Unterschätzte Erfindung

Hubbard entdeckt Bells Telefon im entscheidenden Moment

Nach dem ernüchternden Treffen mit Leuten von der Western Union Company ist Alexander Graham Bell am Boden zerstört. Doch nach einer kurzen Erholungsphase reift in ihm der Entschluss: Er wird seine Telegrafie-Maschine so überarbeiten, dass sie besser als die Maschine des Konkurrenten Elisha Gray funktionieren wird. Bei seinen Experimenten macht er am 2. Juni 1875 eine spektakuläre Entdeckung.

Scheune von Bells Eltern (Spielszene)
Scheune von Bells Eltern (Spielszene) Quelle: ZDF

Mit dem Techniker Thomas Watson will Alexander Graham Bell seine Mehrfachtelegrafie verbessern und den Patentstreit gegen Gray für sich entscheiden. Sie spannen zwischen zwei Räumen eine Telegrafenleitung, an die mehrere Sender in einem Raum und mehrere Empfänger in einem anderen Raum angeschlossen sind. Doch die Experimente laufen nicht störungsfrei. Wieder einmal muss der Stromkreislauf abgestellt werden. Doch plötzlich vernimmt Bell aus dem Empfänger ein eigentümliches Geräusch. Watson hat mit dem Finger gegen ein verklemmtes Metallblatt getippt und dabei einen eigenen elektrischen Impuls erzeugt.

Bells Dilemma

Bell erkennt sofort die Tragweite: wenn Geräusche ein elektrisches Signal erzeugen können, dann muss das auch mit Sprache möglich sein. In nur einer Woche baut Bell nach seiner spektakulären Entdeckung sein erstes Telefon. Jetzt will er seinen Gönner Gardiner Hubbard mit einer Demonstration von seinem neuartigen Gerät überzeugen. Wie bei der Konstruktion des ersten telefonartigen Apparats von Philip Reis werden aber nur einzelne Wortfetzen übertragen. Von verständlicher Sprache ist Bell noch weit entfernt. Doch Hubbard, versessen auf weitere Fortschritte in der Telegrafie-Technik, zeigt nicht das geringste Verständnis. Er droht Bell gar damit, die Heirat mit seiner Tochter Mabel zu verwehren. Bell stürzt in das Dilemma seines Lebens.

Kongress-Bibliothek in Washington innen
Kongress-Bibliothek in Washington innen Quelle: ZDF

In den Archiven der Library of Congress befinden sich Bells Tagebücher. In Kladden hat er akribisch seine Experimente dokumentiert. Sie zeigen, welche Entscheidung Bell damals getroffen hat: Bells Liebe zu Mabel ließ ihn an der Telegrafie weiterarbeiten. Doch an drei Tagen in der Woche sind die Seiten voll mit Anmerkungen über Telefonexperimente. Bell war nicht bereit, seine andere Leidenschaft ganz aufzugeben. Eine wegweisende Zeichnung zeigt, wie Bell das Problem der Sprachübertragung lösen wollte. Die Schallwellen der Stimme versetzen eine Membran in Schwingung und drücken ein Metallblatt mehr oder weniger tief in eine Magnetspule. Ein Strom mit feinen Schwankungen wird übertragen, beim Empfänger wieder an eine Membran abgegeben und hörbar gemacht. So zumindest Bells Theorie. Er arbeitet rastlos jede Nacht daran, seine Vision in die Realität umzusetzen.

Fremde im Labor

Konzeptzeichnung zum Telefon von Alexander Bell
Konzeptzeichnung zum Telefon von Alexander Bell Quelle: ZDF

Aus dem Patentamt in Washington erfährt Hubbard auf einmal etwas Beunruhigendes. Befreundete Anwälte berichten von besonders hartnäckigen und intensiven Nachforschungen. Irgendjemand wolle um jeden Preis herausfinden, ob ein gültiges Patent auf ein Telefon existiere. Es seien sogar Fremde in Bells Labor gewesen und hätten sich Notizen über seine Apparatur gemacht. Hubbard merkt, dass er Bells Erfindung wohl doch unterschätzt hat. Doch wer hinter so etwas stecken könnte, das lässt sich für Hubbard nur erahnen.

In den Forschungslaboren der Western Union werden nun andere Prioritäten gesetzt. Die Weiterentwicklung der Vielfach-Telegrafie wird hintenan gestellt. Für Elisha Gray zählt jetzt nur noch die Sprachtelefonie. Die Ingenieure müssen bei null anfangen, aber sie sind überzeugt, bald werden sie Bell in die Schranken weisen. Da entschließt sich Hubbard zum raschen Handeln. Ohne Bell vorher noch informieren zu können, reicht er dessen Telefon am 14. Februar 1876 zum Patent ein. Ein Glücksfall, wie sich herausstellen sollte. Denn am selben Tag erscheint Gray. Zwei Einreichungen innerhalb weniger Stunden auf die gleiche Erfindung. Der Patentbeamte ist überrascht. Das hat es noch nie gegeben. Dazu existiert schon seit vielen Jahren ein Eintrag für ein Telefon.

Der Kampf ums Patent

Der Beamte findet die gesuchte Akte eines gewissen Antonio Meucci: Der aus Italien emigrierte arme Bühnenbauer und Erfinder siedelte nach 15 Jahren auf Kuba schließlich 1850 nach New York um. Er wollte aus seiner Werkstatt im Erdgeschoss mit seiner bettlägerigen Frau im dritten Stock sprechen und entwickelte 1854 ein Gerät, das er Teletrofono nannte. Bis ins Jahr 1874 lässt er seine Idee schützen. Dann läuft der Patentvorantrag aus. Aber sein Gerät sollte die Nachwelt noch lange beschäftigen. Da Meuccis Anspruch verfallen ist, steht einer neuen Patentvergabe an Bell oder Gray nichts im Wege. Aber wer von beiden wird das Patent bekommen?

Antonio Meucci
Antonio Meucci Quelle: ZDF

Am Nachmittag seines 29. Geburtstags, am 3. März 1876, erreicht Bell das schönste Geschenk seines Lebens: die lang ersehnte Nachricht, dass ihm das Patent auf sein Telefon zugesprochen wird. Aber solange das Gerät nicht einwandfrei funktioniert, ist das Patent nur ein wertloses Stück Papier. Wieder einmal bereiten Bell und Watson einen der zahllosen Tests vor. Wenn ihnen nicht bald der Durchbruch gelingt, sieht es schlecht aus.

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