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Versunkenes Androna

Architektonischer Reichtum

In die Zeit der Spätantike, als die Macht auf Konstantinopel, das "Neue Rom" übergegangen war, fällt auch die Blüte einer Stadt in der syrischen Wüstensteppe: Androna. Hier stößt man wieder auf den fliegenden Jesuitenpater Antoine Poidebard.

Mit seinem Potez-Doppeldecker gelangen ihm um 1935 faszinierende Luftaufnahmen auch in dieser wasserarmen Gegend Zentralsyriens. Mit seiner Kamera schuf er einen einmaligen archäologischen Bilderschatz. Er fotografierte Androna und die fantastisch erhaltenen Bauten im benachbarten Qasr Ibn Wardan.

"Mitten im Nichts"

70 Jahre später ist die Heidelberger Archäologin Christine Strube die erste, die sich in diesem Teil Syriens dem Geheimnis einer versunkenen Stadt mit Hacke und Spaten nähert. Seit 1997 erforscht die Professorin mit syrischen und britischen Partnern die Geschichte von Androna.

Der Ort liegt heute Mitten im Nichts. Kein Fluss, keine große Straße führen hier her. Warum wurde Androna früher von einer mächtigen Stadtmauer aus Basaltsteinen geschützt? Weiter vorgelagert gibt es noch eine zweite Mauer. Warum diese Vorsicht? Welche Schätze hatte der doppelte Mauerring der Stadt zu verbergen? Christine Strube hat bisher elf Kirchen, ein Bad, ein großes Militärlager und zahlreiche Privathäuser entdeckt. Genug Arbeit für eine ganze Legion Archäologen.

Sand der Jahrhunderte

Ein Privathaus wird vom Sand der Jahrhunderte befreit. Mehrere Meter tief müssen die Männer graben, bis sie Fußbodenniveau erreichen. Gewaltige Erdmassen werden mit einfachsten Mitteln bewegt, doch die Schinderei lohnt. Der Erhaltungszustand der 1500 Jahre alten Gebäude ist fantastisch. Wie in einer Zeitkapsel waren sie, vom Wüstensand bedeckt, konserviert. Jeden Augenblick können die Ausgräber mit einem Fund rechnen. Die Grabungsschnittleiterin findet reich verzierte Platten.

In die Begeisterung über den architektonischen Reichtum der Stadt mischen sich immer neue Fragen. Wie wurde sie so reich? Wer bewohnte sie und wer war dieser Thomas, der in Türinschriften des Kastrums - "Licht und Leben durch das Werk des Thomas" - immer wieder genannt wird? Im Grabungshaus ist Zeit für erste Antworten. Die meiste Keramik stammt aus dem 5. und 6. Jahrhundert. Einer Epoche, die von den Abwehrkämpfen gegen die Sasaniden beherrscht wird.

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