"Ungewöhnliche Perspektiven auf den Limes"

Drei Fragen an Regisseur und Produzent Peter Prestel

Peter Prestel studierte an der Hochschule für Fernsehen und Film in München, Abteilung Dokumentarfilm. Seit 1986 ist er Autor und Regisseur zahlreicher TV-Dokumentationen für den Bayerischen Rundfunk, den Südwestfunk und das ZDF.

Peter Prestel am Limes-Set
Peter Prestel am Limes-Set Quelle: ZDF

ZDF: Wo hat Sie der Limes am meisten beeindruckt?

Peter Prestel: Nahe des Dorfes Grab am obergermanischen Limes in Baden-Württemberg verfolgten wir mit der Kamera die Arbeit einer Gruppe von angehenden Vermessungsingenieuren der Stuttgarter Hochschule für Technik. Unter Leitung von Professor Siegfried Schenk vermaßen die Studenten einen langen, schnurgerade durch die Landschaft verlaufenden Limes-Abschnitt. Sie wollten wissen, wie gerade der wirklich ist.

Römische Ingenieurskunst

Das Ergebnis ist für mich eine absolute Sensation: Auf einer Strecke von 50 Kilometern, durch eine hügelige, manchmal sogar bergige Landschaft, weicht der Limes der Römer gerade einmal 90 Zentimeter von der idealen Gerade ab! Eine phantastische Leistung römischer Ingenieurskunst vor beinahe 2000 Jahren.

Römische Soldaten rudern (Spielszene)
Römische Soldaten rudern (Spielszene) Quelle: ZDF,Resa Asarschahab

ZDF: Welche "nachgestellten Szenen" kennzeichnen die Limes-Filme?

Prestel: Für unsere Reenactment-Szenen benutzten wir unter anderem ein authentisch nachgebautes römisches Kriegsschiff. Flüsse bildeten nämlich als "nasser Limes" einen beträchtlichen Teil der Grenzen des Römischen Imperiums. Dieses Schiff wurde im Rahmen eines archäologischen Experiments exakt nach den Funden eines Schiffswracks an der Donau rekonstruiert. Deshalb wollten wir es auch möglichst originalgetreu im Wasser bewegen. Als Ruderer rekrutierten wir eine renommierte Römergruppe aus Opladen, die mit exakt rekonstruierten historischen Uniformen, Rüstungen und Waffen an Bord ging.

Sklaven nur in Hollywood

Nach mehreren Tagen Training hatten die "Legionäre" das Schiff gut im Griff. Ein Beweis, dass die Strategie der Römer funktionierte, Kampftruppen gleichzeitig als Ruderer einzusetzen und so den Schiffsraum optimal auszunutzen. Sklaven, die von einer großen Pauke getrieben, ihre Ruderblätter durchs Wasser ziehen, gab es bei den Römern nicht. Das ist eine Erfindung Hollywoods. Uns geht es dagegen um die Erklärung historischer Tatsachen, optisch attraktiv ins Bild gesetzt.

Heißluftschiff über Kastell
Heißluftschiff über Kastell Quelle: ZDF,Resa Asarschahab

ZDF: Wieso setzten Sie ein Heißluftschiff für die Filmarbeiten zu dem Zweiteiler ein?

Prestel: Das Heißluftschiff erlaubte ungewöhnliche Perspektiven auf den Limes. Und es ist natürlich auch optisch attraktiv. Es wurde erstmals für eine große TV-Dokumentation eingesetzt. Mit großem Gewinn, wie ich glaube: Das ruhige Gleiten in geringer Höhe bis zum Stillstehen über den Limes und seine Landschaften fahrend, erlaubte dem Kameramann Klaus Hernitschek faszinierende Einstellungen. Absolut vibrationsfrei konnte er aus Baumwipfel-Höhe die Arbeit der Archäologen am Boden aufnehmen und gleichzeitig die Einbindung der Situation in die Topographie visualisieren. Ein sinnliches Erlebnis verbunden mit einem zusätzlichen Informationswert, für mich als Regisseur ein Glücksfall.

Flexible Plattform

Zudem ist das Luftschiff einer der Protagonisten des Zweiteilers, der uns vom Donaudurchbruch bei Weltenburg, über den raetischen und den obergermanischen Limes zum Rhein und bis in den stürmischen Norden Britanniens zum Hadrianswall begleitet. Das Gefährt diente jedoch nicht nur als extrem flexible Kameraplattform, es transportierte auch Wissenschaftler, die aus der Luft ganz neue Ausblicke auf die Grenzen des Römischen Imperiums gewannen. Das Experiment "Heißluftschiff" hat sich für alle Beteiligten, Kameramann, Regisseur, Wissenschaftler, und auch - wie ich hoffe - für die Zuschauer gelohnt.

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