Unter christlicher Kontrolle

Ritterorden schützen das eroberte Jerusalem

Nur ein Viertel der Kreuzfahrer, die 1096 aufgebrochen waren, erreichen drei Jahre später das Ziel des Kreuzzuges und stehen vor Jerusalem. Mächtige Mauern umgeben die Stadt: 15 Meter hoch und drei Meter dick - militärisch eine schwierige Aufgabe, die die Europäer nach etwa fünfwöchiger Belagerung in der Nacht zum 14. Juli in Angriff nehmen.

Die Christen bekommen die erbitterte Gegenwehr der 60.000 Mann starken moslemischen Garnison zu spüren. Von den Zinnen geht ein Regen aus Geschossen, Pfeilen und Steinen nieder.

Pausenloser Geschosshagel

Zahlenmäßig unterlegen, konzentrieren die Kreuzfahrer ihre Kräfte auf zwei Angriffspunkte: einen im Nordwesten und einen im Süden. Nachdem es den Verteidigern gelungen ist, den südlichen Belagerungsturm in Brand zu setzen, ruhen alle Hoffnungen der Christen auf den Truppen des Herzogs Gottfried von Bouillon im Nordwesten. Trotz des pausenlosen Geschosshagels, der auf sie niederprasselt, können die Kreuzfahrer ihren Turm nahe genug an die Stadtmauer manövrieren. Verzweifelt versuchen die Moslems, das hölzerne Monstrum in letzter Sekunde zu zerstören.


Mit Enterhaken und Seilen versuchen sie, den Turm heranzuziehen und umzuwerfen. Die Kreuzritter kappen die Seile mit einem riesigen Beil. Plötzlich bricht Feuer auf der Mauer aus. Gottfried sieht das und lässt sofort die Zugbrücke seines Turmes herunter. Der Herzog stürmt mit seinen Männern zwischen die Zinnen und besetzt die Mauerkrone. Am 15. Juli 1099 endet der Erste Kreuzzug mit der Einnahme Jerusalems - und einem Massaker an seinen Einwohnern. Die heiligen Stätten stehen wieder unter christlicher Kontrolle.

Unkoordinierter Guerilla-Krieg

Auf islamischer Seite kocht die Wut über den Verlust des Felsendoms und der Al-Aksa-Moschee. Doch die muslimischen Fürsten sind politisch zerstritten. Sie können nicht verhindern, dass die Christen das Königreich Jerusalem und andere Staaten gründen. Auch der Glaube trennt sie in zwei Lager: in die Sunniten von Aleppo und Damaskus und in die Schiitten von Ägypten. So verlegen sich die verschiedenen lokalen Machthaber auf einen mehr oder weniger unkoordinierten Guerilla-Krieg. Dass die Taktik der Sarazenen, wie die Muslime im Mittelalter meist genannt werden, durchaus Wirkung zeigt, beschreibt der christliche Chronist Wilhelm von Tyros.

Die Lage der römischen Christen ist heikel. Nach Ende des Kreuzzuges sind die meisten Kämpfer heimgekehrt. Nur etwa 300 Ritter leben noch in Jerusalem. Die Kirche bittet Familien, nach Palästina zu gehen. Für sie werden Wohnungen der Moslems, Juden und byzantinischen Christen beschlagnahmt. Jerusalem wächst zu einer blühenden Metropole heran. Mit etwa 30.000 Einwohnern erreicht es die Größe des mittelalterlichen Paris - und das ist nur der Anfang.

Vier Kreuzfahrer-Staaten

Im Umland eroberter Städte lassen sich europäische Siedler nieder. Mit der Grafschaft Edessa, dem Fürstentum Antiochia, der Grafschaft Tripolis und dem Königreich Jerusalem entstehen vier so genannte Kreuzfahrer-Staaten. Sie garantieren Schutz und Verpflegung der Jerusalem-Pilger, die wieder verstärkt ins Heilige Land kommen.


Im Sankt-Johannes-Hospital nahe dem Heiligen Grab kümmern sich Männer eines neuen Ordens um Kranke und Verletzte: die Johanniter. Bald übernehmen die frommen Brüder auch militärische Aufgaben - als sichernde Begleitung der Pilgerzüge. Zeitgenössischen Berichten zufolge werden die Wallfahrer nach Ende des Ersten Kreuzzuges verstärkt auf ihren Pilgerwegen überfallen - sei es von Banditen oder von muslimischen Untergrundkämpfern.

Gründung neuer Ritterorden

Die bewaffneten Eskorten bewähren sich. Bald wird neben den Johannitern ein weiterer Ritterorden gegründet - die Tempelherren. Im Kampf gegen Ungläubige sehen die geharnischten Mönche einen Akt der Nächstenliebe und einen Weg zur Erlösung. Sie werden immens mächtig - als Mönchsorden wie als politische Machtfaktoren in den Kreuzfahrerstaaten. Johanniter und Templer erlangen enorme militärische Schlagkraft. Die Elitetruppen werden für das Überleben der Kreuzfahrer in jener Welt unentbehrlich. Beide Orden bauen mächtige Burgen, die gewaltigste ist der Crac des Chevaliers im heutigen Syrien.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet