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Unruhen und Allianzen

Modernisierung mit ausländischen Investoren

1807 erschüttert eine schwere Krise das Reich am Bosporus. Die Eliteeinheit der Janitscharen rebelliert gegen den Sultan. Im Palast herrscht Aufruhr. Selim III. hat es gewagt, die Privilegien der mächtigen aber mittlerweile veralteten Militärelite zu beschneiden.

Ein zaghafter Reformversuch, den der Sultan mit dem Leben büßt. Zwar gelingt es seinem Nachfolger, die Rebellion nieder zu schlagen. Aber der Aufstand hat aller Welt die Schwäche der Herrscher im Topkapi-Palast vor Augen geführt.

Es lebe die Nation

Die Macht der Sultane wird nicht nur von den Janitscharen in Frage gestellt. Ein mächtiger Pascha namens Muhammed Ali in Ägypten macht sich selbständig, ohne dass der Sultan es verhindern kann. Und dann kommt im 19. Jahrhunderts ein Schlagwort auf, das wirkliche Sprengkraft besitzt: es lebe die Nation. Die Menschen entdecken ihre eigene Sprache, ihre Tradition, ihre Identität. Albaner, Serben, Bulgaren - sie alle greifen zu den Waffen und wollen das osmanische Joch abschütteln. Besonders ein Volk macht von sich reden: die Griechen

Die Griechen entdecken ihre uralte Kultur wieder - die Kultur der Antike. Die Intellektuellen von London bis Berlin begeistern sich für den Freiheitskampf dieses Volkes. Denn das Land der Hellenen gilt als die Wiege von Philosophie, Kunst, Dichtung - kurz: als Wiege der gesamten europäischen Zivilisation. Und tatsächlich gelingt es den Griechen 1830, ihre Unabhängigkeit zu erkämpfen. Vorbei ist es mit der Sympathie der Europäer für das Osmanische Reich. Der Sultan gilt jetzt als rückständiger, finsterer Despot. Vielleicht wäre das Imperium damals schon untergegangen, doch es wird noch gebraucht - als Spielkarte im Machtpoker der Großmächte.

"Kranker Mann am Bosporus"



Sankt Petersburg 1853: Beim Small Talk mit dem britischen Botschafter lässt Zar Nikolaus I. eine berühmt gewordene Bemerkung fallen. Das Osmanische Reich sei nur noch ein "kranker Mann am Bosporus". Der englische Diplomat ahnt, was hinter der Äußerung steckt. Der Zar plant Krieg, denn er braucht die strategische Meerenge.

Um den schmalen Zugang zum Schwarzen Meer in seinen Besitz zu bringen, mobilisiert der Zar Armeen. Aber er hat nicht mit Engländern und Franzosen gerechnet. Die schicken in aller Eile Soldaten auf die Halbinsel Krim und greifen Sewastopol, den Stützpunkte der russischen Flotte an.

Mit europäischer Hilfe

Im September 1854 wird die idyllische Halbinsel im Schwarzen Meer zum Aufmarschgebiet riesiger Truppenkontingente. Unter hohen Verlusten erobert die vereinte Streitmacht von Briten, Franzosen und Osmanen die Festung Sewastopol. Die Europäer führen diesen blutigen Krieg auch um Absatzmärkte. Denn das Reich des Sultans kauft ihnen mehr Waren ab als irgend ein anderer Staat. Für das Osmanische Imperium hingegen geht es um die nackte Existenz. Mit europäischer Hilfe gewinnt es den Krieg und eine neue Rolle in der Weltpolitik.




Das Osmanische Reich will sich erneuern. Der Sultan setzt ein Zeichen und bezieht an Stelle des Topkapi einen neuen Palast in Konstantinopel, den Dolmabahce. Europäischer Chic des 19. Jahrhunderts - bezahlt mit Anleihen aus Europa zu hohen Zinsen. Wie der Sultan lebt sein ganzes Reich mehr und mehr auf Pump. Nicht nur der höfische Glanz ist mit Krediten finanziert - auch bei der Modernisierung des ganzen Landes ist das rückständige Imperium auf ausländische Investoren angewiesen.

Spektakuläre Bahnlinie



Der Bahnhof Haydarpasha in Istanbul - gebaut von deutschen Ingenieuren. Ausgangspunkt einer spektakulären Bahnlinie, die seit 1902 quer durch das Osmanische Reich vorangetrieben wird. Ein Jahrhundertprojekt, für das die Deutsche Bank Millionen vorschießt. Schienen, die Hunderte Kilometer durch Gebirge und Wüsten führen.

Das Imperium des Sultans verfügt jetzt über das modernste Verkehrsmittel der Zeit. Das verändert seine Position im internationalen Machtgefüge. Denn Züge können jederzeit auch Soldaten transportieren. Die Bahn verbindet Istanbul mit Bagdad im heutigen Irak. Von Aleppo aus zweigt eine Seitenlinie in Richtung Mekka ab. Sie soll die Pilgerreise der Muslime erleichtern. Eine fromme Absicht - aber mit strategischem Hintergrund. Die Bahn führt in die Nähe des Suezkanals, zur wichtigsten Verkehrsader des britischen Empire. Die mit deutscher Hilfe gebaute Bahn bedroht britische Interessen.

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