Verschlüsseltes Wissen

Keilschrifttafeln mit wertvollen Texten entdeckt

Erst der Deutsche Robert Koldewey beginnt vor hundert Jahren nach der historischen Wahrheit zu suchen. Als Koldewey an den Ort kommt, wo das alte Babylon vermutet wird, sind nur noch Schutthügel auszumachen.

Doch Koldewey ist sich sicher: Hier liegt das sagenhafte Babel begraben. Erste Grabungen legen Reste der gewaltigen Stadtmauern frei und bestätigen Koldeweys Vermutung: So mächtig gesichert kann nur die Hauptstadt der Babylonier gewesen sein. An den Mauerresten kann er mit Händen greifen, wovon Herodot staunend berichtete: dass es die Babylonier verstanden, ihre Ziegelbauten mit Erdpech gegen Feuchtigkeit zu isolieren. Eine technologische Glanzleistung. Koldewey ist jetzt besessen von der Idee, das ganze sagenhafte Babylon freizulegen. 18 Jahre lang - noch während des Ersten Weltkriegs - gräbt er fast ohne Unterbrechung. Die Ziegel aus dem Wüstensand führen schnell auf die Spur des legendären Herrschers: "Was kein früherer König getan hat, tat ich - Nebukadnezar" - so ist auf Keilschriftstempeln zu lesen.

"Fundgrube" des Wissens

Die Ausgrabungen, die im heutigen Irak vor 100 Jahren begannen, waren gerade mal ein Anstoß für die archäologische Zeitreise zurück ins babylonische Weltreich. In Sippar - gut 50 Kilometer von Koldeweys Ausgrabung entfernt - gibt es eine neue archäologische Sensation: eine Bibliothek aus der Zeit Nebukadnezars. Die entdeckten Keilschrifttafeln, jahrtausend alte Schriften, überliefern das Wissen aus der Zeit Nebukadnezars. Über 300 Schrifttafeln bergen die Archäologen - wertvolle Texte, die von Ritualen und Mythen erzählen, von Kriegen und von goldenen Zeiten. Die Bibliothek von Sippar ist eine "Fundgrube" des Wissens.

Details aus dem Leben der Babylonier

Wissen, das aber zunächst einmal entschlüsselt werden muss. Dabei ist die Übersetzung der Texte ein Wettlauf mit der Zeit. Denn wie hier im Museum Bagdad müssen Keilschrift-Experten dem Zerfall der uralten Schriften zuvorkommen. So haltbar diese Tafeln im Vergleich zu Schreibpapier auch sein mögen: Temperatur und Feuchtigkeitsschwankungen lassen den Ton oft in kurzer Zeit mürbe werden. Das Wissen Babylons zerfällt dann zu Staub. Wissen, dessen genaue Details ins Leben der Menschen von Babylon entführen. Zu Ereignissen wie demjenigen, das vor über 2500 Jahren die Babylonier in Angst und Schrecken versetzte: eine Mondfinsternis!

"Wenn der Mond verschwindet" - so überliefern die alten Schrifttafeln - müssen Priester überall in der Stadt Feuer entzünden. Die Menschen laufen in den Straßen zusammen und bedecken mit ihren Kleidern das Angesicht. Gebete und Gesänge erfüllen die ganze Stadt. Die Soldaten des Königs tauchen ihre Hände in dunklen Lehm und bestreichen vollständig ihr Gesicht. Nur so kann der Mond, der in der Vorstellung der Babylonier ein Gott mit Namen Sin ist, besänftigt werden. Nur so wird dieser Gott bereit sein, sich wieder den Menschen zu zeigen.

Auf speziellen Glasplatten kann das Wissen des Alten Orients gespeichert werden. Holografische Fotografie heißt die Methode, bei der Laserlicht die Oberfläche der Keilschrifttafeln abtastet. Über ein Spiegelsystem wird die fotografische Platte belichtet und im speziellen Entwickler fixiert. Die Tontafel erscheint auf der Fotoplatte dreidimensional. Die Wissenschaftler können jetzt die Keilschrift in ihrer ganzen Räumlichkeit erfassen - wichtige Vorraussetzung bei der Übersetzungsarbeit. Die Bildauflösung der Holographie ist so enorm, dass nun auch einzelne Keilschriftzeichen unter dem Mikroskop untersucht werden können ohne dabei das Original zu gefährden.

Großes medizinisches Wissen

Eine Keilschrift-Expertin stößt immer wieder auf Textpassagen, die großes medizinisches Wissen offenbaren. Aber auch auf praktische Notfallregeln, zum Beispiel bei einem Kreislaufversagen: "Wenn jemand krank ist, lege seinen Kopf nach unten und die Füße nach oben". "Schlage seine Wangen vorsichtig und spreche immer wieder "es wird gut werden". Die psychologische Betreuung des Kranken steht in vielen Texten an erster Stelle - oftmals wird sie konkret in der "Beschwörung", mit der die Priester auf den Kranken einwirken. Aber auch hohes medizinisches Know-How und wirksame Naturmedizin standen den babylonischen Ärzten vor zweieinhalb Jahrtausenden zur Verfügung: Bei bestimmten Magenbeschwerden wird ein Kräuterklistier empfohlen. Ja, sogar die chirurgische Öffnung des Bauches wird im Detail erörtert.

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