Verbündete gesucht

Der Islam als Waffe des Deutschen Kaisers

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts werden die Karten der Weltpolitik neu gemischt - auch das Deutsche Reich will bei diesem Spiel dabei sein. Besonders einer will in der ersten Reihe sitzen: Kaiser Wilhelm II.

Der Deutsche Kaiser gilt als ambitioniert und reisefreudig. Von seinem Ausflug nach Konstantinopel gibt es sogar ein historisches Filmdokument.

Worte als Provokation

Kaiser Wilhelm II. macht dem Sultan seine Aufwartung. Der Preuße stilisiert sich zum Freund der Muslime: "Mögen der Sultan und die dreihundert Millionen Mohammedaner versichert sein, dass zu allen Zeiten der Deutsche Kaiser ihr Freund sein wird", sagt er. Worte, die in London als Provokation verstanden werden. Denn schließlich hat der britische König in den Kolonien Millionen von Muslimen unterjocht.

Der Deutsche Kaiser ergreift offenbar ihre Partei. Wilhelm II. braucht dringend Verbündete, denn Deutschland ist in Europa isoliert. Doch die osmanische Regierung taktiert vorsichtig. Auf welche Seite soll man sich schlagen, wenn in Europa der große Krieg ausbricht? Der waghalsige Coup eines einzelnen Mannes beantwortet die Frage.

Admiral Souchons Ziel

August 1914: Ausbruch des 1. Weltkrieges. Während die Heere aufmarschieren, jagen sich im Mittelmeer britische und deutsche Flotten. Im Hafen von Messina auf Sizilien sitzen zwei deutsche Kreuzer unter Kommando von Konteradmiral Souchon fest. Die italienische Regierung droht damit, die gesamte Mannschaften zu internieren. Souchon muss sofort den Hafen verlassen. Aus Berlin hat er den Befehl erhalten, in die Adria zu laufen. Doch der Kapitän fasst ein viel weiteres Ziel ins Auge.


Er will nach Konstantinopel durchbrechen und die immer noch neutrale osmanische Regierung zum Kriegseintritt auf deutscher Seite bewegen. Ein mehr als gewagtes Unternehmen. Denn er muss der weit überlegenen englischen Flotte entkommen. Doch Souchon setzt alles auf eine Karte. Er entwischt den Briten durch einen Trick. Pausenlos stören seine Funker die Frequenzen der feindlichen Morsegeräte. Die Verfolger verlieren die Spur.

Der größte Coup



Am 16. August 1914 laufen seine beiden Kreuzer in Konstantinopel ein. Jetzt folgt der größte Coup: die Deutschen unterstellen die Mannschaft osmanischem Kommando und bieten die Schiffe zum Kauf an. Die Militärs in Konstantinopel gehen auf das Angebot ein. Wochen später beschießen die beiden Kreuzer russische Häfen. Die Würfel sind gefallen.

Die Regierung in Konstantinopel kämpft an der Seite des deutschen Kaisers. Aber hier hat nicht mehr der Sultan das Sagen. Noch kurz vor Kriegsausbruch haben Generäle die Macht im Staat an sich gerissen. Ihr Anführer ist Enver-Pascha. Sein Regime steht für das dunkelste Kapitel der osmanischen Geschichte. Brutal geht er gegen vermeintliche Feinde im Innern vor. Er macht Jagd auf die armenische Minderheit im Reich. Denn die orthodoxen Christen gelten als Sympathisanten des Kriegsgegners Russland.

Schweigen zu Greueltaten



Ein Vorwand für Massenmord. Hunderttausende Armenier fallen dem organisierten Verbrechen zum Opfer. Die Behörden in Berlin kennen die Berichte über die Greultaten, aber sie schweigen dazu. Man will den wichtigen Verbündeten nicht brüskieren. Ganz im Gegenteil. Im Archiv des Auswärtigen Amtes schlummert ein merkwürdiges Dokument, ein geheimes Dossier. Ein Vorschlag, wie man den islamischen Alliierten noch wirkungsvoller benutzen kann.

Der Plan: mit Hilfe osmanischer Geistlicher die Araber, die in englischen und französischen Kolonien leben, aufzuwiegeln. Der Islam als Waffe des Deutschen Kaisers. Massen von Muslimen, die für Deutschland in den Heiligen Krieg ziehen, als fanatische Attentäter. Ein infamer Plan, der Illusion blieb. Denn er verkennt völlig die Stimmungslage der Araber.

Anschläge aus dem Hinterhalt

Die Bewohner der arabischen Provinzen sind zwar Muslime. Trotzdem betrachten sie die Herren am Bosporus als fremde Despoten. Sie ziehen für ihre Unabhängigkeit in den Krieg - mit England und gegen die türkische Armee. An ihrer Seite kämpft sogar ein Brite. Als Lawrence von Arabien bringt er es zu Weltruhm. Er setzt das in die Tat um, wovon die Deutschen träumten - Anschläge aus dem Hinterhalt. Ihr Ziel: die türkischen Truppentransporte. Der von Lawrence organisierte Aufstand der Araber unterstützt den Vormarsch britischer Truppen von Ägypten aus nach Norden. Die türkische Front bricht zusammen.

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