Virtuelle Wiedergeburt eines Frachters

Einsichten in den blühenden Handel der späten Bronzezeit

Bis zum Beginn der Seevölkerkrise erleben die Staaten rund ums Mittelmeer einen Wirtschaftsboom. Der internationale Seehandel bildet die Grundlage des Aufschwungs. Hochseetaugliche Segelschiffe transportieren bis zu 30 Tonnen Rohstoffe und Fertigprodukte zwischen den Ländern.

Rekonstruktion des Frachters Uluburun Quelle: ZDF

Die prall gefüllten Laderäume der 15 Meter langen und fünf Meter breiten Schiffe sind Schatzkammern einer längst vergangenen Epoche. Das Wrack der "Uluburun", 1982 vor der türkischen Westküste aufgespürt, zählt zu den wichtigsten archäologischen Entdeckungen des letzten Jahrhunderts.

Wrack Uluburun Quelle: ZDF

Reichhaltige Palette an Transportgut

Die Überreste der "Uluburun" vermitteln einzigartige Einsichten in den Handel der späten Bronzezeit. Auf Holztafeln verzeichneten die Kaufleute minutiös jeden einzelnen Artikel und seinen Wert. Straußeneier aus dem fernen Ostafrika gehörten ebenso zum Sortiment wie der seltene Bernstein von den Küstenregionen der Ostsee. Aus den Bergen Persiens östlich des Tigris stammt das Zinn, das für den Verkauf zu Barren gegossen wurde. Ein ebenso gefragtes Produkt für die Herstellung von Bronze war Kupfer aus Zypern. Blaue Glasrohlinge und Elfenbein aus Syrien dienten der Fertigung von Schmuck. Töpferwaren aus Kanaan vervollständigten die reichhaltige Palette an Transportgut der "Uluburun".

Schutzfiguren der Seevölker Quelle: ZDF

Um 1300 vor Christus gleicht die Seefahrt einer Reise ins Ungewisse. Nicht selten gefährdeten schwere Wetter die Sicherheit der Schiffe. Schutzfigürchen begleiteten viele Segler jener Zeit. Doch der "Uluburun" sollte der Talisman kein Glück bringen. Nach einem Sturm zerschellte der Frachter an der Steilküste im Süden der Türkei und sank auf den Meeresboden. Eine Tragödie mit hohen Verlusten. Für die Unterwasserarchäologen ein sensationeller Fund, ist doch die "Uluburun" eines der ältesten Wracks der Weltgeschichte. Und ein Zeugnis des florierenden Handels.

Das Ziel der letzten Reise

Die Reste der Planken gestatten nicht nur eine genaue Datierung der Bauzeit. Auch wie die "Uluburun" aussah, lässt sich mit modernen Methoden ermitteln. Spezielle Computerprogramme ermöglichten die Rekonstruktion der Rumpfmaße des versunkenen Seglers aus der Bronzezeit. Vor 25 Jahren leitete Dr. Cemal Pulak die Bergung der "Uluburun" und übernahm die Auswertung der Funde. Der türkische Wissenschaftler glaubt, dass vor allem die beiden sichergestellten Schwerter der Begleitoffiziere an Bord des Frachters das Ziel der letzten Reise verraten.

Vermutlich sollte die Route von Ägypten über Ugarit, Zypern, die Südtürkei und Kreta zur griechischen Peloponnes führen - nach Mykene, dem mächtigen Stadtstaat in der Ägäis. Im späten 13. Jahrhundert vor Christus lebten die Könige dort in einem gigantischen Palast auf dem hochgelegenen Burgberg. Die dicken Mauern rund um die Anlage waren ein notwendiges Bollwerk in Zeiten ständiger Bedrohung von außen.

Kartenausschnitt Schiffsroute der Seevölker (Mykene) Quelle: ZDF

Mittelmeer als Drehscheibe

Vor dem Seevölkersturm gibt es ein florierendes Handelsnetzwerk in der damals bekannten Welt - mit dem Mittelmeer als Drehscheibe für Rohstoffe und Handwerksgüter. Am Ende der Bronzezeit kommt es aber zum Zusammenbruch der Zivilisationen, und das östliche Mittelmeer wird in ein Chaos gestürzt, von dem es sich erst nach Jahrhunderten wieder erholte.

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