Verschollen zwischen Wahrheit und Fiktion

Zur Geschichte des Bermuda-Dreiecks

Der Ausspruch "Verschwunden im Bermuda-Dreieck" ist im allgemeinen Sprachschatz zur gängigen Redewendung geworden. Der Begriff muss als strapaziertes Synonym für das unerklärte Verschwinden von Materie herhalten - seien es fabrikneue Luxusautos oder auch Spendenakten.

Das riesige Meeresgebiet zwischen Florida, Puerto Rico und den Bermuda-Inseln gilt als eine der weltweit prominentesten Regionen für paranormale Erscheinungen.

Legenden und absonderliche Thesen

Seit mehr als hundert Jahren werden Legenden und absonderliche Thesen bemüht, das mysteriöse Verschwinden von Schiffen und Flugzeugen zu erklären. Scheinbar häufen sich derlei Fälle im Teufelsdreieck in auffallendem Umfang. Das Schicksal von "Flug 19" im Dezember 1945 ist nur einer von ihnen, wenngleich der berühmteste und spektakulärste.

In den Jahren nach diesem Vorfall wuchs die Statistik der merkwürdigen Verluste deutlich, die Meldungen verschwundener Flugzeuge überschlugen sich geradezu: 1947 etwa kehrte die "Superfort" nicht mehr zu ihrem Heimatflughafen zurück. Die C-54 und ihre Besatzung ließ 100 Meilen vor den Bermudas das letzte Mal von sich hören, danach brach der Funkkontakt ab. 1948 verschwand die britische "Star Tiger" auf unerklärliche Weise vom Himmel - das Linienflugzeug befand sich auf dem Weg von den Azoren zu den Bermudas.

Liste des Grauens

Im gleichen Jahr erlosch das Radarsignal einer Passagiermaschine. Die DC-3 war auf der Route von Puerto Rico nach Miami. Der Charterflug von 32 Fluggästen und der Besatzung schien im Nichts geendet zu haben. So und ähnlich setzte sich die Liste des Grauens fort: 1949 verschwand die "Star Ariel" 380 Meilen südwestlich der Bermudas, 1950 eine Maschine vom Typ "Globemaster" am nördlichen Ende des Dreiecks, 1952 ein britisches Flugzeug auf dem Weg nach Jamaica. Ob Bomber, Frachtflugzeuge oder Patrouillenflugboote der Marine - das Meer scheint bei seinen fliegenden Opfern nicht wählerisch zu sein.

Ähnliches gilt für die lange Statistik spurlos verschollener Schiffe: Bereits 1840 soll die unter französischer Flagge fahrende "Rosalie" auf der Reise von Havanna nach Europa im Teufelsdreieck ihr Ende gefunden haben. Noch im gleichen Jahr wurde auch die britische Fregatte "Atalanta" als Totalverlust gemeldet: Für 309 Mann Besatzung endete die Reise von den Bermudas nach England mit dem Tod im Atlantik. 1902 traf es auch ein deutsches Schiff: Die "Freya" verließ Kuba mit Ziel Europa, erreichte die Heimat aber nie. Es waren Fischkutter, Kabinenkreuzer, Handelsschiffe, Rennyachten und Ausflugsboote, die sich das Teufelsdreieck in den folgenden Jahren und Jahrzehnten heimtückisch einzuverleiben schienen.

Streit über Vollständigkeit der Chronik

Ob Schiffe oder Flugzeuge, in beiden Fällen lassen sich die Listen noch deutlich erweitern - oder auch wieder kürzen: Zwischen Anhängern grenzwissenschaftlicher Thesen und Verfechtern erklärbarer Ursachen ist längst ein Streit über Vollständigkeit beziehungsweise Seriosität der Chronik entbrannt. Einflussreichster Fürsprecher übernatürlicher Ereignisse ist Charles Berlitz, Autor zweier weltweit verkaufter Bestseller.

Im Fall der britischen "Star-Tiger" etwa befindet er die letzten schwachen Signale des Flugzeuges als Beleg für Unerklärliches. Und Berlitz zitiert den letzten Funkspruch sinngemäß heiter: "Wetter und Maschinenleistung hervorragend, erwarten planmäßig zu landen". Sein erbittertster Kontrahent, der Autor Larry David Kusche, hingegen will offiziellen Quellen entnommen haben, dass an jenem fraglichen Tag des Jahres 1948 extrem schlechte Wetterverhältnisse herrschten. Kusche behauptet, mehr als 50 mysteriöse Fälle letztlich auf Ereignisse wie Navigationsmängel, technische Pannen und Stürme zurückführen zu können.

Symptomatischer Zwist

Der Zwist ist symptomatisch für die lange Geschichte des Bermuda-Dreiecks - und die Diskussion darum: Ein scheinbar unendlicher Schlagabtausch vermeintlich Wissender um Realität und Fiktion, um falsche Faktendeutung und Vorwürfe gezielter Desinformationen, gar Lügen. Zumindest soviel steht fest: Um kaum ein anderes Gebiet der Welt kursieren ähnlich viele Wahrheiten - auch wenn sie den Beweis allesamt schuldig bleiben. Die umfassende wissenschaftliche Aufarbeitung der Akte Bermuda hat gerade erst begonnen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet