"Verbreitet Schrecken!"

Mongolische Feldzüge auch im Westen

Vor rund 800 Jahren betreten die Mongolen zum ersten Mal die Bühne der Weltgeschichte. Die Steppenvölker Zentralasiens hatten sie bald unterworfen. Doch auch das mächtige Reich im Süden, China, litt immer wieder unter den Beutezügen der Wilden aus der Steppe.

Selbst die Große Mauer Chinas, seit Generationen zur Abwehr gegen die riesige Reiterarmee errichtet, bietet keinen ausreichenden Schutz gegen die Wucht der wendigen Krieger.

Spur der Verwüstung

Um das Jahr 1219 lenken die Mongolen ihren Eroberungszug plötzlich westwärts. "Schrecken und Furcht bereiten den Weg des Eroberers. Darum befehle ich: Verbreitet Schrecken!" lautet die Weisung Dschingis Khans. Unaufhaltsam stürmen sie vorwärts und hinterlassen eine Spur der Verwüstung. Sie unterwerfen Teile des Orients und vernichten Russland.


Dann stehen sie vor den Toren Europas. Hier hält man die Berichte von der Vernichtung russischer Städte für Hirngespinnste, zu fürchterlich klingen sie: "In der Stadt erschlugen sie mit ihren Schwertern viele Menschen, sowohl Frauen als auch Kinder. Nicht ein einziger war am Leben geblieben. Dies alles ist unser Sünden wegen geschehen." "Tartaren" - "die aus der Hölle kommen" - so nennen die Europäer dieses kriegerische Volk, von dessen Existenz bislang niemand etwas wusste. Hinter dem Ural sollen seltsame Fabelwesen leben, glaubte man. Unwissenheit schafft Mythen und Legenden.

Zerrbild aus Furcht und Verachtung

Eine europäische Chronik aus dem 13. Jahrhundert zeigt die Mongolen als ein Volk von Kannibalen: Propaganda, ein Zerrbild aus Furcht und Verachtung. Es ist charakteristisch für das Normadenvolk, dass ihre Geschichte immer über sie aufgeschrieben wurde, von ihren Feinden. Die einzige mongolische Quelle aus der Zeit des Aufstiegs zur Weltherrschaft, ist die "Geheime Geschichte der Mongolen". Halb Chronik, halb Epos war das Werk von Dschingis Khans Sohn und Nachfolger Ögödei vor 1240 in Auftrag gegeben worden. Jahrhunderte lang war sie verschollen, ehe 1866 Teile der Niederschrift in einer chinesischen Bibliothek entdeckt wurden.

Der Titel "Geheime Geschichte" bedeutet: Nur der Familie des Khan war Einsicht in das Dokument gestattet. Das Original, verfasst in mongolischer Längsschrift, blieb jedoch für alle Zeiten unauffindbar. Nur die Reproduktion vermittelt einen Eindruck wie es ausgesehen haben könnte. Entdeckt wurde eine chinesische Abschrift. Sie erzählt die Lebensgeschichte des Weltherrschers Dschingis Khan. "Bei seiner Geburt hielt er in der rechten Hand einen Blutklumpen". Vorzeichen für ein kriegerisches Leben. Temudschin, "der Eiserne" lautet sein Name und die Geheime Geschichte überliefert, dass er bereits früh von seiner göttlichen Mission überzeugt war: "Vom mächtigen Himmel bin ich gezeichnet, von der Mutter Erde bin ich hierher gesandt."

Kreislauf der Gewalt

Temudschin wächst in einer Zeit auf, als sich die Clans der Steppe untereinander befehden. Mord und Totschlag fordern Rache und Vergeltung, ein ewiger Kreislauf der Gewalt. Die Geheime Geschichte beklagt: "Alle Menschen lebten in Feindschaft miteinander. Sie kamen nicht in ihre Betten, sondern raubten sich gegenseitig ihre Habe. Man war immer zum Kampf gezwungen. Man lebte nicht in Liebe, sondern in gegenseitigem Umbringen."

Umsichtige Erziehung

Auch Temudschins Vater wird Opfer der Gewalt. Nur mühsam bringt die Mutter ihre vier Söhne über die Runden. Oft leiden sie Hunger, besonders im Winter. Denn von Oktober bis März verwandelt sich die Steppe in eine lebensfeindliche Welt. Temperaturen bis minus 40 Grad Celsius sind keine Seltenheit.


Nach dem Tod des Vaters trägt der junge Temudschin als ältester Sohn die Bürde des Familienoberhauptes. Doch seine Mutter erzieht ihn und seine Geschwister umsichtig und weise - wie die Geheime Geschichte berichtet: "Die von der Mutter Udschin mit Lauch und Zwiebeln aufgezogenen Kinder wuchsen auf, als seien sie zu Königen bestimmt. Als sie zu Männern und Edlen herangereift waren, waren sie gar edel und stolz geworden." Aber auch rücksichtslos, wenn es um die Rangordnung in der Familie geht. Einige Jahre später sollte Temudschin im Streit um Beute einen Bruder töten.

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