Unerforschte Unterwelten

Mayaberge mit kilometerlangen Höhlensystemen

Das alte Mayareich erstreckte sich von 300 v. Chr. bis 900 n. Chr. über die heutigen Länder Guatemala, Honduras, El Salvador, Belize und Yucatan in Mexiko. Wissenschaftler eines internationalen Forscherteams sind auf der Suche nach vergessenen Städten und Kultplätzen der Maya nahe von Caracol im Südwesten Belizes.

Die Forschercrew um den Bonner Archäologen Dr. Pierre Robert Colas stößt im unwegsamen Dschungel auf eine Steinmauer, das Fundament einer Pyramide.

Versteckter Eingang

Die künstlichen Hügel müssen einen größeren Ort verbergen, eine bisher unbekannte Mayastadt. Einschnitte unterhalb der Tempelspitzen zeigen, dass sie nicht die Ersten sind: Raubgräber sind ihnen zuvorgekommen, denn das Grab ist leer. Unter dem Pyramiden-Fundament gibt es anscheinend einen Hohlraum mit einem versteckten Eingang. Von außen ist jedoch nur etwas zerbrochene Keramik zu erkennen.


Die Mayaberge sind von kilometerlangen Höhlensystemen durchzogen. Doch Einstiege in diese Unterwelt sind schwer zu finden. Das Erforschen von Höhlen erfordert Mut, Erfahrung und eine gute Kletterausrüstung. Die Dimensionen sind unbekannt, die Gefahren groß, und das Labyrinth von Gängen kann tückisch sein. Kommt man ohne Sauerstoff aus? Müssen Sicherheits-Seile gespannt werden?

Sicherheit als oberstes Gebot

Beim Abstieg in das Dunkel einer unbekannten Höhle ist "Free climbing", freihängendes Abseilen, angesagt. Das Seile spannen erfordert allerhöchste Vorsicht. Passt man nicht auf, können sie sich leicht am scharfen Gestein durchscheuern.
Zur ersten Plattform sind es 20 Meter freier Fall. Über enge Schächte gelangt man zur zweiten Plattform. Sicherheitshalber arbeiten jeweils zwei Männer zusammen.


Ein enger Durchbruch führt zu einem kleineren Hohlraum in etwa 45 Meter Tiefe. Ein Ende des Gangs ist nicht abzusehen. Dann entdecken Colas und und der Geologe Jim Webster einen intakten Keramiktopf. Sie dürfen ihn nicht wegräumen, aber er beweist, dass die Maya hier unten gewesen sein müssen. In einer kleineren Höhle unter ihnen liegen menschliche Knochen, ein zertrümmerter Schädel und Keramik-Scherben. "Das ist ein Ort, wo die Maya hingebracht wurden. Die wurden da bewusst hingelegt", meint Colas. Ein weiterer Schädel ist besser erhalten. Oberhalb der kleinen Höhle entdeckt Colas deutliche Spuren von Opferhandlungen: eine Kette aus Jadeperlen.

Klimawandel zur Zeit der Maya

Colas lässt seinen Assistenten Ulli Wölfel nachkommen. Sie versuchen trotz Atemproblemen soviele Fundstücke wie möglich zu dokumentieren. Materialproben sollen später im Labor untersucht werden. Die Umrisse des Kruges werden auf Millimeterpapier übertragen. Die Teamkollegen - Geologen, Geographen und Klimaforscher - sammeln Daten zur Entstehungsgeschichte der Höhle. Die Bodenproben werden eine 600-jährige Trockenphase aufzeigen, die 400 n. Chr. begann. Pollenproben von außerhalb der Höhle werden zusätzlich einen Klimawandel zur Zeit der Maya bestätigen, der zu enormen Problemen für das Reich führte und zu seinem Untergang beitrug.


In einem Seitenstollen entdeckt Colas ein ganz besonderes Stück: einen bemalten Keramik-Teller. Auf ihm liegen mehrere Obsidianmesser. Obsidian war das Metall der Maya. Das harte Vulkanglas wurde von ihren Priestern für die höchste Gabe an die Götter verwendet: Blut- und Menschenopfer.

Unterirdische Mächte






Blutopfer wurden auch auf Wandmalereien dargestellt. Die Götter sorgten für eine gute Ernte oder einen Sieg über die Feinde und verlangten dafür eine Gegenleistung. Je größer die erbetene Hilfe, umso größer das Opfer.



Auch Krankheiten wurden von den Göttern geschickt. In Form von bösen Winden, die aus Höhlen heraustreten. In den Wohnstätten der unterirdischen Mächte zelebrierten Zauberpriester Rituale und deponierten ihre Gaben.

Außergewöhnliches Schriftsystem

Die Maya hatten Sternwarten, kartografierten den Himmel und lebten nach einem Kalender. Ihre Architekten bauten ohne Rad und Metallwerkzeuge Städte für tausende Einwohner. Sie besaßen mit in Stein geschnittenen Glyphen ein außergewöhnliches Schriftsystem. Immer wieder werden im dichten Urwald bisher unbekannte Bauten der Maya entdeckt. Doch Colas fragt sich: übermitteln uns nur die steinernen Monumente Nachrichten der vergangenen Zivilisation? Oder gibt es andere Zeitkapseln, die Auskunft geben könnten?


Ganz in der Nähe der Höhle liegt die Mayastadt Caracol. Noch heute ist die Hauptpyramide mit 42,5 Metern das höchste Bauwerk des Staates Belize. Die Gebäude hatten rein rituelle und machtpolitische Funktionen. Die Wohngebiete für 20.000 Menschen lagen außerhalb. Der Bonner Archäologe Colas interessiert sich besonders für die riesigen steinernen Darstellungen ihrer Götterwelt, zu sehen auf den Bauwerken von Caracol. Die Glyphen könnten ihn auf eine neue Spur bringen.
In der kleinen Ruinenstätte Chicanná steht ein gewaltiges Tor. Es stellt vermutlich den mit Zähnen bewaffneten Rachen des Regengotts Chac dar - ein symbolisches Portal in die Unterwelt.

Codices - heilige Maya-Bücher



In heiligen Büchern, den Codices, hielten die Maya ihre Mythologie fest. Nur wenige blieben erhalten; die spanischen Konquistadoren warfen sie als Texte des Teufels ins Feuer. Die Codices berichten auch über den allgewaltigen Chac und seine Macht über Wetter und Ernte. Mayapriester schrieben die aus Baumrinde gefertigten Codices, überlieferten Religion und Rituale, Sternenkunde und Schicksalsmächte und deren Einfluss auf den Menschen. Mit dieser anderen Welt galt es in Kontakt zu treten, sie dem Menschen geneigt zu machen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet