Unternehmungslustige Waldbewohner

Skandinaviens Elchbestände sind gewachsen

Sie sind die größten Hirsche der Welt und gehören zu Schweden wie Pippi Langstrumpf und Ikea: Elche. Gefährlich können Zusammenstöße mit ihnen auf Landstraßen sein, kurios ist manchmal ihr Auftauchen in menschlichen Siedlungen. Obwohl sie massiv bejagt werden, konnten sich die Elche in den letzten Jahrzehnten stark vermehren. Was ist das Erfolgsgeheimnis der nordischen Hirsche?

Elch im Wald
Elche: Nationalsymbol auf dem Vormarsch Quelle: ap

Elche sind der Alptraum aller Autofahrer in Skandinavien: Unvermittelt tauchen sie an Waldrändern auf, überqueren Landstraßen und werden so zum gefährlichen Verkehrshindernis. Häufig werden sie bei Unfällen selbst zum Opfer: Bis zu 4.000 Elche sterben jährlich auf Schwedens Straßen.

Mehr Elche, weniger Wölfe

Elche sind in Skandinavien aber nicht nur auf Landstraßen präsent. Auch in Dörfern und Städten sorgen die Riesenhirsche immer wieder für Aufsehen und unberechenbare Konfrontationen. Die Zahl der Elche hat sich in den letzten 40 Jahren vervierfacht. Immer häufiger verirren sich die Paarhufer in Gärten und Häuser, durchwühlen Mülltonnen nach Essbarem oder begeben sich auf Stippvisite in die Zivilisation.

Warum haben sich die Elche so explosionsartig vermehrt? Einerseits nimmt die Zahl ihrer Fressfeinde seit Jahrzehnten stetig ab. Wölfe sind in Norwegen so gut wie ausgerottet, in Schweden und Finnland gibt es je rund 200 Tiere. Nur in wenigen Gebieten Skandinaviens erholen sich die Wolfsbestände allmählich wieder. Aber auch dort, wo Elche noch auf die selten gewordenen Räuber treffen, erweisen sich die Riesenhirsche als schlagkräftige Gegenspieler. Mit ihrer enormen Körpergröße und ihrem schnellen Trott können sie die Angreifer vertreiben.

Selektive Jagd

Die verdrängten Wölfe können also die Invasion der Elche nicht hinreichend erklären. Die Hauptursache für die starke Vermehrung der Elche ist eine andere - und sie scheint paradox: die Bejagung durch den Menschen. Elchjagd ist in Skandinavien Volkssport. Jedes Jahr erlegen Hobbyjäger fast 200.000 Tiere. Warum aber vermehren sich die Elche dann noch? Des Rätsels Lösung liegt in einer geschlechtsabhängigen Jagdmethode: Die weiblichen Tiere werden geschont und nur die männlichen geschossen. Dadurch konnten sich die Bestände, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr gering waren, über alle Erwartungen hinaus erholen.

Die Animation zeigt das verschobene Geschlechterverhältnis bei den Elchen
Reduziert das verschobene Geschlechterverhältnis die genetische Vielfalt? Quelle: ZDF

Ein einfaches Szenario verdeutlicht, welche Wirkung diese Jagdmethode schon nach wenigen Elchgenerationen zeigt: Eine fiktive Elchpopulation besteht aus sechs männlichen und sechs weiblichen Tieren. Im Herbst werden drei Elchbullen erlegt. Die drei verbliebenen Bullen sind aber genug, um alle sechs Elchkühe zu decken. Im Frühjahr bekommt jede dieser Kühe ein Kalb - drei sind männlich, drei weiblich. Etwas später das gleiche Spiel: Wieder werden drei Elchbullen geschossen. Wieder können die verbliebenen Bullen alle neun Weibchen decken, und diese bekommen wiederum jeweils ein Kalb. Somit ist die Elchpopulation in nur zwei Generationen von zwölf auf 21 Tiere angewachsen.

Die zahmen Verwandten

Inzwischen hat sich durch den Jagddruck das natürliche Geschlechterverhältnis stark verschoben. Waren es zuvor etwa gleich viele Elchkühe und Bullen, so kommen mittlerweile fast drei Kühe auf nur einen Elch. Skandinavische Forscher sehen dadurch die genetische Vielfalt ihrer Nationaltiere in Gefahr. Ein möglicher Ausweg wäre die Nachzucht von Elchbullen. Doch die größten Hirsche der Welt lassen sich nur schwer in Gefangenschaft halten. In großen Scharen kommen sie bis heute nur in freier Wildbahn vor.

Elche ziehen durch den Schnee
Elche lieben ihre Freiheit in der Natur. Quelle: Nordic United

Einen kleinen Verwandten allerdings konnten die Skandinavier zähmen: das Rentier. Für das Urvolk Nordskandinaviens, die Samen, bilden Rentiere noch heute die wichtigste Lebensgrundlage. Sie leben mit den Menschen und dienen ihnen sogar als Zugtiere. Dennoch sind sie keine Kuscheltiere, sie können sie recht störrisch sein. Fügsam werden die Tiere erst, so die Legende, wenn sie ihrem Schutzpatron begegnen: dem Tomte, einem Waldgeist aus uralten skandinavischen Sagen. Er stand Pate für eine moderne Legende: An dem gleichen mythenverzauberten Himmel, an dem einst die Walküren der Wikinger ihre Kriegshelden heimführten, beginnt heute der Weihnachtsmann seine alljährliche Reise von seiner nordischen Heimat zu den Menschen in aller Welt.

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