"Und wieder kein Wochenende" - Teil 1

Drehbericht von Filmautor Klaus Feichtenberger

350 Millionen Jahre Europa - eine Serie kontinentaler Mega-Events, zu erzählen in nur vier Stunden, mit 600 Kamera- und 300 Computergrafiktagen im 4,2 Millionen-Euro-Budget; ein Team von mehr als 150 Natur- und Spielfilmprofis. Hier ein kleiner Einblick in den hektischen Drehalltag.

Paralleldrehs in über 20 Ländern, auf dem Land, in der Luft und unter Wasser, mitten in Europas Städten und fernab an den wilden Rändern der Alten Welt. Zu bewältigen in vier Jahren vom ersten Federstrich in Österreich über die erste Wildlife-Aufnahme an der deutschen Nordsee bis zur ersten Sendung in Großbritannien im April dieses Jahres.

Vorbereitungen auf Hochtouren

Montagabend Abflug in unterschiedliche Richtungen mit den Kamerateams, letztes Briefing der Kameraleute und Durchsehen von Drehbuch und Storyboard im Flugzeug. An den Locations ist schon jedes Detail bereit für den Drehbeginn am nächsten Morgen - und der ist nur noch ein paar Stunden weg. Die Regisseure bestehen auf dem besten Licht. Das heißt, die Kamera steht um 4.30 Uhr drehbereit vor Ort, denn trotz der vielen Spielszenen in dieser Serie machen wir immer noch Naturfilm.


Mary Colwell jettet mit ihrem Team nach Irland, um Luftaufnahmen von verfallenen Kartoffelbauerndörfern an der Nordostküste zu drehen. Der Flugwetterdienst hat für morgen ausnahmsweise eine Flaute samt Sonnenfenster versprochen.

Wie richtige Wikinger

Ian Gray kümmert sich gar nicht ums Wetter - mit dem Makrospezialisten Richard Kirby dreht er in einer Studiohalle am Stadtrand Tausendfüßler. Die krabbeln durch einen tropisch dampfenden Regenwald der Karbonzeit, kunstvoll kreiert auf Anleitung des bekannten Paläozoologen Richard Fortey. Ein paar Straßen weiter bastelt während dessen ein Team von Computeranimateuren an Designs für die Rieseninsekten dieser versunkenen Welt.


Mein Kameramann Steve Cassidy und ich fliegen über die Nordsee nach Norwegen. Im Hafen von Alesund wartet ein originalgetreu nachgebautes Wikingerschiff, eingerichtet mit unzähligen Requisiten, vom Wikingerhelm bis zum Hühnerkäfig. Die Szene soll vor Augen führen, wie die Lebensbedingungen europäischer Landschaften unterschiedliche Kulturen geprägt haben.

Hoffen auf gutes Wetter

Wenige Stunden später: Vergraben unter Stapeln von Rentierfellen döst das Filmteam wie eine richtige Wikingermannschaft auf dem offenen Deck, während das Schiff fast lautlos mehrere Stunden lang von Alesund hinaus in einen einsamen Fjord gleitet. Auf dem Wasser dichter Nebel, keine zehn Meter Sicht und keine Spur von Morgengrauen. Irgendwann dreht der Skipper bei und behauptet, das sei jetzt die Location. Das Hirn des Regisseurs beginnt automatisch zu rechnen: Wie viel Geld setzen wir in den Sand, wenn das Wetter so bleibt? Hoffnung ist gefragt.


Ich lasse die Kameraausrüstung auspacken. Die Blicke der Bootscrew lassen ahnen, was man davon hält. Und dann reißt der Nebel plötzlich auf und gibt eine so überwältigende Kulisse frei, dass erst recht Panik ausbricht. Nur keine Sekunde dieses Lichts versäumen! Zwei Tage und 40 Arbeitsstunden später ist die Wikingerszene im Kasten. Kameramann Steve fliegt zurück nach England, ich weiter nach Rom.

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