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Landwirtschaftliche Revolution im Mittelalter

Früher wie heute ist die Landwirtschaft wichtigster Nahrungsmittelproduzent unserer Gesellschaft. Während des Hochmittelalters wurden in Europa neue Anbaumethoden und zahlreiche Innovationen im Bereich der Ackergeräte entwickelt. Diese waren eine der Voraussetzungen für die rapide Entwicklung des Städtewesens im Hochmittelalter.

Welche Ausmaße die explosionsartige Entwicklung der Städte und der damit verbundene Bevölkerungsanstieg annahm, zeigen folgende Zahlen: Während es in Mitteleuropa um 1150 circa 200 Metropolen gab, vervielfachte sich ihre Zahl in nur einhundert Jahren auf 1500 Städte. Und dies wäre ohne eine landwirtschaftliche Revolution nicht möglich gewesen.

Erntezeit

Im Früh- und Hochmittelalter war Getreide die wichtigste Nahrungsquelle für die Menschen. Besonders Roggen wurde aufgrund seiner Winterfestigkeit in großen Mengen angebaut. Doch die geringen Erträge wurden bald zu einem Problem, nicht zuletzt aufgrund des Bevölkerungswachstums und der starken Abhängigkeit von den Naturgewalten. Während des Hochmittelalters versuchte man, dies mit einer intensiven Erschließung neuer Siedlungsräume, Rodungsaktionen und Landgewinnungsmaßnahmen besonders in Norddeutschland zu kompensieren.

Ein wesentlicher Fortschritt im mittelalterlichen Ackerbau war die großräumige Einführung der Dreifelderwirtschaft, die allerdings schon in der Karolingerzeit bekannt war. Bisher wurde meist die Zweifelderwirtschaft praktiziert, bei der nur die eine Hälfte des Ackerlandes bebaut wurde, um der anderen ein Jahr Zeit zur Regeneration zu gönnen. Bei der Dreifelderwirtschaft hingegen teilte man die landwirtschaftliche Fläche in drei Abschnitte. Auf einem Feld baute man Sommergetreide, auf dem anderen Feld Wintergetreide an. Nur den dritten Abschnitt ließ man brach liegen, damit sich der Boden regenerieren konnte. Diese neue Anbaumethode hatte einen wesentlichen Vorteil: Nun konnte man zweimal im Jahr ernten und hatte außerdem einen Mehrertrag von circa 16 Prozent.

Technologische Revolution

Gleichzeitig revolutionierten mehrere Erfindungen die Landwirtschaft im Mittelalter. Ein besonders wichtiges Gerät war das Kummet. Dabei handelt es sich um ein festes Joch, welches den Zugtieren von Pflügen und Wagen um den Hals gelegt wird. Durch diese Innovation fand das Pferd Einzug in die Landwirtschaft.


Denn die bisherigen Jochkonstruktionen beeinträchtigten die Luftzufuhr der Tiere. Deshalb wurden bis zur Einführung des Kummets primär Ochsen zur Feldarbeit eingesetzt, da man die Anspannung an deren Hörnern befestigen und somit das Problem des Luftmangels umgehen konnte. Jetzt war es aber möglich, Pferde effektiv in der Landwirtschaft einzusetzen. Und das hatte mehrere Vorteile: Ein Pferd leistet so viel Arbeit wie zwei Ochsen, außerdem ist es stärker, wendiger, schneller und folgsamer. Wenn Ochsen beispielsweise zu hart arbeiten, legen sie sich einfach hin.

Schwerter zu Pflugscharen

Auch im Werkzeugbereich verbesserten mehrere Innovationen die Arbeitsmethoden und Getreideerträge. Im Frühmittelalter wurden die Felder mit Hakenpflügen bestellt, hölzerne Konstruktionen, die den Boden einfach aufritzten. Durch die Einführung von Räder- und Wendepflügen, die nun vermehrt eiserne Pflugscharten besaßen, sparte man Zeit und Kraft und konnte außerdem tiefer in den Boden eingreifen. Auch andere eiserne Hilfsmittel erleichterten den Bauern die Feldarbeit.

So setzte man nun vermehrt Sensen zur Ernte ein, die den vormals gebräuchlichen Sicheln überlegen waren. Einerseits reduzierte man den Zeitaufwand bei der Ernte, andererseits wurde das Korn nun am Boden geschnitten, was den Bauern neben dem Getreide auch die Halme als Stroh einbrachte. Dieses wurde als Tierfutter, Brennmaterial, Dämmstoff oder Streumaterial genutzt. Daneben gelten auch die Einführung von Hufeisen und die Entwicklung von wind- und wassergetriebenen Mühlen als Meilensteine in der landwirtschaftlichen Revolution des Mittelalters.

Mithilfe all dieser Neuerungen wurde es möglich, die landwirtschaftlichen Erträge zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert zu verdreifachen. Ohne diese Agrarrevolution wäre die kulturelle Entwicklung im Mittelalter mit ihren Städten und Kathedralen wohl kaum so weit vorangeschritten.

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