Vandalen im Paradies

Germanen erobern römische Provinzen

Gleichzeitig mit den Westgoten waren auch andere germanische Völker auf der Flucht. Die Hunnen hatten auch die Vandalen vertrieben. 406 überquerten sie bei Mainz den Rhein und zogen plündernd bis nach Spanien. Dort wollten sie noch weiter, über das Mittelmeer nach Afrika - ein tollkühner Plan.

Tarifa an der Meerenge von Gibraltar: Im Jahre 429 wagte Geiserich, der König der Vandalen, mit seinem Volk die gefährliche Überfahrt. Bei Tanger gingen sie an Land. Das Land war voller legendärer Schätze und reich an Ressourcen. Die afrikanischen Provinzen wurden die "Kornkammer Roms" genannt. Schon in der zweiten und dritten Generation waren sie auf der Suche nach einer neuen Bleibe. Nicht mehr viele waren von denen dabei, die vor gut 30 Jahren aus ihrer Heimat im regnerisch kalten Norden vor den Hunnen geflohen waren.

Geschickter Stratege

Die Vandalen hatten Spanien verlassen und waren über das Mittelmeer gefahren, um die römischen Provinzen Afrikas für sich in Besitz zu nehmen. Der Kaiser, der zum Kampf gegen sie zu schwach war, gewährte den Vandalen Frieden und überließ ihrem König Geiserich gutwillig einen Teil Afrikas. "40 Jahre war Geiserich alt, ein ebenso glänzender wie brutaler Feldherr, ein geschickter Stratege und Diplomat. Ihr König Geiserich war tiefen Geistes, schweigsam, rasend im Zorn, habgierig, weitblickend, und von größter Verschlagenheit." So beschrieb ihn der gotische Historiker Jordanes.

Fünf Jahrzehnte führte Geiserich sein Volk. Er machte die Vandalen zu einer von Rom gefürchteten Macht. Von Tanger aus hatten sie noch einen sechsjährigen "langen Marsch" vor sich. Da es keine römische Armee mehr in Afrika gab, stießen sie auf keinen nennenswerten Widerstand.

Von "Vandalismus" keine Spur

Das römische Dougga in Tunesien. In Städten wie dieser lernten die Vandalen die römische Zivilisation schätzen. Von "Vandalismus" keine Spur; die Stadt verfiel mit der Zeit. Im Schatten des Capitols werden sie die Sprache der Einheimischen gelernt haben. Gegenüber die Thermen von Dougga mit Dampfbädern und Massageräumen. Als sie Afrika eingenommen hatten, nahmen sie täglich warme Bäder und lebten in prachtvollen Villen. Für die Vandalen war Afrika Arcadien - das Paradies auf Erden. "Vandalismus" steht bis heute für blinde Zerstörungswut - zu Unrecht. Warum hätten sie zerstören sollen, was sie - nach Art der bewunderten Römer - bewohnen wollten?

Die Eroberung Karthagos

Dennoch wurden sie zu den Bösewichtern der Völkerwanderung: "Die Vandalen sind ein Strafgericht Gottes. Sie stecken Städte in Brand und rauben alle Vorräte. Die Bevölkerung muss vor Hunger Menschenfleisch essen, die Mütter gar ihre Kinder." So schrieb ihr Gegner Isidor von Sevilla. Er war römischer Katholik, die Vandalen aber arianische Christen, in seinen Augen Ketzer. Deshalb machte er sie zu Unmenschen. Aber wie alle anderen germanischen Völker auch, kämpften sie nur ums Überleben und suchten nach einer Zuflucht.

Geiserich hatte für die Überfahrt über das Mittelmeer alle zählen lassen: 80.000 folgten dem großen Treck der Vandalen durch Afrika. Ihr Ziel: die römische Provinz Karthago. Zum Schutz vor den Vandalen hatte man die Metropole mit einer Mauer umgeben. Es nutzte nichts. Am 19. Oktober des Jahres 439 nahm Geiserich die Stadt ein. Von hier aus beherrschten die Vandalen bald weite Teile des Mittelmeeres: Sie eroberten die Balearen, Sardinien, Korsika und Sizilien. Sie überfielen und plünderten Rom und erweiterten ihr Königreich in Afrika.

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