Vergangenheit und Zukunft

Neubewertung des Bildes der Ismailis

Dschuweinis negative Schilderungen über Hasan-e Sabbah prägten mehr als 800 Jahre lang das Bild der Ismailis im Orient. In Europa festigte der Weltreisende Marco Polo den Eindruck vom verruchten Leben der Assassinen. Islam-Wissenschaftler versuchen mit authentischen Quellen nun eine Imagekorrektur.

In den Miniaturen aus Marco Polos Reisebericht "Das Buch der Wunder" schildert er den Paradiesgarten des "Alten vom Berge" in schillernden Farben.

Doch keine wissenschaftlich fundierte Quelle noch andere Hinterlassenschaften belegen die Existenz derartiger Lustgärten - weder in Syrien noch in Persien. Auch fehlen in der arabischen Literatur Hinweise auf die Einnahme von Drogen durch Mitglieder des Geheimbundes.

Erst im frühen 20. Jahrhundert tauchten in Indien erste Original-Handschriften der Ismailis auf. Für die Fachwelt ein Glücksfall. Prof. Dr. Azim Nanji vom Institut für Ismail. Studien über authentische Quellen: "Heute können wir zum ersten Mal alles systematisch zusammentragen, was an Zeugnissen über die Ismailis existiert - in Arabisch, Persisch oder anderen Sprachen. So wird die Geschichte der Ismailis anhand authentischer Quellen erzählt. Bestimmt können wir so das verzerrte Image der Vergangenheit verbessern."

Fortschrittsgedanken

Mitten in London steht eines der Zentren der ismailischen Gemeinden in Europa. Symbol für den Fortschrittsgedanken der Gemeinschaft. Treffpunkt der Gläubigen, um ihrer Vergangenheit und ihrer Zukunft zu begegnen. Über allem wacht das Oberhaupt, der Aga Khan, der 49. Imam. 15 Millionen Ismailis weltweit stehen unter der Obhut des direkten Nachfahren Mohammeds. Verteilt auf fast alle Kontinente. Im Oktober 1957 trat der 20jährige Prinz in Amt und Würden. Die Interessen seiner Schutzbefohlenen wahrt der Harvard Absolvent in islamischer Geschichte seither mit großem Erfolg, sei es in Wirtschaft, Religion, Kunst oder Wissenschaft.

Ob mit prominenten Persönlichkeiten wie Nelson Mandela oder im Arbeitsgespräch mit unbekannten Architekten, Seine Hoheit setzt sich für zahlreiche Projekte ein, rund um den Globus. Die Verleihung von ihm gestifteter Preise gehört ebenso zum Alltag des umtriebigen Weltbürgers wie die Eröffnung einer Schule im fernen Kirgistan. Er finanzierte den Bau und garantiert die Unterhaltskosten. Auch Studenten kommen in den Genuss von Fördermitteln. Denn Ausbildung, Kultur und Entwicklungshilfe stehen ganz oben auf dem Programm des Aga Khan Network Development.

Düsteres Bild

Masyaf, die alte Hochburg der Assassinen - Erbe und Bürde zugleich. Der Ort steht für ein wichtiges Kapitel ismailischer Geschichte. Für eine Zeit, als die Gläubigen in einem eigenen Staat vereint waren. Seit seinem Untergang haben sie keine Heimat mehr. Zugleich hat der mittelalterliche Geheimbund ein düsteres Bild hinterlassen, das bis heute nachwirkt.

Der Meuchelmord ist keine Erfindung der Assassinen. Doch niemand hat ihn als spezielle Art der Kriegsführung so systematisch und langfristig eingesetzt wie Hasan-e Sabbah und seine Nachfolger. Die Gesamtzahl der Opfer, die auf das Konto des Geheimbundes gehen, ist verschwindend gering im Vergleich zu den Massen, die sonst in einer einzigen Schlacht starben. Kriege und Attentate scheuten auch andere Gruppen nicht - weder islamische noch christliche.

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