Unabhängigkeit durch Kautschukplantagen

Vom Samenklau zur Goodyearplantage

Riesige Kautschukplantagen bedecken heute große Teile Südostasiens. Millionen von Bäumen liefern den wertvollen Naturstoff. Sumatra, Malaysia, Vietnam, Kambodscha - der so genannte Kautschukgürtel erstreckt sich 30 Grad nördlich und südlich des Äquators.

Zu Zeiten Charles Goodyears kommt Kautschuk ausschließlich aus den Urwäldern Amazoniens. Indios sammeln den Pflanzensaft für die südamerikanischen Kautschukbarone.

Gefährliches Unternehmen

Da fasst im fernen London ein englischer Abenteurer namens Henry Wickham einen kühnen Plan. Heimlich lässt er 70.000 der kostbaren Kautschuksamen sammeln. Ein gefährliches Unternehmen, denn die Brasilianer bestrafen jeden mit dem Tod, der auch nur versucht, einen einzigen Samen außer Landes zu bringen.


Er will die Pflanzen nach England schmuggeln und so dem brasilianischen Kautschukmonopol ein für allemal ein Ende setzen. Er ist überzeugt: Wenn sein Plan gelingt, wird sich das britische Königshaus erkenntlich zeigen. Tatsächlich kann Wickham unerkannt flüchten und bringt im Jahr 1876 seine kostbare Fracht von Brasilien nach London.

Wertvoller Samen

In den Gewächshäusern von Kew Garden umsorgen die königlichen Gärtner die wertvollen Samen. Es gelingt ihnen, mehr als 2000 Setzlinge zu ziehen. Die Pflanzen sollen eine Reise um die halbe Welt antreten, um schließlich Wurzeln in dem fruchtbaren Boden der englischen Kolonie Malaysia zu schlagen.



Die Engländer beginnen, im großen Stil Plantagen vorzubereiten. Doch nur sieben Pflanzen überleben den weiten Transport. Sie bilden bis heute den Grundstock für sämtliche Kautschukplantagen Südostasiens. Auf den Plantagen wird das Erbgut wie ein Augapfel gehütet. Durch Aufpropfen werden Klone hergestellt, durch geschickte Kreuzung Qualität und Ertrag optimiert. Millionen von identischen Pflanzen werden hier auf Sumatra gezüchtet. Und alle stammen von den sieben Setzlingen ab, die vor mehr als 125 Jahren ins Land kamen.

Versorgung auch in Krisenzeiten

Die Firma Goodyear unterhält seit Beginn des 20. Jahrhunderts eigene Kautschukplantagen in Südostasien. Man will unabhängig von den Preisen des Weltmarkts sein und eine sichere Versorgung mit dem wertvollen Rohstoff auch in Krisenzeiten garantieren. Auf Sumatra betreibt die Firma Goodyear die größte Plantage des Konzerns.



Der Tapper ist der best bezahlte Arbeiter. 630 Bäume sind sein Tagespensum, rund vier Dollar sein Lohn. Alle drei Tage kehrt er zu denselben Bäumen zurück und zapft sie an. Die Biologen haben exakt erforscht, wann die Latexmilch am besten fließt, in welchem Alter der Baum die beste Ernte bringt. So ließ sich der Ertrag verdoppeln. Später wird der Latexmilch Essigsäure zugemischt. Die Säure festigt den Pflanzensaft, und das Einsammeln geht schneller von der Hand.

Sieben Tage die Woche

Jeden Nachmittag kommen die Tapper zu den Sammelstellen. 5000 Arbeiter beschäftigt Goodyear auf dieser Plantage. Die Kautschukbrocken werden zerteilt, um festzustellen, ob Holz oder Steine enthalten sind. Erst dann werden sie gewogen und dem Tapper auf seinem Lohnzettel gutgeschrieben. Die Tapper arbeiten sieben Tage die Woche und ernten Kautschuk von Millionen Bäumen. Die Firma produziert auf dieser Plantage ausschließlich für den Eigenbedarf, schickt den rohen Kautschuk seit mehr als 100 Jahren von Sumatra nach Europa und Amerika.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet