Vasco da Gama im Paradies

Endlich am Ziel

Nach 23 Tagen tauchte endlich die indische Küste auf. Vor einem kleinen Fischerort nördlich von Calicut gingen die Schiffe vor Anker. Es herrschte höchste Anspannung.

Der Chronist ist beeindruckt von dem Empfang durch die Inder. Er berichtet: "Sie trugen den Kommandanten mit einer Ehrfurcht durch die Menschenmenge, die noch größer war, als sie in Spanien einem König hätte erwiesen werden können. Wir traten durch ein Tor in einen sehr großen Hof, durchquerten unter Gewaltanwendung noch vier weitere Tore, indem wir den Leuten, die uns im Weg waren, Rippenstöße gaben."

Der Zamorin, Herrscher des Meeres, wie sich der König von Calicut nennt, empfing die Portugiesen wie Staatsgäste. "Vasco da Gama sagte, er sei Botschafter des Königs von Portugal und wolle ihm eine Botschaft überbringen, doch würde er sie nur ihm selbst ausrichten, niemandem sonst." Der Zamorin war einverstanden und gewährte ihm die gewünschte Privataudienz. Die Legende erzählt, Vasco da Gama habe den Zamorin durch einen Spiegel aus Glas beeindruckt, der klarer war als der bronzene des indischen Herrschers. Noch ahnte der Zamorin nicht, dass es den Portugiesen nicht nur um Handelskontakte geht, sondern um die Macht im Indischen Ozean.

Auf dem Höhepunkt des Erfolges


Vasco da Gama schenkte dem Zamorin eine Halskette und einen Ring, doch diese waren nicht das einzige Geschenk, das die Seefahrer aus dem fernen Portugal mitbrachten. Billige Ketten und Tand - der Anfang einer Handelsbeziehung, die die Welt verändern sollte. Die neue Geschäftsbeziehung trug Früchte. Der Zamorin gab dem Portugiesen ein Sendschreiben an seinen König mit. Vasco da Gama war auf dem Höhepunkt seines Erfolges. Er hatte tatsächlich das Paradies entdeckt, von dem Kolumbus nur träumte, und den Weg zu den Schätzen und Gewürzen des Orients gefunden. Der Beginn einer Entwicklung, deren Nachwirkung bis heute andauert.

Der "geniale Fischfang" Vasco da Gamas brachte Europa die Schätze, durch die Portugal zur Weltmacht aufstieg. Den gastfreundlichen Indern aber brachten die Europäer nur Ausbeutung und koloniale Gewalt. Davon berichtet der Chronist nichts. Sein letzter Tagebucheintrag in Indien gilt allein der Sorge um die glückliche Heimkehr. Am 29. August 1498 notiert er: "Und so gingen wir ohne Verzug unter Segel und traten unseren Weg nach Portugal an. Wir waren alle sehr froh, daß wir das Glück gehabt hatten, eine so große Entdeckung zu machen."

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