Von Chartes nach Sagres

Die Geschichte des Kartographen Heinrich Schuder (3)

Heinrich Schuder ist in geheimer und gefährlicher Mission nach Sagres unterwegs. Zunächst wählt er den Landweg, der ihn über Chartres führt. Schon von weitem sind das große Kirchenschiff und die hohen Türme der Kathedrale zu sehen.

"Ich wollte mir ein wenig Zeit nehmen, um ihre gerühmte Architektur zu studieren. Am Abend bezog ich ein Zimmer. War es eine sichere Unterkunft? Die Karten für Behaim machten mir einige Sorgen."

Dem Himmel entgegen

"Am anderen Morgen machte ich mich auf zur Kathedrale Notre Dames de Chartres. Von ihr heißt es, "ihr Anblick sei vergleichbar mit dem Aufscheinen der Mauern Jerusalems, der himmlischen Stadt." Was ich sah, übertraf alle meine Vorstellungen. Sie strebt dem Himmel entgegen. Die Baumeister haben wahre Berge aufgetürmt, bis in die Wolken."

"Ich hatte die Erlaubnis hinaufzusteigen. Überall sind Gerippe aus Stein. An die Stelle der massiven Mauern setzen sie jetzt Fenster. Es sind kühne Konstruktionen und die Baumeister wetteifern miteinander. Jeder will den anderen übertreffen. Es bedarf größter Kenntnis des Gleichgewichtes der Kräfte, um solch ein Bauwerk zu errichten."

Weg ins Paradies

"In der Kathedrale von Chartres ging ich 'die Straße nach Jerusalem', den verschlungenen Weg ins Paradies. Ein treffliches Symbol, dieses Labyrinth, wie in der Offenbarung steht: "Ich bin das A und das O, sprach Gott der Herr, der Anfang und das Ende, der Erste und der Letzte." Wir lassen uns auf diesem Weg vom Glauben leiten. Aber in anderen Fragen sollte man sich lieber auf Wissen und Erfahrung verlassen. Wie die Baumeister der Kathedralen."

"Für mich war es an der Zeit, Chartres zu verlassen. Zurück ich meiner Unterkunft erlebte ich eine böse Überraschung. Alles war durchwühlt, lag wild durcheinander. Was war mit den Karten für Behaim? Welch ein Glück!! Sie waren noch da, wo ich sie versteckt hatte. Aber ich musste auf der Hut sein, es drohte Gefahr. Es gelang mir, meine Verfolger abzuschütteln. Noch in derselben Nacht verließ ich fluchtartig die Stadt. Auf schnellstem Wege war ich nach Brügge gereist, um mit dem Schiff nach Lissabon weiterzufahren. Wie immer war ich auf den höchsten Turm gestiegen, um mir einen Überblick über die Stadt zu verschaffen. Mir blieb noch Zeit bis zur Abfahrt. Ich nutzte sie, um das 'Venedig des Nordens' zu erkunden."

Ankunft in Sagres

"Ich ging an Bord. Eine Woche war ich von Brügge nach Lissabon unterwegs. Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich noch verfolgt wurde. Aber nichts passierte, es war eine ruhige Fahrt. Im Frühjahr des Jahres 1493 erreichte ich die Küste von Sagres. "

"Ich war am Ziel. Endlich konnte ich Martin Behaim die Seekarten überreichen. Er genoss das Vertrauen der Krone. Für die Portugiesen hatte er eine Kopie seines Erdapfels angefertigt. Ich erzählte ihm, wie sehr ich seinen Globus in Nürnberg bewundert hatte. Er vertraute mir an, dass er mit erfahrenen Navigatoren weitere Fahrten um Afrika in den indischen Ozean vorbereite."

"Ich hatte gesehen, was zu sehen war. Jetzt wollte ich Unbekanntes entdecken. Doch Petrarcas Worte gingen mir nicht aus dem Kopf: 'Und es gehen die Menschen, zu bestaunen die Gipfel der Berge und die ungeheuren Fluten des Meeres und die weit dahinfließenden Ströme und den Saum des Ozeans und die Kreisbahnen der Gestirne und haben nicht acht ihrer selbst.'

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