Vom Gegner zum Gefährten

Enkidu soll Gilgamesch die Stirn bieten

In weit über 3000 Versen schildert der Autor auf elf Keilschrifttafeln die schlechten und die guten Taten des umtriebigen Regenten aus dem Volk der Sumerer. Gilgamensch tut was ihm in den Sinn kommt. Doch als er zu weit geht, schicken die Götter einen starken Gegenpart: Enkidu.

Gilgamesch und Enkidu Quelle: ZDF

Das Gilgamesch-Epos ist die Geschichte eines furchtlosen Mannes, der seine Kräfte mit der ganzen Welt messen will und nach Unsterblichkeit strebt. Der Beginn des Epos legt nahe, dass der Gebieter über die Menschen von Uruk ein sadistischer Tyrann ist. Selbst beim Ballspiel drischt der selbstherrliche Liebling der Götter gnadenlos auf seine Gegner ein. Als die Untertanen keinen Ausweg mehr sehen, beschweren sie sich bei den himmlischen Mächten. Die Hilfe von oben lässt nicht lange auf sich warten.

Enkidu Quelle: ZDF

Verführung eines Wilden

Wie aus dem Nichts betritt Enkidu die Bühne des Geschehens. Ein Wesen, das es an Kraft, Größe und Schönheit mit Gilgamesch aufnehmen kann und mit der Natur im Einklang lebt. Doch eine Dirne namens Schamchat verführt Enkidu - sieben Tage lang, bis ihm die Wildnis fremd wird. Seine Freunde, die Tiere, akzeptieren ihn nicht mehr. Dafür gewinnt er menschlichen Verstand und beherrscht plötzlich auch die Sprache.

Dann bringt Schamchat ihn in die Stadt, damit er Gilgamesch die Stirn biete. Im Lager der Hirten, sozusagen einer Zwischenstation auf dem Weg zur städtischen Kultur, verwandelt sich Enkidu auch äußerlich. Der bisher Gras fressende "mörderische Bursche", wie ihn der Dichter des Epos nennt, lernt Brot und Bier kennen, lässt sich einkleiden und erschlägt nachts Löwen und Wölfe - seine ehemaligen Freunde. Dies ist der endgültige Schritt, der ihn seinem bisherigen Leben entfremdet. Die Passage, die zum großen Teil aus der ältesten Fassung des Epos stammt, schildert in anschaulicher Weise die altorientalischen Vorstellungen von der Urgeschichte.

Karte von Sumer Quelle: ZDF

Kräftemessen als Schlüsselszene

Die Residenz des Königs lag im Süden des heutigen Irak, in Mesopotamien. Dort, zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris, erstreckt sich das Reich Sumer mit der Metropole Uruk. Dort stehen sich Gilgamesch und Enkidu in einem Zweikampf gegenüber. Anlass ist das vermeintliche Recht des grausamen Herrschers, jede Braut vor dem Vollzug der Ehe zu entjungfern.

Dem Wollüstigen versperrt der empörte Enkidu den Zugang zum Hochzeitshaus. Vom Kräftemessen der beiden Männer berichtet die zweite Tontafel des Epos. Eine Schlüsselszene, in der Gilgamesch zum ersten Mal Grenzen gesetzt werden. Und eine Mahnung an den Regenten, die ihm verliehene Macht nicht zu missbrauchen.

Kampf zwischen Gilgamesch und Enkidu Quelle: ZDF

Ruhm und Ansehen für Uruk

So bedeutsam die Episode für den Fortgang der Handlung auch sein mag, Hinweise auf historische Fakten liefert sie nicht. Bis zum Morgengrauen dauert das Ringen. Einen Sieger gibt es nicht. Erschöpft schließen die zwei gleich starken Recken Freundschaft. Enkidu wird fortan Gilgameschs ergebener Gefährte sein. Damit ist die Absicht der Götter, den königlichen Rabauken in die Schranken zu weisen, gründlich misslungen. Gilgamesch und Enkidu leben fortan in einer Symbiose - in einem Verhältnis, das auch körperliche Liebe einschließt. Und in Uruk regiert plötzlich ein Zweiergespann. Es ist der Anfang von Ruhm und Ansehen der Stadt.

Eines ihrer ersten Abenteuer bringt Gilgamesch und Enkidu zum Zedernwald der Götter. Vom Zweistromland bis zu den Bergen des Libanon dauert die Reise drei Monate. Den Männern steht eine große Aufgabe bevor. Es gilt, den Dämon Humbaba, den Wächter der Bäume, zu überwinden. Erst dann können sie die begehrten Stämme fällen, die in Sumer nicht wachsen, die sie aber für ihre Tempel und Paläste benötigen.

Maske von Humbaba Quelle: ZDF

Blutige Auseinandersetzung

Jede Nacht bewacht Enkidu seinen König, den Alpträume plagen, weil er sich vor dem Kampf mit dem Riesen fürchtet. Doch der treue Freund kann den mutlosen Machthaber kaum trösten. Ihm bleibt nur, die Götter von Uruk um Hilfe zu bitten. Schamasch, der Herr der Sonne, schaltet sich ein. Er rät zur Eile und empfiehlt eine schnelle Attacke gegen Humbaba. Die Reisenden ziehen sofort weiter und schaffen die enorme Wegstrecke in nur zwei Wochen.

In ausgeschmückten Versen schildert die fünfte Tafel die blutige Auseinandersetzung mit dem Ungeheuer. Listig locken die Helden den Kraftprotz aus dem Wald, wo ihn von den Göttern gesandte Stürme lähmen. Nach erbittertem Kampf stirbt Humbaba durch das Schwert von Gilgamesch. Den Leichnam zerfetzt Enkidu wie ein wildes Tier. Dann fällen die Eindringlinge Zedernbäume und schaffen sie in die Heimat.

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