Vollendung der Einheit

Der König von Qin wird zum Kaiser von China

Innerhalb von nur vier Jahren erobert der "Tiger von Qin" drei Nachbarstaaten. Auch der Fall des Reichs Yen scheint nur eine Frage der Zeit zu sein. Doch der Kronprinz von Yen will seinen Herrschaftsanspruch bis aufs letzte bewahren.

Yen schickt einen Gesandten an den Hof von Qin. Gemäß der alten Tradition soll er dem König eine Karte des Königreiches Yen überreichen - als Zeichen kampfloser Kapitulation und unbedingter Unterwerfung.

Attentat auf Ying Zheng

In Wahrheit dient die Mission einem anderen Zweck: Der Unterhändler soll den feindlichen König töten. Jing Ke heißt der getarnte Botschafter. Sein Name wird in die Geschichte eingehen. Die Durchsuchung des Gesandten fördert keine Waffe zutage. Das in der Karte versteckte Messer bleibt unentdeckt. Nachdem die Palastwachen Jing Ke passieren lassen, trennen ihn nur wenige Meter von seinem Opfer, dem Tyrannen auf dem Thron von Qin.


König Ying Zheng scheint dem Attentäter schutzlos ausgeliefert. Niemand darf im Palast eine Waffe tragen - außer dem König selbst. Jing Ke muss nur noch nahe genug an den Thron herankommen. Die Eitelkeit Ying Zhengs spielt dem Attentäter in die Hände. Der König will seinen Triumph genießen, das Dokument der Unterwerfung mit eigenen Augen sehen. Mit zitternden Knien nähert sich Jing Ke seinem Opfer. Der Mordplan scheint zu gelingen.

Göttliche Fügung?

Doch Jing Ke verfehlt sein Ziel. Der König überlebt unverletzt. Der Attentäter, auf dem die verzweifelten Hoffnungen seiner Heimat ruhten, sitzt in der Falle. Er fügt sich in sein Schicksal. Eigenhändig richtet Ying Zheng den Mann, der es wagte, ihm nach dem Leben zu trachten. Mehr denn je ist Ying Zheng überzeugt, dass er allein dazu bestimmt ist, die anderen Reiche zu unterwerfen und die Einheit Chinas zu vollenden.

In nur sechs Jahren fallen auch die verbliebenen Reiche. Im Jahre 221 vor Christus ist ganz China unter dem Banner von Qin vereint. Aus dem gesamten Reich werden die Waffen der Unterworfenen an den Hof von Qin gebracht. Ying Zheng verfügt, dass niemand in seinem Imperium eine Waffe tragen darf - außer seinen Soldaten. Doch die Angst vor dem Tod wird ihn immer begleiten. Das Misstrauen des Herrschers ist wie sein neues Reich grenzenlos.

Gründer der chinesischen Nation

In einer gewaltigen Inszenierung lässt sich der König von Qin zum Kaiser von China krönen. "Alles unter dem Himmel" gehorcht fortan seinem Wort. Auf Vorschlag seiner Ratgeber wählt er einen gottgleichen Titel: "Qin Shi Huangdi - Erster Erhabener Kaiser von Qin". Seine Zeitgenossen berichten allerdings wenig Schmeichelhaftes über ihn: "Er hat das Herz eines Tigers und wird jeden, ohne zu zögern, bei lebendigem Leibe fressen." Heute sehen einige Experten in Ying Zheng den grausamen Despoten, andere den Gründer der Nation.

Der Kaiser vereinheitlicht per Dekret alle Maße und Gewichte. Es folgt die "Währungsunion": Nur noch runde Kupfermünzen gelten als Zahlungsmittel. Schließlich vereinfacht Qin Shi Huangdi die Schrift. Was auf den ersten Blick nützlich erscheint, ist ein revolutionärer Bruch mit der chinesischen Tradition. Denn die Schrift ist eine Weltanschauung, eine spirituelle Übung, die auf die harmonische Vereinigung von Körper und Geist zielt. Qin jedoch reduziert die Schrift auf ein Werkzeug. Der einheitliche Kanzleistil dient der effektiven Verwaltung seines Imperiums.

Harte Gesetze und unerbittliche Strafen

Die alte Ordnung basiert auf den Schriften des Philosophen Konfuzius. Er hatte gelehrt, dass ein Herrscher durch Weisheit und Sittlichkeit überzeugen müsse. Doch Qin regiert durch Härte und Zwang. 500 Bambusstreifen, die heute im Archiv des Provinzmuseums von Wuhan aufbewahrt werden, zeugen von der Regulierungswut des Despoten, die auch leichte Vergehen schwer bestrafte: Auf den Diebstahl von Maulbeerblättern standen dreißig Tage Zwangsarbeit. Wer bestickte Schuhe trug, riskierte Prügel, wer die Tapferkeit feindlicher Soldaten pries, seinen Kopf.



Kaiser Qin befiehlt, sämtliche Schriften des Konfuzius und alle Geschichtsbücher zu verbrennen. Die Vergangenheit soll aus dem Bewusstsein der Nation gelöscht werden. Mehr noch als das geschriebene Wort fürchtet der Despot das Wissen in den Köpfen. Unter einem Vorwand lässt er wenig später 460 Gelehrte zur Abschreckung hinrichten. Die Staats- und Militärmaschinerie des Kaisers ist bis ins kleinste Detail perfekt organisiert.

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