Vom Kamel ins Boot

Gewagte Fluss-Expedition

Im Frühling 1934 tauscht Sven Hedin den Kamelrücken gegen ein Boot. Die Expedition auf dem Konqi-Fluss soll ihn in Gegenden führen, in die noch kein Mensch vorgedrungen ist.

Start der Fluss-Tour von Urumqi nach Loulan. Quelle: ZDF

Vor 25.000 Jahren war die Taklamakan, die "Wüste ohne Wiederkehr", Teil eines riesigen Binnenmeeres. Mächtige Sand- und Tonschichten lagerten sich auf seinem Grund ab. Dann änderte sich das Klima dramatisch - eine Dürreperiode setzte ein.

Über den trocken gefallenen Seeboden fegten ständig Stürme mit über 150 Stundenkilometern Windgeschwindigkeit. Die Stürme trugen den Sand ab und ließen die vielgestaltigen Gebilde aus festem Ton zurück. Hedin hat für diese Formationen den Begriff "Yardang" in die Wissenschaft eingeführt. Hier macht er wieder eine bahnbrechende Entdeckung. Nach der Ersteigung eines hohen Yardang wird seine Neugier durch umherliegende Knochen geweckt - Menschenskelette, wie sich herausstellt.

Herrscherin der Wüste

Nicht weit von den Knochenfunden entfernt: ein Einzelgrab. Es birgt einen Holzsarg - wie ein Kanu ist er aus einem einzigen Baumstamm gehauen. Vorsichtig lüften die Männer das Leichentuch. Der Forscher ist überwältigt: "Wir entfernten den Teil, der das Haupt bedeckte - und nun sahen wir sie, die Herrscherin der Wüste, die Königin von Loulan und Lop Nor in all ihrer Schönheit." Ein einzigartiger Fund, der das Bild von dieser Wüste Grund legend verändert. Mehr als 200 antike Mumien wurden bis heute in der Taklamakan gefunden. Archäologisch besonders wertvoll ist die "Schöne von Loulan". Geschätztes Alter: 3800 Jahre. Kleidung, Art der Bestattung und Haarfarbe verweisen auf eine europäische Abstammung. Wissenschaftler schlussfolgern daraus: Die Taklamakan ist aus dem Westen besiedelt worden.

Der Fluss-Expedition auf dem Konqi hat Sven Hedin jahrelang entgegengefiebert. Im Frühling 1934 ist es soweit. Er sucht eine bisher unentdeckte Route, um das Rätsel des "Wandernden Sees" endlich lösen zu können.

Gewagte Fahrt

Entgegen allen Ratschlägen wagt er sich auf den geheimnisvollen Fluss und folgt ihm in Richtung Osten. Hedin ist elektrisiert - der Konqi habe seinen Lauf durch die Wüste erst wenige Jahre zuvor geändert, heißt es. Aus Urumqi war Hedin mit seineraufgebrochen, um in das Gebiet des längst vergangenen Reiches Loulan zu gelangen. Niemand weiß, ob sie auf Booten zurückkehren können und was ihn und seine Männer am Ende der Bootsexpedition erwartet. Seit Hedins gewagter Fahrt hat sich der Lauf des Konqi-Flusses abermals mehrfach geändert.

Zwei lange strapaziöse Monate ist Hedin bereits mit dem Boot unterwegs, um eines der großen geographischen Rätsel seiner Zeit zu lösen. Der Forscher Prschewalskij hatte den Lop Nor ganz woanders entdeckt, als er auf den alten Karten eingezeichnet war. War der Russe einem Irrtum aufgesessen? Oder irrten die alten Karten?

Wandernde Seen

Hedin entwickelt die Theorie vom "Wandernden See" - für viele seiner Fachkollegen eine absurde Behauptung. Doch Hedin erklärt unbeirrt, dass sich der Lauf des Tarim- und des Konqi-Flusses durch Wanderdünen und aufgeschwemmten Flusssand ändern würde und der von ihnen gespeiste Lop Nor-See darum immer an einer anderen Stelle neu entstünde. Der Forscher behält recht. Ein Meilenstein in der Entdeckungsgeschichte Innerasiens. Ein Schwede befährt als erster Europäer den Lop Nor, der wieder in sein altes Seebecken zurückgekehrt ist. Hedin ist zum Augenzeugen eines von ihm selbst vorausgesagten Phänomens geworden.

Am Ende seiner langen Reise durch die Wüsten hat Hedin ein Denkmal errichten lassen. Für ihn war die Welt aus Sand, Stein und Salz ein Feind, den es zu besiegen galt. Er war von ihr besessen - wirklich geliebt hat er sie nicht.

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