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Die Hanse und der Deutsche Orden

Wichtige Hansestädte wie Danzig, Elbing und Thorn verdanken ihre Gründung ganz oder teilweise dem Deutschen Orden. Doch anders als im Heiligen Römischen Reich, wo sich die Hansestädte dem Zugriff des jeweiligen Landesherrn oft geschickt entziehen konnten, gelang es den Handelszentren im Ordensland kaum, sich der Oberhoheit des Großmeisters zu entledigen. Auch aus der Kollision von geistlichem Ordensrecht und weltlichem Hanserecht ergaben sich Probleme.

Ausbreitungsgebiet Deutscher Orden
Ausbreitungsgebiet Deutscher Orden

Damit stellt sich die Frage, in welcher Beziehung die Hanse und der Deutsche Orden zueinander standen. Die Hanse gründete auf der weitgespannten Zusammenarbeit zwischen Kaufleuten und Städten. Die Städte organisierten sich seit der Mitte des 13. Jahrhunderts jeweils nach Bedarf auf Versammlungen, die unregelmäßig einberufen wurden und über dringende Angelegenheiten entscheiden sollten. Das geschah zunächst im regionalen Rahmen, spätestens seit 1356 aber auf allgemeinen Versammlungen, den Hansetagen. Die Kaufleute waren die führende Schicht in den Städten, aus der sich der Rat ergänzte.

Enge Bindung von Anfang an

Die Marienburg, Stammsitz des Deutschen Ordens
Marienburg

Sie schlossen sich an wichtigen Handelsorten, darunter in Brügge, zu genossenschaftlich organisierten Kontoren zusammen. Mitglieder der Hanse waren jene Kaufleute, die in den Kontoren die von der Hanse erworbenen Privilegien nutzen konnten, beziehungsweise die Städte, die zu den Hansetagen geladen wurden und deren Bürger im Ausland den Schutz der Hanse genossen. In diesem Sinne waren aber weder der Hochmeister noch andere Ordensbrüder oder gar der Deutsche Orden als Korporation in der Hanse.

Dennoch gab es seit den Anfängen eine enge Bindung zwischen dem Deutschen Orden und den Hansestädten. 1190 reisten Kaufleute aus Bremen und Lübeck über See ins Heilige Land, um am Dritten Kreuzzug teilzunehmen. Obwohl der Kaiser, Friedrich Barbarossa, inzwischen verstorben war, nahmen sie an der Belagerung der wichtigen Hafenstadt Akkon teil. Dort stifteten sie, nach dem "Bericht über die Anfänge des Deutschen Ordens", ein Feldlazarett, das unter dem Segel einer Kogge vor der Stadt eingerichtet wurde. Dieses Hospital wurde nach der Eroberung in die Stadt verlegt und bald von einer Gemeinschaft von Brüdern betrieben, die 1198/99 nach dem Vorbild der Johanniter und Templer in einen Hospital- und Ritterorden umgewandelt wurde - der Deutsche Orden war entstanden. Die Bindungen nach Norddeutschland blieben auch im Folgenden erhalten.

Christianisierung der Prußen

Dies hing wesentlich damit zusammen, dass der junge geistliche Ritterorden bald auch Aufgaben in den Grenzregionen der lateinischen Christenheit übernahm. Unter dem vierten Hochmeister Hermann von Salza wurde er um 1225 vom polnischen Herzog Konrad von Masowien im Kampf gegen die noch heidnischen Prußen im Norden seines Herrschaftsgebiets zu Hilfe gerufen. Das baltische Volk der Prußen, bei denen die Stammesstruktur eng mit den Kulten verbunden war, hatte sich sowohl gegen eine friedliche Mission wie auch gegen mehrere Kreuzzugsunternehmen erfolgreich zur Wehr gesetzt.

Mit dem - aus verschiedenen Gründen etwas verzögerten - Einsatz der Ordensbrüder begann um 1230 ein langwieriger Prozess der blutigen Bekämpfung, erzwungenen Christianisierung und schließlich Integration der Prußen in die lateinische Christenheit. So entstand, aufbauend auf frühen Privilegien von Kaiser und Papst, das Ordensland Preußen, zu dem nach 1237 auch Ordensterritorien in Livland auf dem heutigen Staatsgebiet von Lettland und Estland traten.

Zusammenarbeit mit Lübeck

Deutsche Ordensritter
Deutsche Ordensritter

Nur von zwei großen Abwehrversuchen (1242-1249, 1260- 1274/83) unterbrochen, wurde die Unterwerfung und Mission der Prußen begleitet und unterstützt von einer intensiven deutschen Besiedlung sowohl in neuangelegten Städten wie auch auf dem Lande in mit einem großzügigen Recht ausgestatteten Dörfern. Die Siedler kamen aus den benachbarten Regionen, die bereits zuvor durch deutsche Einwanderer intensiver erschlossen worden waren, aus Schlesien, Brandenburg und Pommern, aber auch über den Seeweg aus dem fernen Westfalen.

Auch die periodisch ins Land gerufenen Kontingente von Kreuzfahrern und Söldnern aus Norddeutschland und, später, aus dem Westen Europas, reisten oft auf diesem Weg nach Preußen und Livland. Auf diese Weise ergab sich eine enge Zusammenarbeit des Deutschen Ordens mit Lübeck, denn die Stadt und ihr Hafen fungierten als wichtiger Umschlagpunkt für die Verstärkungen, Siedler und die Versorgung des Ordenslandes.

Mit Magdeburger Recht ausgestattet

Die ältesten Stadtgründungen in Preußen waren 1232/33 Thorn und Kulm (heute Toru'n und Chelmno), Letztere vorgesehen als Hauptstadt des Landes. Auch wenn Kulm aufgrund seiner Entwicklung diese Funktion nicht wahrnehmen konnte, spielte es doch im Rechtswesen in Preußen eine zentrale Rolle. Die Ordensbrüder hatten sich entschlossen, ihre Städte mit dem schon recht weitverbreiteten und weitentwickelten Magdeburger Recht auszustatten. Kulm wurde dabei zur "Schaltstelle" des Magdeburger Rechts für Preußen bestimmt, das Kulmer Recht wurde ein eigener Zweig des Magdeburger Rechts. Als Oberhof entschieden die Kulmer zunächst über Anfragen aus den anderen preußischen Städten Kulmer Rechts oder konnten offene Probleme an die Magdeburger Schöffen zur Entscheidung weitergeben.

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