Versunkene Stadt

Michael Jansen hält Mohenjo-Daro für eine Metropole der Bronzezeit

Seit 1980 gehört Mohenjo-Daro zum UNESCO Weltkulturerbe. Die Ruinenstadt ist auch noch für moderne Archäologen ein Glücksfall. Denn bisher sind nur zehn Prozent der Stadt freigelegt, die einst 200 Hektar umfasst haben könnte. Der Bauforscher Michael Jansen, ein ausgewiesener Kenner der Induskulturen, lässt die Plattform erkunden, die er unter der gewaltigen Stadtanlage vermutet.

Michael Jansen überwacht Grabungen in Mohenjo-Daro Quelle: ZDF
Bohrkern Quelle: ZDF

Jansens Vermutung: In Mohenjo-Daro ist bisher nur die Spitze des Eisbergs zu sehen. Die Stadt könnte sich aber viel weiter ausgedehnt haben, vielleicht sogar bis zum Indus. Doch bei Grabungen in den unteren Schichten droht die Stadt in sich zusammenzubrechen. Eine Kernbohrung soll Aufschlüsse über die verschiedenen Bodenschichten geben. Es bedarf allerdings mehrerer Proben und genauer Analysen der Lehmschichten, um die Ausmaße der versunkenen Stadt endgültig zu bestimmen.





Zerstörerische Salze

Bei den Grabungen ist Vorsicht geboten, denn der salzige Boden erodiert. Das Salz steigt in den freigelegten Mauern mit der Bodenfeuchtigkeit hoch und zerfressen das Mauerwerk. Die UNESCO startete ein von Michael Jansen entwickeltes Rettungsprogramm. Der Plan war, die fünfzig Kilometer langen Mauern mit frischem Lehm zu überziehen. So kristallisiert das Salz nicht mehr auf der Ziegeloberfläche, sondern außen am Lehm, der dann abgeschlagen werden kann.

Wissenschaftler untersucht vom Salz angegriffene Ziegel Quelle: ZDF

Würden diese regelmäßigen Unterhaltungsarbeiten nicht systematisch weitergeführt, würde die Stadt würde Mohenjo-Daro innerhalb der nächsten 20 bis 30 Jahre einen zweiten Tod sterben. Nach dem Verständnis moderner Archäologie hätte es soweit nicht kommen müssen. Während es zu Marshalls Zeiten das Bestreben war, möglichst viel auszugraben, gehen Forscher heute anders vor. Ziel ist nicht mehr, nach Objekten wie Gold oder besonders wertvollen Figuren zu graben. Vielmehr versucht man versucht, den damaligen Alltag zu verstehen. Jansens neueste Erkenntnisse legen nahe, das Mohenjo-Daro tatsächlich die größte Stadt der Bronzezeit war.

Wie ein Spionagekrimi

Schriftzeichen Quelle: ZDF

Michael Jansen glaubt eines Tages Beweise für die Existenz einer Schrift zu finden. Doch bisher schweigt die Stadt am Indus. Die Jahrtausende alte Kultur hütet ihre Nachrichten erfolgreicher als einen Geheimdienst-Code. Die Jagd nach dem Schlüssel trägt Züge eines Spionagekrimis. Regelmäßig verkünden Forscher und Privatgelehrte aus aller Welt, sie hätten den Indus-Code geknackt.



Harvard-Professor Michael Witzel und sein Team hegen daran größte Zweifel. Mit dem Computerlinguisten Richard Sproat und dem Historiker Steve Farmer hat Witzel die rätselhaften Zeichen jahrelang erforscht und Tausende Varianten der Entschlüsselung durchgespielt. Doch es scheint unmöglich, den Symbolen Sprachinformationen zu entlocken. Der Computer kann keinerlei Regeln erkennen. Deshalb nehmen die Forscher an, dass die Bewohner der Indus-Ebene, die Meister-Ingenieure der Bronzezeit, Analphabeten waren.

Computeranalyse Schriftzeichen Quelle: ZDF

Hochkultur ohne Schrift?

Der Beweis liegt für das Team in der Kürze der Indus-Inschrift. Die durchschnittliche Inschrift ist ungefähr fünf Zeichen lang: zu wenig für einen Text. Die längste Reihe ist ganze 17 Zeichen lang. Das ist alles - aus abertausenden Indus-Inschriften. Keine andere Schrift kommt mit derart kurzen Zeichenfolgen aus. Dennoch schien, seit Alexander Cunningham im Jahr 1873 erstmalig ein Harappa-Siegel untersuchte, niemand daran zu zweifeln, dass es sich um eine Schrift handelte. Auch für John Marshall war klar, dass eine Hochkultur eine Schrift benutzen muss.

Witzel, Sproat und Farmer haben sich dagegen mit ihrer Theorie Feinde gemacht. Ihnen wird vorgeworfen, sie würden das historische Erbe ihres Landes beleidigen.Die Entschlüsselung der Symbole kann noch Jahre dauern, wenn sie überhaupt möglich ist. Bisher können die Forscher nur wenige religiöse und landwirtschaftliche Motive deuten.

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