Verbündet in Feindschaft

Der Machtkampf zwischen Octavius und Marc Anton

Schon ihr erstes Treffen endete im Streit. Auch danach blieben Octavius, der spätere Kaiser Augustus, und Marc Anton Rivalen. Ihre Auseinandersetzung drehte sich nicht nur um die militärische Vorherrschaft, sondern war auch ein Wettstreit um die Sympathien des Volkes. Endgültig entschieden wurde der Machtkampf nach 13 Jahren in der Seeschlacht bei Actium.

Als der junge Octavius im Mai des Jahres 44 vor Christus nach Rom kam, hatte der damalige Konsul Marc Anton den Nachlass Caesars an sich genommen und wollte sich als dessen Nachfolger profilieren. Antonius jedoch unterschätzte seinen erst 17-jährigen Herausforderer und verweigerte Octavius zunächst sein Erbe - ein schwerer Fehler, wie sich bald zeigen sollte.

Sieg trotz Unerfahrenheit

Denn Octavius war fest entschlossen, Caesars Herrschaft fortzuführen. Er nahm seinen Namen an, nannte sich fortan Gaius Julius Caesar und zog das Volk auf seine Seite, wie es auch Caesar trotz diktatorischer Vollmachten gelungen war. Ganz anders Marc Anton: Ihm lasteten die Römer an, dass er die Caesarenmörder unbeschadet aus Rom fliehen ließ.


In kurzer Zeit baute sich der politisch völlig unerfahrene Octavius ein eigenes Heer auf. Bei Mutina stellte er sich mit politischer Unterstützung des Senats gegen die Truppen des Antonius - und siegte. Marc Anton entkam nach Gallien. Dennoch war der Weg an die Spitze Roms damit noch nicht frei. Ganz im Gegenteil: Der Senat mit Cicero als populärstem Konsul hatte Octavius nur benutzt, um Antonius zu vertreiben. Nun wollte er sich des Caesar-Erben entledigen, um selbst die Regierungsgewalt zu übernehmen.

Plötzliche Kehrtwende

Octavius begriff schnell, was geschehen sollte und machte eine unvorhersehbare Kehrtwende. Er verbündete sich mit dem Mann, der eben noch sein Gegner gewesen war: Marc Anton. Dieser nahm seine zweite Chance wahr, sich als mächtiger Anführer der Caesarianer zu beweisen und ließ seine Truppen mit denen Octavians gegen Rom marschieren. So wurde der Senat zur Anerkennung ihrer Herrschaft gezwungen, die 43 vor Christus in der Gründung des zweiten Triumvirats gipfelte.

Octavius, Antonius und ihr Unterstützer Lepidus wollten damit im Bündnis gegen die Mörder Caesars vorgehen, die im Osten des Reichs ihre Kräfte neu zu bündeln versuchten.




Neuordnung des Reichs

Als es ein Jahr darauf in der Schlacht von Philippi zum Kampf gegen die Heere von Brutus und Cassius kam, bewies sich Marc Anton als erfolgreicher Feldherr und vernichtete seine Gegner. Brutus und Cassius begingen Selbstmord. Für Octavius jedoch war der Sieg eine Blamage: Er griff kaum in die Schlacht ein.


Mit einem Mal hatte Antonius die Sympathien des römischen Volks zurückgewonnen - ohne zu wissen, dass es seinen Untergang bedeuten sollte, sie wenig später leichtfertig aufs Spiel zu setzen.


Nach Philippi teilten die Verbündeten die Provinzen unter sich auf: Octavius sollte über den Westen des Reichs verfügen, Marc Anton kümmerte sich um die Neuordnung des Ostens. Lepidus musste sich mit Afrika zufrieden geben und wurde wenig später, nach einem misslungenen Versuch, seinen Einflussbereich zu vergrößern, ganz ausgeschlossen.

Als das Triumvirat zerbrach, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis es zum Eklat kommen würde.

Antonius entfernt sich von Rom

Octavius kümmerte sich derweil in Italien um die Sorgen des Volkes. In einer Seeschlacht besiegte er Sextus Pompeius, Sohn des Caesar-Widersachers. Dieser hatte mit seiner Flotte lange Zeit den Seeweg nach Italien blockiert und das Land damit von der Getreideversorgung abgeschnitten. Octavius beendete die Misere und gewann so die Bevölkerung für sich zurück.


Marc Anton hingegen verbrachte die meiste Zeit in Ägypten, wo er sich in die Herrscherin Kleopatra verliebt hatte. Diese Verbindung erregte Aufsehen in Rom. Immerhin war Antonius mit Octavia, der Schwester Octavius' verheiratet.


Mit ausgeklügelter Propaganda förderte Octavius den Eindruck, dass Antonius sich immer mehr von Rom entfernte. Verleumdungen und Diskreditierungen waren an der Tagesordnung. Als Antonius seinen Triumphzug nach einem mühevollen Sieg über die Parther im Jahr 34 vor Christus nicht in der Hauptstadt, sondern in Alexandria feierte, sah Octavius seine Chance gekommen.




Entscheidung bei Actium

Er beschaffte sich unerlaubt das Testament des Antonius, las es laut im Senat vor und schockierte damit ganz Italien.


Denn Antonius hatte festgelegt, im Falle seines Todes nicht in Rom, sondern in Alexandria bestattet zu werden - für die Römer ein unsäglicher Frevel. Daraufhin erklärte Rom Ägypten den Krieg. Antonius sah sich gezwungen, Kleopatra mit seinen eigenen Truppen zu unterstützen und bestätigte damit die Verleumdungen Octavius'.

In der Schlacht bei Actium wurde Antonius' Flotte 31 vor Christus vernichtend geschlagen. Wenige Monate später rückte Octavius bis nach Ägypten vor und eroberte Alexandria. In dieser aussichtslosen Lage begingen Marc Anton und Kleopatra Selbstmord. Der Erbe Caesars jedoch hatte damit sämtliche Widersacher ausgeschaltet und endgültig sein Ziel erreicht.

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