Unterwegs mit dem Homo erectus

Schlüsselerlebnisse im Leben eines Clans

Vor etwa 400.000 Jahren entwickelte sich aus dem Homo erectus der Homo sapiens. Wir begleiten zunächst eine Erectusfamilie durch die weiten Savannen Afrikas. Vermutlich folgte die Gruppe den großen Gnu-Herden.

Erectus jagt zumeist die kranken, altersschwachen oder die ganz jungen Tiere. Gelegentlich stiehlt er auch einfach einem anderen Jäger die Beute. Obwohl Erectus ein hervorragender Läufer ist, kann er nicht immer mit den Huftieren mithalten. Doch ohne die Herden versiegt die wichtigste Nahrungsquelle.

Nichts als Wurzeln

Da die Erectus-Familie den Anschluss an die Herde verpasst hat, wollen sie ein paar Tage rasten und bauen sich Unterstände als Schutz gegen die sturzbachartigen Niederschläge, die in der Regenzeit täglich alles durchnässen. Seit Tagen hat die Gruppe nichts als Wurzeln gegessen. Die meisten sind am Ende ihrer Kraft. Die Wurzeln reichen nicht, um den Hunger zu stillen. Es kostet fast ebenso viel Energie, sie zu kauen und zu verdauen wie ihr Genuss einbringt. Der Chef des Clans weiß genau, dass er versagt hat. Die Wurzeln sind bitter und befriedigen seine Leute auf Dauer nicht.

Erectus' Talent zeigte sich nicht nur in der Werkzeugherstellung, sondern vor allem in seiner Fähigkeit, stets das beste aus einer Situation zu machen. Der Chef des Erectus-Clans und sein Bruder haben die frische Spur eines Straußes entdeckt. Straußeneier wären eine hochbegehrte Abwechslung zur mageren Wurzelkost. Der Plan ist einfach, aber wirkungsvoll: Während der Chef den Strauß ablenkt, soll sein Bruder so viele Eier wie möglich aus dem Nest stehlen.

Chef in Gefahr

Der Trick des Chefs funktioniert. Der Strauß jagt hinter ihm her, er darf den Chef aber nicht erwischen, denn sein Schnabel und seine Beine sind tödliche Waffen. Doch der Chef gerät in Gefahr. Ein glücklicher Zufall kommt Erectus zu Hilfe. Während der Jagd stürzen der Erectus-Chef und der Strauß in eine Grube. Der Chef entkommt, aber der Strauß bleibt in der Grube gefangen. Er rettet nicht nur sein Leben, sondern entdeckt darüber hinaus eine neue Jagdmethode.

Schutz vor Moskitos

Zunächst stillen die Jäger ihren eigenen Hunger, dann transportieren sie den Rest der Beute ins Lager. Die Hierarchie in der Gruppe bestimmt die Verteilung der Beute. Die Jäger erhalten zuerst ihren Teil, dann die ranghohen Weibchen. Der Schwangeren geht es nun deutlich besser und der Clanchef ist stolz und zufrieden. Er hat seinen Teil getan, um seinem Nachkommen einen guten Start in die Welt zu ermöglichen.


Der Körper von Erectus ist weniger behaart als der seiner Vorgänger. Insekten attackieren ständig die nackte Haut. Die Straußenhaut als zweite Hülle scheint ein wirksamer Insektenschutz zu sein. Einige Forscher glauben, dass Erectus erste Kleidungsstücke entwickelt hat, um sich vor Moskitos zu schützen. Als Anführer eines Trupps lernt man schnell, vorsichtig zu sein. Immer gibt es jemanden, der nur zu gern die Gruppe übernehmen würde. Die Straußenhaut wird zum Statussymbol für den Chef. Nur er hat das Recht, wertvolle Dinge zu besitzen und sich mit den weiblichen Gruppenmitgliedern zu paaren. Das Kind der Schwngeren ist sein Kind.



Trotz seines verhältnismäßig kleinen Gehirns, ist Erectus zu abstraktem Denken fähig. Die Grube, in der er den Strauß gefangen hat, lässt ihn nicht mehr los. Er beschließt, dort, wo die Tiere zur Tränke gehen, ein weiteres Loch zu graben. Vielleicht fallen sie ja genauso hinein wie zuvor der "Vogel mit den zwei Beinen".

Sinn für Schönheit

Einer aus dem Erectus-Clans entdeckt einen Stein, der anders aussieht als alle anderen. Der Stein gefällt dem Chef und wird dadurch zu etwas völlig Neuem: zu einem Schatz, der es wert ist, behalten zu werden. Als erster Menschentyp soll Erectus auch einen Sinn für Schönheit entwickelt haben. Diese neue Art des Empfindens markiert den Anfang des abstrakten und symbolischen Denkens. Aber dieser Stein ist noch mehr. Er wird zum Zeichen des Chefs.

Die Partnerin des Chefs sieht sich mit dem archaischsten aller Probleme konfrontiert. Sie wird in Kürze ihr Kind zur Welt bringen. Längst ist die Geburt nicht mehr die "natürlichste Sache der Welt". Das Gehirn und damit die Kopfgröße der Kinder nimmt von Generation zu Generation zu und macht das Gebären zu einem lebensbedrohlichen Akt für Mutter und Kind.

Fremdartiges Wesen

Das neugeborene Mädchen hat einen seltsam geformten Kopf und fast keine Haare am Körper. Es sieht fremdartig aus, aber das Paar beschließt, für das Kind zu sorgen. Der Chef möchte nicht, dass das Kind von der Sonne verbrannt wird oder in der Nacht friert. Er weiß, was er zu tun hat. Die Straußenhaut gehört nicht länger ihm, sondern soll jetzt seine Tochter beschützen.




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