte die Wiederaufnahme der Schatzsuche vor Montevideo ermöglichen.

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