Unfassbare Reichtümer

Mali im Mittelalter

Auf einer spanischen Karte aus dem Jahr 1375 thront in der Mitte Afrikas der schwarze König von Mali, in seiner Hand ein Klumpen aus purem Gold. In seiner Residenz Timbuktu sollen die Wände und Türen mit massivem Gold verkleidet gewesen sein. Einhunderttausend Einwohner sollen die Metropole in der Wüste bevölkert haben.

Was König Kanga Mussa tat, tat er in großem Stil. Sein Reich erlebte unter ihm eine Blütezeit. Alte Schriften berichten berichten von riesigen Goldvorräten des Wüstenkönigs. Sogar Salz bezahlte er mit Gold - im Verhältnis eins zu eins.

Vom Winde verweht

Heute leben weniger als ein Fünftel davon in den kargen Lehmgebäuden Timbuktus. Vom einstigen Reichtum ist nichts geblieben. Das Leben ist ein einziger Kampf gegen Wind und Sand, der die Behausungen zuweht.

Die Sankoro-Moschee von Timbuktu war einst das Wahrzeichen einer blühenden Metropole. Im 14. Jahrhundert beherbergte die Oase eine Universität mit 20.000 Studenten - zu einer Zeit, als Hamburg gerade siebentausend Einwohner zählte, von einer Universität ganz zu schweigen. Auf alten Karawanenwegen aus dem Norden war auch der Islam nach Timbuktu gekommen und hatte sich von hier über das gesamte Reich von Mali ausgebreitet.

Das Wissen der alten Welt

Die wahren Schätze Timbuktus sind heute Hunderte von Folianten, die bis zu 700 Jahre alt sind, und das Wissen der damaligen Welt enthalten. In einem arabischen Bericht aus dem 14. Jahrhundert heißt es: Der König von Mali ist Herrscher über die größten Goldminen der Welt und der mächtigste von allen Königen Afrikas. Sein Name ist Kanga Mussa. Im Jahre 1324, so der Verfasser, sei der König zu einer Wallfahrt nach Mekka aufgebrochen. In Kairo habe er so viel Gold ausgegeben, dass er den Goldpreis ruinierte. Der Markt brauchte zwölf Jahre, um sich davon zu erholen. Aus Mekka brachte der König islamische Gelehrte mit und ließ in seiner Stadt weitere Moscheen zu Ehren Allahs bauen.

Auch andere arabische Schriften berichten vom unfassbaren Reichtum des schwarzen Herrschers. Zwanzig Zentner Gold habe er nach Mekka mitgenommen. Die Minen des Landes seien schier unerschöpflich, und die Arbeiter würden das Gold vom Grund kreisrunder Löcher im Erdboden aufsammeln, als handele es sich um Steine. Wo sind diese Minen? Soviel ist sicher: In der Gegend von Timbuktu wurde kein Gold gefördert. Die Oasenstadt war nur der Marktplatz, zu dem alle Karawanen führten. Hier trafen sich die arabischen Kaufleute, um das Gold aus den geheimen Minen des Königs zu kaufen. Gehandelt wurde mit Sklaven, Öl, Gewürzen und vor allem Salz.

Salz der Wüste

Seit tausend Jahren Jahren beherrscht der Berberstamm der Tuareg die Sahara zwischen dem Hoggargebirge und der Savanne. In früheren Zeiten überfielen sie Karawanen und betrieben einen grausamen Handel mit Sklaven. Noch heute kommen sie nach Timbuktu und bringen in Platten gepresstes Salz aus den Lagerstätten Sidschilmessa und Taoudenni in die Stadt. 150 Kilogramm kann jedes Kamel schleppen. Gold kriegt man dafür nicht mehr eingetauscht.

Kanga Mussa aber ließ das Salz gegen Gold aufwiegen - eins zu eins. Der weise König wusste: In der Sahara ist Salz wichtiger als Gold - als Ausgleich für den Schweiß, den der Körper in der Hitze verliert. Keine Wüste hat soviel Handelsverkehr gesehen wie die Sahara, keine Mensch und Tier mehr gefordert, keine mehr Opfer gekostet. Man sagt: Sie sechsmal erfolgreich durchquert zu haben, gilt als Äußerstes im Leben eines Kameltreibers. Das galt zu Kanga Mussas Zeiten, und das gilt noch heute.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet