"Unternehmen Bernhard": Spurensuche im Toplitzsee

Hans Fricke über seine Recherchen zur Dokumentation

Der bekannte Filmemacher und Biologe Professor Hans Fricke tauchte im Juni 1983 zum ersten Mal mit einem U-Boot in die Tiefen des österreichischen Toplitzsees. Dort bargen Taucher gefälschte Pfundnoten, die die Nationalsozialisten durch KZ-Häftlinge anfertigen ließen.

Für den Biologen wurde der See zu einer faszinierenden biologischen Entdeckungsreise und zu einer Abenteuerfahrt in die jüngste deutsche Zeitgeschichte. Für den Forscher vom Max-Planck-Institut war es der Beginn eines einzigartigen Wissenschaftskrimis, der ihn in die wirre Zeit der Nazidiktatur führte.

Die Müllhalde des Dritten Reiches

"1983 hatten wir vom Österreichischen Innenministerium eine Tauchgenehmigung für den See erhalten - die erste nach 20 Jahren. Der See war nämlich seit 1963 für jegliche Unterwasseraktivitäten gesperrt, weil ein Taucher während einer dubiosen Tauchaktion im See ertrank. Um weitere Unfälle zu vermeiden, sperrten die Behörden den See, der immer wieder als Müllhalde des Dritten Reiches in die Schlagzeilen geriet.

Bei unseren Tauchgängen unter Wasser entdeckten wir in der Dunkelheit Lebensformen, die in der Frühzeit der Erde ähnlich ausgesehen haben. Aber wir fanden auch Bomben, Sprengsätze, abgeschossene Raketen, Minen, Messinstrumente, Teile einer V-Rakete und aufgebrochene Kisten, zugedeckt mit feinem Sediment. Stellten wir die Tauchbootmotoren auf Schubumkehr, wirbelten große weiße Scheine durchs Wasser. Wir schwammen in Geld, gefälschte Britische Pfundnoten - Zeugnisse des so genannten "Unternehmens Bernhard". Hitler wollte das Falschgeld als Waffe gegen das Britische Empire einsetzen.

Suche nach Beweisen und Zeitzeugen

Während wir mit unserem U-Boot die Tiefen des Toplitzsses erforschten, wurde das Leben am Ufer für uns immer unerträglicher. Rechtsradikale, Altnazis, SS-Angehörige und dubiose Schatzsucher erschwerten unsere Arbeit. Uns wurde unterstellt, dass wir unter dem Deckmantel der Wissenschaft im geheimen Auftrag der österreichischen Behörden arbeiteten. Wir waren ahnungslos tief in den braunen Schlamm des Toplitzsees geraten.

Aber nun wollten wir erst recht erfahren, was sich damals am Ende des Krieges wirklich an den Ufern des tiefen Alpensees zugetragen hatte. Wir suchten nach weiteren Beweisen in den Archiven der Welt und fanden auch Zeitzeugen, die uns über die größte Geldfälscheraktion berichten konnten.

Es bleiben noch viele Rätsel

Sturmbannführer Bernhard Krüger, dessen Vorname von seinem Dienstherren Walter Schellenberg als Tarnbezeichnung der streng geheimen Geldfälscheraktion der SS benutzt wurde, fanden wir in Hamburg. Über zwei Jahre hinweg erfuhren wir viele unbekannte Einzelheiten der perfektesten Geldfälschung der Geschichte. Wir erfuhren am Toplitzsee interessante Einzelheiten über die deutsche Wissenschaft. Allerdings gibt es auch ungelöste zeitgeschichtliche Rätsel des Toplitzsees, die bis in unsere heutige Zeit reichen.

Die Legende vom Goldschatz entstand wohl 1959, als der Reporter Loede die ersten Falschgeldkisten ans Tageslicht brachte. Dann erinnerten sich plötzlich die heimischen Bauern an ihre vielen erzwungenen Fuhren mit geheimnisvollen Kisten, die im See versenkt wurden. Wahrscheinlich wurde damals aus Papier das Gold. Doch Kisten mit Gold haben wir im See nicht gefunden, auch keine Kennkarten ausgeraubter jüdischer Konten oder dubiose Depositarlisten mit geheimen Konten in der Schweiz. Aber vermutlich werde ich eines Tages wieder Hinweise erhalten, um diesen Spuren nachzugehen."

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